Michael Verhoeven

Das Multitalent der Deutschen Filmbranche: Michael
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Das Multitalent der Deutschen Filmbranche: Michael Verhoeven
Michael Verhoeven
Geboren: 13.07.1938 in Berlin, Deutschland

Während Eltern sonst sehr darum bemüht sind, dass ihre Kinder etwas "Anständiges" lernen, hätte der Weg von Michael Verhoeven, wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, anders ausgeschaut. Paul Verhoeven, der bereits in den 30er Jahren ein erfolgreicher und bekannter Bühnen-, Filmdarsteller und Regisseur war, sah seinen Sohn auf der Bühne und hätte ihn am allerliebsten, neben dessen Schwestern Lis und Monika, in einem familieneigenen Theater gesehen. Doch Michael Verhoeven machte ihm einen Strich durch die Rechnung und rebellierte - in einer verspäteten jugendlichen Trotzphase - gegen die Pläne seines Vaters und wählte stattdessen einen gutbürgerlichen Weg und begann 1957 ein Medizinstudium, das er 1969 mit dem Dr. med. abschloss. Nebenbei - so stark war seine Abneigung gegenüber der Schauspielerei dann doch nicht - spielte er in einer Vielzahl von Filmen mit und stand immer mal wieder auf der Theaterbühne.

Dort befand er sich erstmals mit 13 Jahren in Kästners "Pünktchen und Anton", nur zwei Jahre später gab Michael Verhoeven sein Kinodebüt in "Das fliegende Klassenzimmer" (1954) an der Seite von Paul Dahlke. Bis zu seinem Abitur nahm der Berliner Jungdarsteller weitere Kinder- und Jugendrollen an. 1960 spielte er unter der Leitung seines Vaters in "Der Jugendrichter" an der Seite von Heinz Rühmann, neben dem er auch in Axel von Ambessers "Der Pauker" und in Helmut Käutners "Das Haus in Montevideo" vor der Kamera stand.

Ein endgültiger Bruch mit Film und Theater gelingt Michael Verhoeven nicht. Zwar praktiziert er nach Beendigung seines Studium als Mediziner, doch bleibt er der Schauspielerei treu und nicht nur ihr, sondern auch einer schönen Kollegin, die er 1963 bei den Dreharbeiten zu "Jack und Jenny" lieben lernt und die er am 26.09.1966 heiratet: Senta Berger.

Schnell setzen sie ihr erstes gemeinsames "Baby" in die Welt: Die Sentana-Produktionsfirma. 1967 kommt Michael Verhoevens erste Kinoregie "Paarungen" nach August Strindbergs "Totentanz" mit seinem Vater Paul Verhoeven in einer Hauptrolle auf die Leinwand. Es folgen einige locker-leichte Lustspielchen: "Engelchen macht weiter - hoppe, hoppe Reiter" (1969) und "Der Bettenstudent oder Was mach' ich mit den Mädchen?" (1970), die im Nachhinein als Fingerübungen des Jungregisseurs gesehen werden können.

Während seine Ehe vollkommen skandalfrei bleibt, sorgt Michael Verhoeven bald schon auf der Filmleinwand für handfeste Kontroversen und Skandale. 1970 gelingt ihm der Wechsel in das sozialkritische Fach. Sein Film "O.K." (1970), eine Anklage gegen den Vietnamkrieg, sorgt bei der Berlinale 1970 für Proteste der Amerikaner und führt zum Abbruch der Festspiele. Weitere politisch-engagierte Filme mit sozialkritischen Themen folgen in den nächsten Jahren. "Wer im Glashaus liebt... der Graben" (1971) thematisiert die Schwierigkeiten mit den gesellschaftlichen Rollenerwartungen und in "Ein unheimlich starker Abgang" (1973) behandelt Verhoeven Themen wie illegale Abtreibung und Ausbeutung in der Beziehung.

1972 kam Senta Bergers und Michael Verhoevens erster Sohn zur Welt: Simon Verhoeven. Ein Jahr nach dessen Geburt gab Michael Verhoeven seinen Arztberuf auf und konzentrierte sich vollkommen auf das Filmgeschäft. In den folgenden Jahren produziert und dreht er weitere Filme, 1975 mit "Krempoli - Ein Platz für wilde Kinder" auch eine TV-Serie für Kinder, die nicht nur der reinen Unterhaltung dient, sondern auch sozialkritische Themen aufgreift.

1982 schafft er mit "Die Weiße Rose" (1982) einen wichtigen Film über den Widerstand im Dritten Reich und sorgt - durch einen Hinweis im Nachspann - dafür, dass die Zuschauer auf eine Ungeheuerlichkeit aufmerksam werden: Bis zu diesem Film über die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter, waren die Urteile gegen das Geschwisterpaar und die Mitglieder der Weißen Rose rechtsgültig. Die Empörung, die als Reaktion laut wurde, und der folgende Rechtsstreit sorgten dafür, dass die Urteile annulliert wurden.

Doch nicht nur die starken Frauen und die sozialkritischen Themen haben es dem Wahlmünchner angetan, auch heitere TV-Unterhaltung wird von ihm produziert, gerne mit seiner Frau, mit der er in der hiesigen Filmszene als "Dream Team" gehandelt wird, in der Hauptrolle. Für seinen Film "Das schreckliche Mädchen" (1990), eine Gesellschaftssatire über eine Schülerin, die in einem Schulaufsatz das Thema "Meine Heimatstadt im Dritten Reich" gewählt hat, erhält Michael Verhoeven eine Oscar-Nominierung und wurde auf den Filmfestspielen von Berlin mit dem Silberen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Ein weiteres Highlight seiner Laufbahn ist der Dokumentarfilm "Der unbekannte Soldat" (2006), der die Reaktionen auf die Wehrmachtsausstellung (1995-1999) aufzeigt.

Für seine Arbeiten hat Michael Verhoeven eine Vielzahl von Preisen erhalten, zusammen mit seiner Ehefrau bekam er 1999 das Bundesverdientskreuz und 2002 den Bayerischen Verdienstorden. Die Familie rund um Michael Verhoeven ist mittlerweile eine Institution in der deutschen Filmbranche und bereits das Thema einer Dokumentation rund um den "Verhoeven-Clan" geworden. Simon und Luca, der 1979 geboren wurde, setzen die Familientradition fort und werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass die "Verhoevens" eine feste Größe im deutschen Film bleiben.

Als Darsteller war Michael Verhoeven in folgenden Filmen zu sehen: "Marianne" (1955), "Penelope oder Die Lorbeermaske", "Der Pauker" (beide 1958), "Der Mann im Manne", "So angelt man keinen Mann", "Blühende Träume" (alle 1959), "Mit 17 weint man nicht", "...und noch frech dazu!", "Ein Student ging vorbei" (alle 1960), "Ich kann nicht länger schweigen", "Wenn beide schuldig werden", "Ein Buch mit Kapiteln" (alle 1962), "Der Geisterzug" (1963), "Wachet und singet", "Lausbubengeschichten" (beide 1964), "Die Fünfte Kolonne - Blumen für Zimmer 19" (TV-Serie, 1965), "Onkel Filser - Allerneueste Lausbubengeschichten" (1966), "Was Ihr wollt" (1968), "Der Kommissar - Dr. Meinhardts trauriges Ende" (TV-Serie, 1970), "Der Kommissar - Kellner Windeck" (TV-Serie, 1971), "Die schnelle Gerdi" (1989), "Unter Verdacht - Atemlos" (TV-Serie, 2006).

Weitere Arbeiten hinter der Kamera, als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent: "Tische", "Der Kommissar - Dr. Meinhardts trauriges Ende" (TV-Serie, beide 1970), "Bonbons" (1971), "Tatort - Kressin und der Mann mit dem gelben Koffer" (1972), "Die Herausforderung" (1975), "MitGift" (1976), "Bier und Spiele" (TV-Serie), "Gefundenes Fressen" (beide 1977), "Das Männerquartett", "1982: Gutenbach" (beide 1978), "Freundinnen" (TV-Serie), "Verführungen" (beide 1979), "Sonntagskinder", "Am Südhang", "Die Ursache" (alle 1980), "Die Mutprobe" (1982), "Liebe Melanie", "Die Spider Murphy Gang - Der Film" (beide 1983), "Das Tor zum Glück" (1984), "Killing Cars" (1986), "Gundas Vater", "Gegen die Regel" (beide 1987), "Ignaz Semmelweis - Arzt der Frauen" (1989), "Das Mädchen und die Stadt oder: Wie es wirklich war", "Schlaraffenland" (beide 1990), "Lilli Lottofee" (TV-Serie, 1992), "Eine Unheilige Liebe" (1993), "Mutters Courage" (1995), "The Legend of Mrs. Goldman and the Almighty God", "Stinkwut" (beide 1996), "Zimmer mit Frühstück", "Enthüllung einer Ehe" (beide 2000), "100 Pro" (2001), "Die Kleine Schwester - Die weiße Rose: Ein Vermächtnis" (2002), "Die Schnelle Gerdi" (TV-Serie, 1989 - 2004), "Tatort - Die Spieler" (2005), "Bloch - Vergeben, nicht vergessen", "Menschliches Versagen" (beide 2008), "Bloch - Heißkalte Seele", "Bloch - Die Lavendelkönigin" (beide 2013).

Foto: BR


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