Claus Räfle inszenierte ein wuchtig-informatives Doku-Drama, das die Erlebnisse von vier abgetauchten Juden während des Zweiten Weltkriegs schildert.

Dass trotz unzähliger Film- und Fernseharbeiten über die NS-Zeit noch immer aufrüttelnde und erhellende Werke entstehen können, bewiesen zuletzt Kinofilme wie "Der Dolmetscher" mit Peter Simonischek, Christian Petzolds "Transit" oder die Romanadaption "Der Trafikant". Ähnlich mitreißend präsentiert sich das Doku-Drama "Die Unsichtbaren – Wir wollen leben" (2017), mit dem Claus Räfle den gefährlichen Alltag vier abgetauchter jüdischer Jugendlicher im Berlin des Zweiten Weltkriegs nachzeichnet. Rund 7.000 Menschen versuchten damals in der deutschen Hauptstadt, aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden, um der Ächtung und Verfolgung zu entfliehen. Der Film setzt ihnen ein Denkmal. Das Erste zeigt das wuchtig-informative Werk nun als Free-TV-Premiere zur besten Sendezeit.

Als die Nazis damit beginnen, die Juden in den "Osten zu evakuieren", wie es im Film gemäß NS-Jargon verharmlosend heißt, bleibt der junge Grafiker Cioma Schönhaus (Max Mauff) dank seiner Arbeit zunächst verschont. Aus Angst vor den Behörden entzieht er sich jedoch schon bald ihrem Zugriff und verdient sich mit dem Fälschen von Pässen seinen Lebensunterhalt. Die Arzttochter Ruth Arndt (Ruby O. Fee) wird beim Abtauchen von ihrer Familie getrennt und kleidet sich wie eine Soldatenwitwe, um wenigstens ab und an ihre wechselnden Verstecke verlassen zu können.

Auf die Straße traut sich auch Hanni Lévy (Alice Dwyer), die sich dem arischen Vorbild entsprechend ihre Haare blond färbt. Ein unstetes Dasein fristet nicht zuletzt der 16-jährige Eugen Friede (Aaron Altaras), der auf Umwegen in die Obhut des Hitler-Gegners Hans Winkler (Andreas Schmidt) kommt und sich dort dem aktiven Widerstand gegen die Nazis anschließt. Vier Schicksale beschreibt Räfle im Detail und setzt damit exemplarisch auch den anderen untergetauchten Berliner Juden ein berührendes Denkmal. Von den 7.000 Untergetauchten überlebten am Ende nur 1.500.

Seine ausgeprägte emotionale Wucht erzeugt die filmische Aufarbeitung durch die geschickte Kombination von nachgestellten Spielszenen und Interviews mit den vier realen Zeitzeugen. Schönhaus, Arndt (nach ihrer Hochzeit den Namen Gumpel tragend), Lévy und Friede erweisen sich als fesselnde Erzähler und bringen in ihren berührenden Berichten diverse Empfindungen zum Ausdruck: Schmerz über den unglaublichen Massenmord an den Juden. Dankbarkeit für die Hilfe derjenigen, die ihr Leben im Untergrund ermöglichten. Und ein großes Staunen über das Glück, davongekommen zu sein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst