Arbeiten, Text lernen, früh schlafen gehen – und alles von vorn: Mit dieser professionellen Formel hat es Arzu Bazman (40) zu einer langlebigen Schauspielkarriere gebracht. Seit 18 Jahren ist sie Teil der Krankenhaus-Serie "In aller Freundschaft" und war zudem in unzähligen weiteren populären Produktionen zu sehen – unter anderem wirkte sie in "Alarm für Cobra 11", "SOKO Stuttgart", "Hausmeister Krause" oder "Großstadtrevier" mit.

Aktuell schlüpft die Berlinerin in die Rolle einer Dozentin für Klinik-Auszubildende im neuen Serien-Spin-Off "In aller Freundschaft – Die Krankenschwestern" (ab 1. November, 18.50 Uhr, ARD). Ein Gespräch über Arbeitseifer und Disziplin, Kochen als Ausgleich und mögliche Zukunftsengagements.

prisma: Frau Bazman, das Klinikfernsehen gehört schon seit vielen Jahren zu Ihrem beruflichen Alltag. Ist da ein neues Format à la "Die Krankenschwestern" überhaupt noch etwas Besonderes?

Arzu Bazman: Ja, denn ist etwas ganze anderes. "Die Krankenschwestern" werden aus der Sicht des Pflegepersonals erzählt, während es in "In aller Freundschaft" mehr um Ärzte und Familiengeschichten geht. In "Die Krankenschwestern" bin ich die Dozentin der Auszubildenden, nicht die Oberschwester oder Pflegedienstleiterin wie sonst. Ich lehre also, wie man zum Beispiel einen Verband wechselt, Blut abnimmt und mit Cholerikern umgeht ...

prisma: Und mit jungen Leuten, deren Wildheit es einzugrenzen gilt. Erkennen Sie sich da manchmal selbst wieder? Sie haben schließlich auch mal eine Ausbildung zur Radiologieassistentin gemacht.

Bazman: Bei uns war das damals alles ganz diszipliniert. Pünktlich sein, zuhören, mitmachen, arbeiten, viele Fragen stellen ...

prisma: Aber keine Partys?

Bazman: Nee. Ich kam ja vom Leistungssport und hatte deshalb auch keine Probleme mit Disziplin.

prisma: Nie gefeiert?

Bazman: Doch, doch, so spießig war ich dann auch nicht. Ich war auch mal eine flippige Maus (lacht). Nur eben nicht, wenn ich am nächsten Tag arbeiten musste.

prisma: Ist das immer noch so?

Bazman: Ja. Wenn ich am nächsten Tage arbeite, lerne ich abends Texte und gehe früh schlafen. Wenn die Arbeit getan ist, kann ich ja auch was trinken gehen.

prisma: Auch mal in die Disko?

Bazman: Clubs gibt es nicht mehr für mich. Lieber gehe ich in ein Restaurant oder in eine Bar.

prisma: Die Auszubildenden in "Die Krankenschwestern" werden zum Einstand buchstäblich ins kalte Wasser geschmissen, nämlich auf einer Party in den Pool. Ist Ihnen das damals auch passiert?

Bazman: Nein! Gott sei Dank nicht.

prisma: Irgendwann haben Sie die Medizin fürs Showgeschäft eingetauscht. Mit dem Verdacht, dass das was für länger werden könnte?

Bazman: Nein, ich hätte damit nie gerechnet. Ich habe ganz am Anfang ja die ProSieben-Morgenshow gemacht, zusammen mit Wigald Boning und Steffen Hallaschka. Und ich habe damals wirklich nicht gewusst, wie weit das für mich gehen würde, auch nicht, dass ich mal beim Film landen würde. Und mittlerweile habe ich schon 40 Produktionen mitgemacht und bin seit 18 Jahren bei "In aller Freundschaft".

prisma: Also gab es keinen Karriereplan?

Bazman: Ich denke nie daran, was morgen ist. Ich arbeite einfach. Auch heute kann ich nicht sagen, ob ich die nächsten 20 Jahre drehen werde. Ich lasse alles auf mich zukommen.

prisma: Kein Streben nach mehr? Nach größeren Rollen? Kein Höher-Schneller-Weiter-Denken?

Bazman: Nö. Ich versuche einfach, in diesem Job, diesem Haifischbecken, zu überleben.

prisma: Wie funktioniert das am besten?

Bazman: Mit der angesprochenen Disziplin, Seriosität und guter Arbeit. Es geht ja nicht zuletzt darum, die Auftraggeber glücklich zu machen. Als Schauspielerin muss man deshalb auch mal die Klappe halten können und auch nicht auf jedem roten Teppich herumlaufen, weil da irgendwelche Möchtegern-Leute sind. Mit dieser Einstellung habe ich jedenfalls bisher meine Rollen bekommen. Ich habe immer verschiedene Rollen angeboten bekommen. Und jetzt bin ich auch in einem Alter, in dem ich weiß, was ich drehen will und was nicht.

prisma: Welche Rollen wollen Sie denn?

Bazman: Welche, für die ich etwas tun muss. Für die ich zum Beispiel einen Sprechtrainer und noch mehr Schauspielunterricht brauche. Ich möchte einfach an einer Rolle arbeiten und sie finden, in so einem Prozess gehe ich voll auf.

prisma: Würden Sie denn eine Rolle bei "GZSZ" annehmen?

Bazman: Meine ehemalige Agentin hat immer gesagt: "Sag niemals nie!" Und: Hut ab vor dem, was die bei "GZSZ" leisten. Wir sind eine wöchentliche Serie mit 45 Sendminuten. Die hingegen drehen 30 Minuten für jeden Tag! Die Leistung, die sie in kurzer Zeit bringen, ist schon beachtlich. Und deshalb sage ich grundsätzlich: Ich mache alles.

prisma: Wie wäre es mit einem Engagement als "Tatort"-Ermittlerin in Leipzig?

Bazman: Ach, das wäre so schön! Da hätte ich Bock drauf und würde gerne mal vorsprechen.

prisma: Haben Sie auch mal Lust auf Entspannung zwischendurch? Klingt ja bisher, als gäbe es bei Ihnen immer nur Arbeit.

Bazman: Ich bin tatsächlich immer dann besonders glücklich, wenn ich von der Arbeit fix und fertig bin und ein Bett brauche.

prisma: Brauchen Sie keinen Ausgleich?

Bazman: Doch! Mein Ausgleich ist das Kochen. In meiner Küche, wo es immer viel Obst und Gemüse gibt, denke ich nur ans Kochen und Essen.

prisma: Kochen Sie am liebsten für sich oder für andere?

Bazman: Für mich sowie für andere. Ich liebe es, andere zu bekochen! Gestern Nacht zum Beispiel habe ich bis Mitternacht gekocht und ein Essen vorbereitet.

prisma: Was gibt's denn?

Bazman: Eine Gläserfüllung mit Jalapeños, Tomaten und Bolognese.

prisma: Und außer Kochen? Noch irgendwelche Vorlieben?

Bazman: Ich fotografiere sehr gerne!

prisma: Was denn so?

Bazman: Alles! Und sei es eine Wasserflasche, die in einem schönen Licht steht.

prisma: Mit Profi-Equipment?

Bazman: Mit dem Handy. Handykameras sind ja heute so gut, dass man zum Fotografieren eigentlich keinen Fotoapparat mehr mitschleppen muss.

prisma: Und die Fotos davon hängen bei Ihnen in der Wohnung?

Bazman: Noch nicht (lacht).


Quelle: teleschau – der Mediendienst