In "Legend Of Tarzan" trägt der Mann aus dem Urwald die Probleme Afrikas auf seinen Schultern. Wirklich gelungen ist diese Verfilmung leider nicht.

Gut anderthalb Stunden dauert es, bis zum ersten Mal Tarzans markantes Gejodel ertönt. Johnny Weissmüller hatte, so die Legende, den legendären Schrei einst erfunden. Das ist lange her: Ab Anfang der 1930er-Jahre machte der gebürtige Österreicher die Tarzan-Figur von Edgar Rice Burroughs in zwölf Kinofilmen populär. "Harry Potter"- und "Phantastische Tierwesen"-Regisseur David Yates hat sich im Jahr 2016 daran gemacht, die Geschichte zu entstauben. Doch statt die Sache mit Humor zu nehmen, verwandelt er sie mit "Legend Of Tarzan", nun als TV-Premiere bei ProSieben zu sehen, in eine düstere und bierernste Angelegenheit.

Als "Legend of Tarzan" beginnt, ist der Mann aus dem Wald schon lange der englische Graf, der er eigentlich schon immer war. Die alten Anekdoten vom Mann, der im Urwald geboren und von Affen aufgezogen wurde, sind dem gutaussehenden Blaublüter aber inzwischen eher peinlich. Auch Regisseur Yates scheint sich nicht wirklich wohl zu fühlen mit der doch etwas simplen Geschichte vom edlen Weißen im afrikanischen Dschungel: Tarzan wird bei ihm zum Kämpfer gegen Versklavung und Entrechtung des kolonialen Afrikas. Ein seltsames Unterfangen.

Auf Einladung des belgischen Königs Leopold II. reisen Tarzan (Alexander Skarsgård), Jane (Margot Robbie) und der amerikanische Gesandte George Washington Williams (Samuel L. Jackson) widerstrebend in den Kongo. Was Tarzan nicht ahnt: Nicht der König, sondern dessen Gesandter Léon Rom (Christoph Waltz) hat ihn in den Kongo gelockt, um Tarzan an seinen Erzfeind zu übergeben, einen Stammeshäuptling, der ihm im Gegenzug einen legendären Diamanten verspricht.

Mit den wertvollen Steinen will König Leopold eine Söldner-Armee bezahlen, die für ihn den ganzen Kongo erobern und das Volk versklaven soll. Und natürlich ist es ein Weißer, der wieder einmal die Probleme des afrikanischen Kontinents lösen muss, die ein anderer Weißer verursacht hat: Tarzan, noch immer mit dem Dschungel auf Du und Du, Muskelmaschine und Mann mit Gewissen, erklärt den Belgiern den Krieg.

Wenn der Film sich selbst nicht so ernst nehmen würde, hätte "Legend of Tarzan" funktionieren können. Aber nicht einmal die Liebesgeschichte will richtig zünden: Zwischen Margot Robbie und Alexander Skarsgård, der als Tarzan über weniger Mimik verfügt als die computergenerierten Gorillas, entspringt einfach kein Funke.


Quelle: teleschau – der Mediendienst