Die Gletscher in der Alpenregion ziehen sich immer weiter zurück. In einer ARD-Dokumentation fällt das unschöne Wort "Sterbebegleitung".

Matthias Huss ist Gletscherforscher an der ETH Zürich und Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes. Im Zuge eines vermeintlichen Klimawandels zeichnet der Glaziologe eine traurige Zukunft. "Wenn das Klima so bleibt, werden sich die Gletscher weiter zurückziehen. Gletscher, die bis in große Höhen reichen, können sich vielleicht noch stabilisieren, für die kleinen und tiefer gelegenen ist die Erderwärmung aber schon zu weit fortgeschritten. Wir haben einen Zeitverlust von mehreren Jahrzehnten", sagt der Experte. Im Film von Thomas Aders und Wolfgang Wanner, der nun im Rahmen von "Die Story im Ersten" zu sehen ist, wird Huss sogar noch deutlicher.

Noch im Frühjahr vergangenen Jahres herrschte jedoch in vielen Alpenorten Euphorie über die großen Schneemengen. Doch nach Gletschermessungen macht sich Ernüchterung breit. Nach einer Klettertour auf einen Schweizer Gletscher entnimmt der Wissenschaftler Huss wie so oft eine Probe aus dem vermeintlich ewigen Eis. Seiner Meinung nach wird er das nicht mehr besonders oft tun können. Huss spricht von "Sterbebegleitung". Das blaue Eis der Alpen würden die Europäer bald schon sehr vermissen, sagt er. Selbst der Aletsch, immerhin der größte Gletscher der Alpen, zog sich in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt zurück.

Ein halbes Jahr lang haben die Autoren die Alpen beobachtet. In ihrem Film, den sie auch eine "Abschiedstour" nennen, sind sie von Slowenien bis in die Schweiz gereist. Auffällig sei, dass die Extremwetterlagen in den Bergen massiv zugenommen hätten. Auch dadurch würde es zu Abbruchtendenzen kommen. Die Folgen etwa waren jüngste Erdrutsche und Bergstürze wie im Schweizerischen Bondo oder im österreichischen Valsertal.

Trotz dieser bedenklichen Entwicklungen: Erstaunlich ist, dass viele der direkt betroffenen Bewohner der Alpenregion noch immer kaum ein Einsehen zeigen. Nach wie vor hängen sie wie eine Klette am noch ertragreichen Wintertourismus. Experten jedoch gehen davon aus, dass es etwa zur Jahrhundertmitte nur noch über der Grenze von 2.000 Metern ausreichend natürlichen Schnee zum Skifahren gibt. Das bedeutet das Aus für etwa 70 Prozent der Skiorte in den Ostalpen. Doch statt Alternativen zu entwickeln, wird weiter in den Skitourismus investiert. Mit Schneekanonen wird dem Klimawandel getrotzt und Beschneiungsanlagen in immer höhere Regionen gebaut.

In dem Film, der mit eindrücklichen Bildern aufrüttelt, kommen nicht nur Wissenschaftler, Verantwortliche oder Sportler aus den unterschiedlichen Alpenregionen zu Wort, sondern auch ganz normale Menschen, die von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind wie Elvira Salis. Ihr Haus wurde durch einen Bergsturz im Schweizerischen Bondo völlig zerstört. Sie hat ihre Heimat verloren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst