Der Tatort zu Weihnachten liefert Drama statt Krimi und Gefühle statt Rätsel.

Selbst bei den spannendsten Fällen, den brennendsten Themen, der Tatort hat ein Problem: Er löst keine. Er kann Debatten anstoßen, aber das, was in der Welt passiert, verändert er nicht. Und das kann manchmal verdammt wütend machen.

"Wenn ich Weihnachten in dieser Scheißkälte sitzen muss, kriege ich eine veritable Depression", sagt Rechtsmediziner Steinbrecher mit Blick auf seinen Weihnachtsurlaub im Süden – und einen Fall, der sich zieht. Doch die, um die es wirklich geht, die müssen das jeden Tag, in dieser Scheißkälte sitzen. Sie betteln, halten Hunger und Schläge aus, sie leiden.

"Klingelingeling", der Tatort, den das Erste am Weihnachtsmontag zeigt, dreht sich um das Thema rumänischer Bettlerclans. Und eigentlich macht er damit eine ganze Menge richtig. Er knöpft sich ein wichtiges Thema vor, hat gute bis hervorragende Schauspieler, er emotionalisiert. Doch er hat auch einen Fall, der zumindest dem Zuschauer keine Rätsel aufgibt – und einen Plot, der kein Tempo kennt.

Geschichte zieht sich in die Länge

Dabei gibt es mit dem Fall um die Schwestern Tida (großartig: Mathilde Bundschuh) und Anuscha Dablika (Cosmina Stratan), ein totes Baby und den verschwundenen Bruder des Clan-Chefs Radu Stelica (Florin Piersic jr.) durchaus eine Geschichte. Doch die zieht sich genauso in die Länge wie der Fall.

Es mag unfair sein, aber man muss diesem Krimi tatsächlich vorwerfen, zu nah am Leben zu sein, das eben manchmal auch kein Tempo kennt, das manchmal auch kaum Rätsel aufgibt. Was aber noch schwerer wiegt, ist, dass man das abwägen muss gegen die eigentlich aufwühlenden, wütend machenden Schicksale dahinter, die aber leider noch keinen Krimi machen. Ihnen kann man mit so einem Urteil nicht gerecht werden, aber wenn man ehrlich ist, dann ging es darum beim Tatort noch nie.

Realität? Gerne, aber nur, solange sie spannend bleibt. Das ist die Prise Doppelmoral, ohne die keine Fernsehkritik auskommt. Das ist das kleine bisschen Verlogenheit, von der sie lebt.

Ein berührendes Melodram

Ganz ohne Verlogenheit: Vor allem am Ende ist "Klingelingeling" ein berührendes Melodram, eines, das sich zwar nicht alle Klischees, aber den allerletzten Kitsch erspart, eines, das nicht so recht zum Tatort passen mag, aber zu Weihnachten durchaus. Keines für ein frohes Fest, das sicher nicht, aber für ein besinnliches im wahrsten Wortsinn.

Sehen Sie hier die Bilder zum Tatort "Klingelingeling".