Mervyn LeRoy

Mervyn LeRoy drehte Gangsterfilme, Monumentalepen und Musicals, kurz: einfach alles Vergrößern
Mervyn LeRoy drehte Gangsterfilme, Monumentalepen und Musicals, kurz: einfach alles
Mervyn LeRoy
Geboren: 15.10.1900 in San Francisco, Kalifornien, USA
Sternzeichen: Waage
Gestorben: 13.09.1987 in Beverly Hills, Los Angeles, Kalifornien, USA

Mervyn LeRoys Eltern Harry und Edna LeRoy hatten 1906 durch das große Erdbeben von San Francisco ihr ganzes Hab und Gut verloren: Der Vater besaß eine einträgliche Export-Import-Firma. Von der Katastrophe hat sich Senior nie mehr erholt, und als er stirbt, ist der zehnjährig Mervyn alleine auf sich gestellt. Was tun in San Francisco anno 1916? Mervyn jobbt als Zeitungsjunge und produziert sich lautstark vor dem altehrwürdigen Alcazar Theater. Natürlich erweckt er Aufmerksamkeit. Vor allem dem Star des Abends, Theodore Roberts, fällt der Junge auf. Er engagiert ihn als Darsteller eines Zeitungsjungen. Doch sein Talent ist nicht übermäßig.

Von dieser Erkenntnis getroffen, versucht er es bei verschiedenen Amateurtheatern, verkauft sich als der singende Zeitungsjunge und später als jugendlicher Tenor. Nachdem er 1915 aus einem Wettbewerb als bester Chaplin-Imitator hervorgeht, tritt er täglich in der San Francisco Ausstellung auf, seine Auftritte im Vaudeville-Theater finden zahlreiche Fans. 1919 erscheint er in Hollywood mit einem Empfehlungsschreiben eines Cousins Jesse L. Lasky und erhält seinen ersten Job in einer Kostümabteilung. Von da an geht es langsam aufwärts: Mervyn LeRoy arbeitet im Labor, ist Kameraassistent. Er tritt als Statist auf, später als Kleindarsteller. Da ihm eine breite Pallette fehlt, spielt er immer wieder die gleichen Rollen.

Nach einem Dutzend Filmen wechselt er 1924 hinter die Kamera, beginnt als Gag-Schreiber und Spezialist für die Gag-Platzierung in Lustspielen. 1926 ist er Co-Autor des Films "Ella Cinders", 1927 beginnt seine Regietätigkeit. Berühmt wird Mervin LeRoy mit zwei großen Gangsterfilmen der frühen Dreißiger Jahre, mit "Der kleine Cäsar" (1930) und "Jagd auf James A." (1932). Im ersten Film sind Edward G. Robinson und Douglas Fairbanks jr. zwei kleine Gauner, die sich mit Überfällen auf abgelegene Tankstellen über Wasser halten. Danach wollen sie in der Großstadt ihre Träume erfüllen. Aber sie gehen unterschiedliche Wege: Rico wird zum großen rücksichtslosen Gangsterboss, Joe erreicht sein Ziel, ein berühmter Tänzer zu werden, nur halb: Er bleibt eine unbedeutende Randfigur. Doch Rico kann niemanden dulden, der zu viel von ihm weiß. Mit diesem Film hat Mervyn Le Roy einen der Grundsteine für das Genre des Gangsterfilms gelegt.

Zwei Jahre später entsteht der nächste große Gangsterfilm, die Geschichte vom Kettensträfling James Allen (Paul Muni). Der gerät als Kriegsheimkehrer in die Mühlen von Justiz und Strafvollzug. Das Urteil des tragischen Justizirrtums: 10 Jahre Zwangsarbeit! Zweimal kann James fliehen, doch auf die Aufklärung des Falles wartet er vergebens. So wird seine Existenz vernichtet. Mit "Tödlicher Pakt" (1941) versucht LeRoy an diese beiden erfolgreichen Gangsterfilme anzuknüpfen. Doch die Zeiten haben sich geändert, es bleibt bei einem respektablen Versuch - vor allem, was den szenischen Realismus anbelangt: Bruce Corey, aus der Armee entlassen, will wieder ins Zeitungsfach. Davon versteht er recht viel. Eine Boulevard-Zeitung ganz neuen Stils schwebt ihm vor, und Merrill Lambert ist bereit, sich zu beteiligen. Doch bald erkennt Bruce, dass er in die Hände von skrupellosen Gangstern gerät.

Siegt hier ein strenger Realismus über das düstere soziale Elend, so ist LeRoy auch ein Mann des Melodrams: "Ihr erster Mann" (1940) erzählt die tragische Geschichte einer Frau (Vivien Leigh), die als Kriegerwitwe von der Familie ihres Mannes nicht anerkannt wird, weil sie als Ballerina nicht gesellschaftsfähig ist. Deshalb endet sie in der Prostitution. "Blüten im Staub" (1941) mit Greer Garson, Walter Pidgeon und Felix Bressart beweist diese Vorliebe ebenfalls ausgiebig: Das glänzend besetzte Melodram voller Tränen und Traurigkeiten erzählt von einer mutigen Texanerin, die im Amerika vor dem Ersten Weltkrieg erfolgreich gegen ein Gesetz ankämpft, das unehelich geborenen Kindern den Familiennamen verweigert. Die Geschichte beruht auf einem Drehbuch der Schauspielerin Anita Loos, die später für Howard Hawks "Blondinen bevorzugt" schrieb.

1951 dreht er einen seiner bekanntesten und erfolgreichsten Filme: Die monumentale Verfilmung von "Quo Vadis" (1951) ist ein Unikum der Filmgeschichte. Denn trotz ausgiebigst präsentierter Schauwerte (Wagenrennen, Brand von Rom, Massenszenen) ist es ein einzelner Schauspieler, der dem steifen Schinken Leben einhaucht. Peter Ustinovs Darstellung des verweichlichten, gefährlich am Wahnsinn entlang wankenden Kaisers Nero zählt zu den unvergesslichen Kabinettstückchen der Filmgeschichte. Eine ganz andere Art von Kino ist "Keine Zeit für Heldentum" (1955) nach dem Bühnenstück "Mr. Roberts" von Joshua Logan. Henry Fonda, James Cagney, Jack Lemmon und William Powell sind die Stars dieses unblutigen Konflikts zwischen einem Ersten Offizier und einem Kapitän auf einem Marinefrachter im letzten Kriegsjahr. John Ford hat - gegen den Willen der Produktionsfirma - Fonda statt Marlon Brando oder William Holden durchgesetzt, gerät aber während der Arbeit mit Fonda aneinander. Als Ford vor Ende der Dreharbeiten erkrankt, übernimmt LeRoy die Regie, doch das meiste ist schon gedreht oder konzipiert. Eine Komödie, die thematisch an den Kinoerfolg "Die Caine war ihr Schicksal" erinnert.

Eine andere, eher enttäuschende Art von Film ist "Geheimagent des F.B.I. - The F.B.I. Story" (1959): Die Story vom Federal Bureau of Investigation (FBI), das gemeinsam mit dem CIA nicht nur in den USA, sondern auch in Lateinamerika und Afrika wirksam wurde, wird hier nicht erzählt, dafür das Märchen von einer rührend liebenswerten Bundespolizei, deren Beamte nur gute, wertvolle Amerikaner und Familienväter sind und im Dienst fürs Vaterland aufgehen. Tapfer kämpfen sie gegen das organisierte Verbrechen, vor allem aber auch gegen finstere Nazis und Kommunisten. Hauptdarsteller James Stewart sagte 1982 in einem Interview: "Meine jahrzehntelange Tätigkeit bei der Armee hat mich geprägt und mir eine der wichtigsten Tugenden, die Disziplin gelehrt." Selten geht ein Darsteller so sehr in seiner Rolle auf: Als Chip vom Tod seines Sohnes erfährt, sagt er zu seiner Frau Lucy beruhigend: "Die meisten Soldaten haben einen schnellen Tod, und das ist wohl besser so."

LeRoy hat Musicals wie "Goldgräber von 1933", "Serenade in Rio" (1953) und "Rose Marie" (1954) gedreht, aber von ihm stammt auch der brillante Horror-Thriller "Böse Saat" (1956). 1962 erregte er allerlei Aufruhr mit dem Skandal um "Gypsy", die aufwändige Verfilmung der Lebensgeschichte der Stripperin Gypsy Rose Lee. Natalie Wood spielte die Hauptrolle. Für sein Lebenswerk wurde Mervyn LeRoy 1975 mit dem Irving G. Thalberg Memorial Award ausgezeichnet. In seinen letzten Lebensjahren litt er an der Alzheimer Krankheit.

Filme mit Mervyn LeRoy als Darsteller: "The Ghost Breaker" (1922, ungenannt), "Der Meisterflieger" (auch Garderobe), "Little Johnny Jones", "Menschen zweier Welten" (auch Garderobe), "Prodigal Daughters" (alle 1923), "Ralphs nächtliche Abenteuer" (auch Garderobe), "The Chorus Lady" (beide 1924) und "Without Reservations" (1946, Cameo-Auftritt). Außerdem war LeRoy bei "Going Up" (1923) für die Garderobe zuständig und fungierte bei folgenden Werken als Gags-Schreiber: "We Moderns", "Sally" (beide 1925), "Twinkletoes", "Irene" (beide 1926) und "Orchids and Ermine" (1927).

Weitere Filme von Mervyn LeRoy: "No Place to Go" (1927), "Naughty Baby", "Oh Kay!", "Harold Teen", "Flying Romeos" (alle 1928), "Little Johnny Jones", "Broadway Babies", "Hot Stuff" (alle 1929), "Top Speed", "Numbered Men", "Show Girl in Hollywood", "Playing Around" (alle 1930), "Tonight or Never", "Local Boy Makes Good", "Broadminded", "Too Young to Marry", "Gentleman's Fate" (1931) "Spätausgabe" (alle 1931), "Ein ausgefuchster Gauner", "Zwei Sekunden", "Three on a Match", "Big City Blues", "The Heart of New York" (alle 1932), "The World Changes", "Die Hafen-Annie", "Elmer, the Great", "Hard to Handle", "Kinder auf den Straßen" (Buch, alle 1933), "Sweet Adeline", "Happiness Ahead", "Tag, Nellie!", "Heat Lightning" (alle 1934), "Gehetzte Frauen", "Park-Hotel", "Öl für die Lampen Chinas" (alle 1935), "Three Men on a Horse" (ungenannt), "Ein rastloses Leben" (beide 1936), "Ein König und ein Girl" (ungenannt, auch Produzent, 1937), "Der dritte Grad" (ungenannt, auch Produzent), "Ein König und ein Girl" (beide 1938), "Fools For Scandal" (1938), "Das zauberhafte Land" (ungenannt, auch Produzent, 1939), "Escape" (1940), "Der Tote lebt" (1941), "Gefundene Jahre", "Madame Curie" (beide 1942), "You, John Jones!"(1943), "Dreißig Sekunden über Tokio" (1944), "The House I Live In" (ungenannt, auch Produzent, 1945), "Without Reservations" (1946), "Desire Me" (ungenannt, 1947), "Dr, Johnsons Heimkehr" (1948), "Hoher Einsatz", "Kleine tapfere Jo", "Verlorenes Spiel" (alle 1949), "Die goldene Nixe", "Männer machen Mode" (beide 1952), "Aus dem Leben einer Ärztin" (1955), "Einst kommt die Stunde" (1956), "Blindgänger der Kompanie", "Bevor die Nacht anbricht" (beide 1958), "Unrasiert und fern der Heimat", "Der Teufel kommt um vier" (beide 1960), "1000 Meilen bis Yokohama" (1961) "Meine geschiedene Frau Mary, Mary" (1963), "Moment to Moment" (1965) und "Die grünen Teufel" (1967, ungenannt).

Neben vielen eigenen Regie-Arbeiten produzierte LeRoy auch folgende Werke: "Mr. Dodd Takes the Air", "The Great Garrick" (beide 1937), "Dramatic School" (1938), "Die Stunde der Vergeltung", "Die Marx Brothers im Zirkus" (beide 1939) und die "Wizard Of Oz"-Folge der TV-Serie "Ford Star Jubilee" (1955).


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