Anfang der 90er-Jahre ist Hans-Georg Dahlmann (Ulrich Tukur) einer der meistgehassten Menschen Deutschlands. Als Chef der Treuhandanstalt veräußert er ehemalige DDR-Betriebe und kann es dabei niemandem recht machen: Vor allem im Osten fühlt man sich verscherbelt und abgewickelt. Als sich die junge, alleinerziehende Mutter Sandra Wellmann (Petra Schmidt-Schaller) für den Job als Dahlmanns Assistentin bewirbt, entsteht schnell ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden. Doch Wellmann sympathisiert mit der RAF. Für die Terroristen Bettina Polheim (Jenny Schily) und Klaus Gelfert (Christoph Bach) soll sie Dahlmann ausspionieren, um einen Mordanschlag auf ihn vorzubereiten.

"Der Mordanschlag" erzählt in zwei Teilen (Teil zwei am Mittwoch, 7.11., 20.15 Uhr) das tödliche Attentat auf Detlev Karsten Rohwedder vom 1. April 1991 nach. Dies allerdings in einer tollkühnen Mischung aus Fakten und Spekulationen.

Die Ermordung des – echten – ehemaligen Treuhandchefs Rohwedder, der durch das einzige nicht kugelsichere Fenster seines Hauses in Düsseldorf von einem Scharfschützen getötet wurde, gehört zu den mythischen Kriminalgeschichten Deutschlands. Offiziell – und in den Augen einer Mehrheit von Experten – wurde Rohwedder von Terroristen der dritten RAF-Generation ermordet. 2001 konnte dank neuer DNA-Analysen ein Haar des 1993 auf einem Bahnhof in Bad Kleinen zu Tode gekommenen Wolfgang Grams auf einem Handtuch nachgewiesen werden, das am Rohwedder-Tatort zurückgelassen wurde.

Tatsächlich hat sich die RAF zu der Tat bekannt. Es existieren aber auch Theorien, dass die Stasi Rohwedder ermorden ließ. Eben jene These befeuert das Drehbuch André Georgis ("Unter anderen Umständen") ziemlich kräftig.

Einerseits zeichnet der krimi-erfahrene Autor ziemlich originalgetreu Fakten des echten Treuhandchef-Mordes fiktional nach. In einem Nebenstrang baut er den tödlichen Sprengstoffanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen vom November 1989 in seinen Stoff ein. Andererseits ist das fiktionale Favorisieren der Stasi-These oder die Hatz der Staatsschützer (gespielt von unter anderem Maximilian Brückner, Stefanie Stappenbeck, Bernadette Heerwagen) auf die Terroristen ziemlich frei erfunden – was einen gefährlichen Genremix aus erdachtem Thriller-TV und Geschichtsfernsehen ergibt.

Dass der eventerfahrene Regisseur Miguel Alexandre ("Die Frau vom Checkpoint Charlie") den vor Stars strotzenden Zweiteiler tatsächlich spannend und authentisch wirkend inszenierte, macht das Problem nicht besser. Absolutes Pflichtprogramm sollte daher der an Teil zwei anschließende Dokumentarfilm "Der Mordanschlag – Die Dokumentation" (Mittwoch, 7.11., 21.45 Uhr) sein, der die Fakten des echten Rohwedder-Mordes noch einmal sortiert.

Lesen Sie hier im Interview, welche Erinnerungen Hauptdarstellerin Petra Schmidt-Schaller an die Abwicklung der DDR durch die Treuhand hat.


Quelle: teleschau – der Mediendienst