Marvel lässt seinen kleinsten Avenger los: "Ant-Man" albert sich in Insektengröße durch eine Actionkomödie ohne Visionen, dafür mit schicken Aha-Effekten.

Einfach war der Weg zu filmischen Weihen für den "Ant-Man" nicht. Acht Jahre lang war Marvels kleinster Superheld das Baby von Edgar Wright. Der "Shaun of the Dead"-Regisseur hatte das Projekt angestoßen, ein Drehbuch geschrieben, Paul Rudd und Michael Douglas als Hauptdarsteller gecastet – und stieg im Mai 2014 völlig überraschend aus. "Kreative Differenzen", so hieß es von offizieller Seite knapp, seien der Grund gewesen. Sieht man sich das Ergebnis an, kann man Wright verstehen: "Ant-Man" ist kein Flop, aber der bisher überraschungsärmste Film aus dem Marvel Cinematic Universe. VOX wiederholt die Superhelden-Geschichte nun zur besten Sendezeit.

Die größte Stärke von "Ant-Man" ist sein Held: Der Mann, der in das Ameisen-Kostüm schlüpfen wird, ist ein netter Durchschnittstyp, mit dem sich jeder identifizieren kann. Zumal Scott Lang (Rudd) in gewisser Weise die Probleme moderner Großstadtmänner mit sich rumschleppt: Er will gerne ein guter Vater sein, weiß aber nicht, wie das geht. Was er aber ist: ein Meisterdieb mit Robin-Hood-Allüren. Weil er deswegen öfter mal im Knast saß, hat seine Frau einen Neuen und Scott kein Besuchsrecht. Seine Tochter Cassie sieht in ihm trotzdem einen Helden.

Da trifft es sich ganz gut, dass Dr. Hank Pym (Douglas) und seine Tochter Hope (Evangeline Lilly) Großes mit ihm vorhaben: Sie schrumpfen ihn auf Ameisengröße, um mit seiner Hilfe dem Bösewicht Darren Cross (Corey Stoll) das Handwerk zu legen. Pym, der ursprüngliche Ant-Man, hatte in den 40er-Jahren ein Serum erfunden, mit dem sich die Größe von Lebewesen und Gegenständen variieren lässt. Leider hat Cross seine Firma feindlich übernommen und will die Technologie für militärische Zwecke nutzen.

Man muss es deutlich sagen: "Ant-Man" ist ein glattgebürsteter Film von der Stange, dem jegliche Vision fehlt. Wo Marvel den Filmemachern früher freie Hand ließ – mit dem Ergebnis grandioser ("Iron Man" von Jon Favreau), bemerkenswerter ("Thor" von Kenneth Branagh) oder saukomischer ("Guardians of the Galaxy" von James Gunn) Superheldenfilme -, legte das Studio hier kreative Fesseln an. Mit Peyton Reed ("Der Ja-Sager", "Girls United") wurde ein Regisseur eingesetzt, dem es offensichtlich reicht, ein solider Komödienhandwerker zu sein.

"Ant-Man" ist daher eher eine durchschnittliche Komödie mit Action-Elementen und Liebelei als ein Superheldenfilm mit Witz. Dass man sich den Film trotzdem ansehen kann, liegt an der Leichtigkeit, mit der die Comic-Adaption den Bombast früherer Marvel-Filme ad absurdum führt: Wenn Helden im Insektenformat miteinander kämpfen, dann wird eben statt einer Großstadt kurzerhand eine Spielzeugeisenbahn in Schutt und Asche gelegt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst