Das musste dann im Kino auch mal sein: dass ein Junge inmitten der Pubertät zum religiösen Fanatiker wird. Nein, diesmal nicht zu einem Islamisten, sondern zu einem christlichen Fundamentalisten, der mit der Bibel unter dem Arm predigt, was christliche Sache ist. Kirill Serebrennikovs Film von 2016 geht auf ein Theaterstück von Marius von Mayenburg zurück, das als Satire beginnt und als Groteske endet.

Benjamin (Pyotr Skvortsov ), Schüler einer aufgeklärten staatlichen Schule, weigert sich eines Tages am Schwimmunterricht teilzunehmen, weil der Anblick leicht bekleideter Mädchen seine religiösen Gefühle verletzt. Der zum Christentum konvertierte Schüler startet fortan einen Kreuzzug gegen Homosexualität, gegen Scheidung und Darwins Evolutionstheorie. Bald hat der selbsternannte Prophet Schulvertreter auf seiner Seite und entwickelt sich so zum Tyrann.

In dem in streng ästhetisierten Film geht es sehr metaphorisch um jedweden Fanatismus und darum, wie er eine Gesellschaft untergraben kann.

Dieser Benjamin "lebt nicht, er ist eine Kunstfigur", urteilte die Kritik. Man wisse nicht, ob man diese Kunstfigur mögen, bemitleiden oder verachten soll. Nicht zuletzt verberge sich hinter den von Benjamin zitierten alttestamentarischen Sätzen auch eine Kritik am Christentum. Serebrennikovs siebter Film, sein erster, der in deutsche Kinos kam, wurde beim Filmfestival von Cannes 2016 als Zeugnis russischer Lebenswirklichkeit gelobt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst