Die neue US-Serie folgt gleich vier unterschiedlichen Berufsgruppen bei ihren Einsätzen in Los Angeles – zu viel des Guten oder ein weiterer Hit?

Die Amerikaner haben ein Faible für Alltagshelden. Anders lässt sich der beständige Erfolg episodisch erzählter Geschichten über Polizisten, Ärzte und Feuerwehrleute nicht erklären. Serien wie "Emergency Room" und "Navy CIS", "Dr. House" und "CSI: Vegas" gelten sicherlich als Klassiker unter ebenjenen Formaten – man könnte die Aufzählung endlos fortsetzen. In letzter Zeit sorgte vor allem die "Chicago"-Reihe aus dem "Law & Order"-Serienuniversum für hohe Einschaltquoten weltweit. Begonnen hat alles mit "Chicago Fire", weiter ging es mit "Chicago P.D." und "Chicago Med". Auch hier wird ersichtlich, wem mit den einzelnen Ablegern ein Denkmal gesetzt werden soll.

Dieser Dominanz hat nun eine neue Show den Kampf angesagt: "9-1-1". Die Dramaserie spielt in Los Angeles und vereint gleich alle Helden unter einem Dach: Feuerwehrleute, Polizisten, Rettungssanitäter und sogar die Mitarbeiter der Notrufleitstelle. In den USA feierte das Konzept große Erfolge. Klappt das nun auch bei der deutschen TV-Premiere auf ProSieben?

Der Privatsender hat sich die Rechte an den zehn Folgen der ersten Staffel gesichert und damit möglicherweise ein goldenes Händchen bewiesen, denn "9-1-1" ist hochklassiges Entertainment. Die Hit-Serie folgt ihren Protagonisten bei emotional wie körperlich fordernden Einsätzen in der Stadt der Engel. Da wäre zum Beispiel der besonnene Feuerwehrchef Bobby Nash (Peter Krause, "Six Feet Under"), der mit seiner Vergangenheit hadert. Oder Polizistin Athena Grant (Angela Bassett, "Emergency Room"), die vor den Trümmern ihrer Ehe steht.

Eine bislang sträflich vernachlässigte Berufsgruppe der Ersthelfer sind die Mitarbeiter der Notrufleitstellen, denen die Koordination der Einsätze obliegt. Sie sind es, die zuerst mit dem Chaos konfrontiert werden und sekundenschnell Entscheidungen treffen müssen. Connie Brittons ("Nashville") Figur Abby obliegt ebenjene Aufgabe. "Es ist besser, dass ich meistens nicht weiß, wie es ausgeht", sagt sie. Dass der Job bei allen Beteiligten Spuren hinterlässt, ist nicht zuletzt an Bobbys vergangener Alkoholsucht erkennbar. Alle Helden haben ihr Päckchen zu tragen – das macht sie menschlich, verletzlich und sympathisch. Besonderes Highlight: Oliver Stark ("Into the Badlands") als Heißsporn Buck.

"9-1-1" (die US-Notruf-Nummer) punktet nicht nur mit gut geschriebenen Figuren, sondern auch mit mannigfaltigen, hochdramatischen und emotionalen Notfällen: ein Neugeborenes, das die Toilette hinuntergespült wurde, eine Frau, die von ihrer Schlange erwürgt wird, ein Suizid, ein Einbruch, ein ertrinkender Teenager – und damit wäre gerade mal Folge 1 abgehakt! Und doch wirkt die actionlastige Show nie überfrachtet, sondern schweißtreibend und spannend bis zur letzten Minute. Schließlich stehen die Protagonisten permanent "Under Pressure", wie es der gleichnamige Song von Queen und David Bowie betont. Etwas weniger Pathos und Korpsgeist-Geschwafel hätten aber nicht geschadet.

Erdacht wurde "9-1-1" von Meistern ihres Fachs: Tim Minear ("Firefly", "American Horror Story") und das Erfolgsduo Ryan Murphy und Brian Falchuk ("Glee", "American Horror Story") zeichnen für die Serie verantwortlich. Staffel eins sorgte in den Vereinigten Staaten für Top-Quoten und wurde bereits um eine 16-folgige zweite Season verlängert. Jennifer Love Hewitt ("Ghost Whisperer") stößt dann zum Cast dazu.


Quelle: teleschau – der Mediendienst