Wilsberg hat wie immer das Girokonto überzogen, trotzdem will man ihm eine Rentenversicherung aufschwatzen. Das stählt für kommende Recherchen: Ein Banker wird erschossen.

Er wird doch nicht ... vom Status des Antiquars und Privatdetektivs aufs Revier der feindlichen Kommissarin Springer (Rita Russek) wechseln? So viel plaudern Georg Wilsberg (Leonard Lansink) und die Springer diesmal miteinander, dass man um die zwischenmenschliche Spannung Angst haben muss. Nicht viel hätte gefehlt, und sie wären miteinander auf dem Kreuzfahrtdampfer nach Panama gefahren. Springer willigt schon in Wilsbergs dies betreffenden Vorschlag ein, doch er war nicht ernst gemeint. Ist ihm einfach mal so eingefallen, bei all den Banker- und Versicherungsbetrügereien, denen er im neuen Fall ("Wilsberg: Mörderische Rendite") zuvor begegnet war. Wer mag der Mörder des erschossenen Bankfilialleiters sein?

Wilsbergs Girokonto ist seit 25 Jahren im Minus. Trotzdem will ihm eine Angestellte eine Altersvorsorge aufschwatzen – bei fortgeschrittenem Alter. Die Strategie der Bankerin: eine Hypothek aufs Antiquariat aufnehmen, die Altersvorsorge per Kredit finanzieren.

Weil aber Wilsberg ein vorsichtiger und gescheiter Mensch ist, willigt er nicht ein, die gescheiterte Bankerin bläst nach ihrem vergeblichen Bemühen erschöpft die Backen auf. Andere aber sind längst hereingefallen auf die Betrügereien, zu denen sie in Zeiten der ewig währenden Zinsflaute getrieben werden. Der Rentner Paul von nebenan hat einen solchen Vertrag abgeschlossen beim Renteneintritt. Doch die umgewandelte Kapitalversicherung, die man ihm aufgeschwatzt hat, ist verloren, weil der Emittent pleitegegangen ist.

Selbst die Kommissarin Springer behauptet, einem Betrug aufgesessen zu sein. 150.000 sind futsch, Wilsberg staunt nicht schlecht. – Betrüger sind bald ausgemacht – der Mörder, der den Filialleiter erschossen hat, jedoch nicht. Viele könnten es gewesen sein: War's der oberste Chef der Bank, der den Filialleiter aus dem Weg räumte, weil der zu viel wusste? Ein Finanzberater, der vom Filialleiter die Daten von "Premiumkunden" abgriff, um mit ihnen seine faulen Verträge zu machen? Und warum hantiert der betrogene Rentner Paul wohl immer so mit seiner Flinte vom Schützenverein, während ihm die Gattin Vorwürfe macht – er sei eben viel zu blauäugig gewesen.

Als Einführungskurs für Anlagewillige taugt diese 61. Wilsberg-Episode (Buch: Georg Ludy, Regie: Martin Enlen) nicht. Dazu ist sie denn doch ein zu arges Verwirrspiel und eilt wohl letztlich – wenn auch knapp – an der Wirklichkeit des Bankenalltags vorbei. Doch gibt das Geldgebaren so viel Dialogwitz her, dass man daran seine Freude hat. Wilsbergs Kumpel Ekki (Oliver Korittke) wird beim dubiosen Rentenberater eingeschleust und macht als "Novize" den Tölpel grandios. Kommissar Overbeck (Roland Jankowsy) sieht die Mafia hinter dem allerorten waltenden Finanzspuck: Wurde nicht Roberto Calvi von der Ambrosio Bank, der "Bankier Gottes" , unter der Londoner Blackfriars Bridge vor Zeiten erhängt vorgefunden?

Weil aber "Wilsberg" nun mal kein Bankenthriller à la "Wall Street" ist, geht die Sache dann ganz anders aus, was man aber nicht verraten kann. Nur so viel ist klar: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Undercover-Ekki, im Film "der überversorgte Sesselfurzer" mit Pensionsberechtigung genannt, hat gleich geahnt, wo der Mörder zu suchen ist. Kriminalkomödie mit viel Witz, jedoch eher wenig Spannung.


Quelle: teleschau – der Mediendienst