Richard Fleischer

Richard Fleischer
Geboren: 08.12.1916 in Brooklyn, New York, USA
Sternzeichen: Schütze
Gestorben: 25.03.2006 in Woodland Hills, Los Angeles, Kalifornien

Ein ruhiger, freundlicher alter Herr, grauhaarig, geduldig und ausdauernd, - so begegnet man ihm 1971: Richard Fleischer. Als Sohn des Stummfilm-Pioniers und Zeichentrickfilm-Mannes Max Fleischer ("Gullivers Reisen") hat er mit Wochenschau-Arbeiten bei Pathé angefangen, nachdem er Psychologie studiert und an der Yale Drama School an der ersten Rundbühne mitgearbeitet hattte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhält er den Oscar für seinen abendfüllenden Dokumentarfilm "Design for Death" über die Kriegsführung der Japaner.

In seiner Karriere als Spielfilmregisseur drehte er so unterschiedliche Filme wie den aufwendigen Seefahrerfilm über die barbarischen Nordländer "Die Wikinger" (1958), die phantastische Jules-Verne-Verfilmung "20000 Meilen unter dem Meer" (1954) - beide mit Kirk Douglas als Star-, den dubiosen Politthriller über den lateinamerikanischen Guerillero "Che!" (1968) und das skektakuläre Kriegsabenteuer über den japanischen Angriff auf Pearl Harbour "Tora! Tora! Tora!" (1969), sowie den Psycho-Thriller "Stiefel, die den Tod bedeuten" (1971).

Fleischer dreht jedes Jahr einen oder zwei Spielfilme, gute und weniger gute Filme, Filme, die Geld bringen und solche, die ihm wichtig erscheinen. Er hat nicht das ganz Große vollbracht, aber immer kann man ihm handwerliche Exaktheit bescheinigen. Er macht kommerzielles Kino, nicht immer zahlt sich das aus. Doch er genießt soviel Anerkennung, dass er immer beschäftigt ist. Eines seiner bevorzugten Themen sind Filme gegen die Todesstrafe, die das Verbrechen als Krankheit sehen, oder Filme, die die Mörder und Triebverbrecher als Opfer ihrer Umgebung, als Opfer der Gesellschaft betrachten. Und hier liegt seine Stärke. Als er 1959 "Der Zwang zum Bösen" mit Bradford Dillman und Orson Welles dreht, gelingt es ihm, sich in die Psyche eines Verbrechers zu versetzen.

Der Film findet in Cannes Anerkennung, die Darsteller Bradford Dillmann und Dean Stockwell werden ausgezeichnet. Er dreht Erfolgsfilme wie der Bibelfilm "Barabbas" (1961) und "Die fantastische Reise" (1965). Letzterer ist ein phantasievoller Sciencefiction-Film über ein abenteuerliches Unternehmen: Um ein tödliches Blutgerinsel zu entfernen, lässt sich ein Wissenschaftlerteam auf Mikrobengröße verkleinert, in die Blutbahn eines Patienten spritzen und erlebt dort ungeahnte Gefahren und Abenteuer. Der Erfolg solcher Filme ebnet ihm den Weg für engagierte Arbeiten wie "Der Frauenmörder von Boston" (1968), ebenfalls ein Plädoyer für einen Mann, dessen grausame Taten Fleischer nicht weißwaschen will, aber dessen Schicksal für ihn als das eines bedauerlichen Kranken gesehen wird, der ein Opfer der Gesellschaft und ihrer Verständnislosigkeit ist.

Auch "Polizeirevier Los Angeles Ost" (1972) ist kritisch gemeint. Er orientiert sich an dokumentarischem Material, spiegelt die Oberfläche und schildert an der Wirklichkeit orientierte Vorfälle. Das gilt auch für die Sciencefiction-Vision "Jahr 2022 ... Die überleben wollen" (1973): Eine verblüffende Zukunftsvision der USA. Das Musical "Doctor Dolittle" (1966) ist Fleischers Beitrag zur Familienunterhaltung: Hugh Loftings Dolittle-Geschichten haben in den Kinderstuben vieler Länder die zweifelhafte Botschaft verkündet, dass Tiere eigentlich die besseren Menschen sind. Bei Fleischer unterhält sich der liebenswert schrullige Tierarzt (Rex Harrison) mit Pferd, Schwein und Floh, denn sein hundertjähriger Papagei hat ihm nicht weniger als 499 Tiersprachen beigebracht. Die Choreographie ist trickreich, die Musik dünn, ein farbiger Drei-Manegen-Zirkus, schwach arrangiert, mit ausgezeichneten Nummern.

Und schließlich hat Fleischer in den Achtzigerjahren vordergründige Fantasy-Filme wie "Conan, der Zerstörer" und "Red Sonja" mit Arnold Schwarzenegger und Brigitte Nielsen gedreht. Den dubiosesten und am meisten kritisierten Film über das Leben Che Guevaras bezeichnet Fleischer selbst als einen großen Fehlschlag. Er habe sich bemüht, eine Wahrheit zu finden, jenseits jeder politischen Vorbelastung: "Ein Film muss einen Standpunkt haben. Was wir gesagt haben, war - so hoffe ich - die Wahrheit, aber wir saßen mit unserer "Unparteilichkeit" zwischen allen Stühlen. Und das ist sehr schlecht."

Fleischer war immer an filmtechnischen Neuerungen interessiert und beteiligt. Die 1948 entstandene Komödie "So this is New York" erhielt durch die Verwendung von Standbildern, Zeitraffer und Untertiteln einen für die damalige Zeit untypisch comichaften Charakter. So hat er mit "Arena" 1953 einen der ersten 3-D-Filme gedreht (und 1983 mit "Amityville III" ein verbessertes 3-D-Verfahren getestet). In seinem Cinemascope-Western "Bandido" (1956) mit Robert Mitchum versucht er ebenso wie in dem Edelwestern "Tausend Berge" (1958) das Cinemascope-Verfahren voll auszunutzen, in seinem "Frauenmörder von Boston" versucht er durch gesplittete Bildeinstellungen eine Authentizität zu erreichen und Vorgänge an verschiedenen Schauplätzen gleichzeitig zu vermitteln.

Schließlich ist der in London 1976 entstandene dokumentarische Spielfilm über die legendäre Schauspielerin Sarah Bernhardt - die Produktionsfirma nennt sich kurioser Weise "Reader's Digest" trotz der wunderbaren Glenda Jackson ein Ärgernis. Schließlich gehören zwei dokumentarische Kriminalfilme mit Orson Welles zu seinen wichtigsten Arbeiten: "Der Zwang zum Bösen" (1959), in dem Welles als Verteidiger zweier brutaler jugendlicher Mörder auftritt und "Drama im Spiegel", eine tödliche Dreiecksgeschichte, die sich in einem völlig anderen Milieu wiederholt.

Weitere Filme von Richard Fleischer: "Mein Sohn entdeckt die Liebe" (1952), "Um Haaresbreite" (1952), "Sensation am Sonnabend" (1955), "Feuertaufe" (1956), "Das große Wagnis" (1960), "John Christie, der Frauenwürger von London" (1970), "Wen die Meute hetzt" (1971), "Der Don ist tot" (1973), "Vier Vögel am Galgen" (1973), "Das Gesetz bin ich" (1974), "Mandingo" (1975), "Der Prinz und der Bettler" (1977) und "Ashanti" (1978).


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