Ken Hughes

Kenneth Hughes
Lesermeinung
Geboren
19.01.1922 in Liverpool, Großbritannien
Gestorben
28.04.2001 in Los Angeles, Kalifornien, USA
Sternzeichen
Biografie
Ken Hughes zählt nicht zu den großen Regisseuren seines Landes. Seine Werke kann man kaum den bedeutenden englischen Filmen zuordnen. Doch es sind redliche Filme: Krimis, Menschenschicksale, Sozialprobleme, Literaturverfilmungen, die sich alle um eine exakte Milieustudie bemühen, die ihre Dramatik aus der Spannung zwischen Mensch und Atmosphäre ziehen.

Nirgendwo wird die Spannung zwischen Umwelt und Individuum so stark und konsequent verknüpft und damit zum Motor des Films wie in den Arbeiten Ken Hughes, die man als britische B-Filme bezeichnen könnte. Ob man Arlene Dahl in "Keiner ging an ihr vorbei (1956), an Paul Douglas als Joe Macbeth in "Legion der Hölle" (1955), an Victor Mature in "Fahrt in den Abgrund" (1957) oder an Anthony Newley in "Der Gehetzte von Soho" (1963) denkt, die Schicksale der Helden im Film sind austauschbar, sie gehen den Zuschauer etwas an. Nur einmal erlangte Ken Hughes mit einem seiner Filme internationale Anerkennung: In den USA erhielt "Oscar Wilde" (1960) mit Peter Finch in der Titelrolle den Golden Globe Award und wurde als britischer Festivalbeitrag in Moskau gezeigt.

Erst danach erhielt der Brite die Chance für größere Projekte. Es folgt die gigantische Somerset-Maugham-Verfilmung "Des Menschen Hörigkeit" (1963) mit Kim Novak und Laurence Harvey, "Casino Royale" (1966), "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" (1968) und schließlich "Cromwell" (1969) mit Richard Harris als Oliver Cromwell und Alec Guiness als König Karl I. Doch der einstige Billigfilmer Hughes konnte mit den kostbaren Dekorationen nicht viel anfangen. Urs Jenny schrieb in der Süddeutschen Zeitung: "Aus der Schar verkleideter Filmschauspieler, die Richard Harris als Cromwell mit der breitspurigen Attitüde eines Fußballtrainers anfeuert, ragt einsam Alec Guiness heraus... Für ermüdete bildungsbeflissene Nachhilfeunterricht in englischer Nationalhistorie."

Den größten nationalen Erfolg hatte der junge Autor-Regisseur, der seine Laufbahn beim BBC begonnen hatte, mit einem Fernsehstück, das er selbst geschrieben und mit Anthony Newley in der Hauptrolle inszeniert hatte: "Die kleine Welt des Sammy Lee" (1958). Ein Mann saß eineinhalb Stunden auf der Bühne am Telefon, um sich 300 Pfund zu besorgen, die er einem obskuren Dunkelmann schuldete. Dieser an sich bescheidene Bühnenvorgang wurde in vielen Ländern - und auch in der Bundesrepublik - für den Fernsehschirm inszeniert. Der Film, den Hughes später mit seinem TV-Star und mehreren Personen nach diesem Stoff drehte, ist ein kleines Meisterstück des Regisseurs.

Die exakte Milieuzeichnung trägt Züge des Cinema Verité, dem legendären Schrecken des berüchtigten Sohos und seiner Kinowirksamkeit verfällt Ken Hughes nie und gerade das, was sich ebenso an seinen anderen Filmen zeigen ließe, verleiht ihm und seinem Werk so viel Wahrheitsgehalt. Nur selten sind Ken Hughes' Filme Leinwanderfolge, sein Name wird in den meisten Lexikas nicht genannt, aber vielleicht erinnert man sich eines Tages an einen britischen B-Filmregisseur, der recht interesssante Filme gemacht hat.

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