Aufregerthema zur besten Sendezeit: Die neue ZDF-Dokumentation "Was verdient Deutschland" von Frank Zintner spießt die schon länger schwelende Debatte rund um die Gehälter-Ungerechtigkeit hierzulande auf. Nicht nur die Höhe der Löhne, die in West und Ost ausgezahlt werden, unterscheidet sich teilweise dramatisch. Auch zwischen Männern und Frauen klafft eine als "Gender Pay Gap" bezeichnete Lücke.

Zudem ist es vielen Mitbürgern unerklärlich, warum hart arbeitende Krankenpfleger oder Kindergärtnerinnen so viel weniger auf dem Lohnzettel stehen haben als andere, und wer kann schon nachvollziehen, welche Summe inklusive Boni Spitzenbanker einstreichen. Aufgegriffen werden auch an sich löbliche Versuche, in einzelnen Unternehmen auf totale Gehältertransparenz zu setzen. Doch es steht die Frage im Raum, welche Folgen sich daraus für die Motivation von Mitarbeitern ergeben.

Die Untersuchung aus der "ZDFzeit"-Reihe möchte in deutsche Lohntüten blicken und wirft die Frage auf, warum manche Berufe vermeintlich besonders großzügig entlohnt und andere Arbeitnehmer schlecht bezahlt werden. Die Neugierde des Publikums dürfte dabei groß sein: Laut aktuellen Umfragen wissen offenbar nur 20 Prozent aller Deutschen, wo sie mit ihrem Gehalt, verglichen mit ihren unmittelbaren Arbeitskollegen, stehen. Dabei hat sich die Gesetzeslage zumindest auf dem Papier zuletzt stark geändert: Seit Anfang 2018 besteht für Beschäftigte in größeren Unternehmen ein Rechtsanspruch darauf, zu erfahren, wie viel die Mit-Beschäftigen verdienen. Die Idee dahinter: Mehr Transparenz soll für Gerechtigkeit bei der Entlohnung sorgen. Doch geht dieser Wunsch wirklich auf?

Mehr Frauen als Männer knicken beim Gehaltswunsch ein

Vorgestellt wird in dem 45-Minuten-Film daher auch der Geschäftsführer einer Berliner Lebensmittelfirma, der das Wagnis eingegangen ist, für totale Durchsichtigkeit in seinem Betrieb zu sorgen. Er bietet seinen Mitarbeitern an, alle Gehälter offenzulegen. Doch auf allzu große Gegenliebe stößt sein Vorhaben nicht: Viele Kollegen wägen offenbar die Vor- und Nachteile von zu viel "Fairness" in Geldfragen ab. Noch wurde über den Plan nicht final abgestimmt. Unklar ist, wie sich die Mitarbeiter entscheiden werden.

Dabei kann ein Mehr-Wissen über die tatsächlichen Lohnverhältnisse in der Branche jedem einzelnen etwa bei Vorstellungsgesprächen praktisch helfen: Wie wissenschaftliche Studien belegen, lassen sich 60 Prozent von Frauen in einem simulierten Bewerbungsgespräch auf ein Gehalt ein, das teilweise weit unter ihrem Wunscheinkommen liegt. Bei den Männern knickten lediglich rund 30 Prozent ein. Um sich möglicherweise selbst besser einschätzen zu können, treffen in dem ZDF-Beitrag Menschen mit vergleichbaren Berufskarrieren aufeinander und legen ihren Verdienst offen.

Außerdem zieht die Dokumentation eine historische Perspektive ein, die berücksichtigt, wie sich die Joblandschaft und damit auch die Staffelung der Löhne und Gehälter in Deutschland über die Jahre hinweg verändert haben. Vergleichsweise klar war die Situation lediglich in der ehemaligen DDR: Dort wurden sozialistische "Einheitslöhne" gezahlt. Als gerecht wurden die allerdings von einer Mehrheit nicht empfunden. Trotzdem ist das anhaltende Lohngefälle zwischen Ost- und Westdeutschland eine politische Herausforderung, die noch längst nicht gelöst ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst