Die deutsche Serie "Bad Banks" wurde nach der ersten Staffel mit Lob und Preisen überhäuft. Nun läuft die zweite Staffel im TV - erst bei ARTE, dann im ZDF. Staffel zwei erzählt über das neue Fintech-Gewerbe – mit den alten Protagonisten.

Bad Banks, die furiose Miniserie aus der Welt des Bankergeschäfts, hätte auch als Sechsteiler von rund viereinhalb Stunden für immer so stehen bleiben können. Bambi, Grimme-, Deutscher Fernseh- und Schauspielpreis: Es gibt fast keine Trophäe, die das Werk vom jungen Autor Oliver Kienle und dem mittlerweile auch international gefragten deutschen Regiestar Christian Schwochow ("The Crown") nicht gewonnen hätte. Da läuft man mit einer Fortsetzung durchaus Gefahr, dass Staffel zwei die bankenturmhohen Erwartungen nicht erfüllen kann. Zumal Christian Zübert ("Lommbock") diesmal den Regiestuhl von Christian Schwochow übernahm, also ein Wechsel auf einer wichtigen Kreativposition stattfand. Doch es hat geklappt. "Bad Banks II", wieder mit sechs Folgen von jeweils rund einer dreiviertel Stunde am Start, überzeugt auf ganzer Linie.

ARTE zeigt die Vorpremiere des Werks für Hardcore-Schauer an einem Abend. Das ZDF folgt am Samstag, 8. Februar (21.45 Uhr), Sonntag, 9. Februar (22.15 Uhr), und Montag, 10. Februar (22.15 Uhr), jeweils mit Doppelfolgen.

Seit dem Zusammenbruch samt staatlichem Rettungspaket für die (fiktive) größte europäische Bank, die "Deutsche Global Invest", ist etwa ein halbes Jahr vergangen. Einziges Bauernopfer der Krise von Staffel eins ist Hochenergetiker Gabriel Fenger (Barry Atsma). Der Investment-Spezialist sitzt in U-Haft. Die Jung-Banker Jana (Paula Beer), Adam (Albrecht Schuch) und Thao (Mai Duong Kieu) ziehen indes von Frankfurt nach Berlin.

Komplex und spannend

Dort steht der "Inkubator", eine Art Brutkasten für Startups. Hier sollen neue, nachhaltige Formen des Bankings entwickelt werden. Viele junge, hochpotente Menschen laufen in der futuristischen Architektur herum. So stellt man sich einen mega-hippen Think Tank im Silicon Valley vor. Trotzdem bleiben Jana, Adam und Thao Teil der Global Invest. Deren Geld steckt natürlich auch im Brutkasten der neuen Fintech-Unternehmen drin. Jana und Co. steigen beim nachhaltigen Startup GreenWallet ein, das vom charismatischen Ben Kaufmann (Noah Saavedra) geleitet wird. Derweil gehen die Intrigen im Frankfurter Bankengeschäft weiter. Christelle (Désirée Nosbusch) hat bei der Global einen schweren Stand gegenüber Quirin Sydow (Tobias Moretti). Und auch Gabriel Fenger wird aus der U-Haft entlassen.

Genial, wie es Autor Oliver Kienle gelungen ist, seine Serie weiterzuentwickeln und ihr dennoch all ihre Stärken zu lassen. In den neuen Folgen gibt es mehr Hoodies als Banker-Anzüge, doch die Mechanismen, Tricks und Insider-Procederes des Bankengeschäftes werden immer noch komplex, aber eben auch mega-spannend in einen hervorragend aussehenden Thriller gepackt. Man muss nicht jeden Trick, jede Intrige verstehen, um auf dieser Spannungswelle mitzuschwimmen. Doch es lohnt sich, die Miniserie mit großer Aufmerksamkeit zu verfolgen.

Neu-Regisseur Christian Zübert gelingt es ähnlich wie seinem Vorgänger, jene Authentizität in die Serie zu packen, die deutschem Fernsehen beim Beschreiben von "Szenigem" oft abgeht. Die Zeichnung der jungen wie der etablierten Banker-Szene hat nichts Fernsehspielhaftes oder Aufgesetztes. Alle Dialoge sind auf den Punkt, es wird nichts "extra" für den Zuschauer erklärt, das babylonische Sprachengewirr der Banker findet in diversen Originalzungen plus Untertitel statt. Klar ist auch, dass sich "Bad Banks II" auf sein famoses Schauspiel-Ensemble verlassen kann, zu dem diesmal noch der aufstrebende Noah Saavedra (demnächst auch in der Netflix-Serie "Freud") oder Trystan Pütter als "junger" Finanzminister stoßen.

Es wird interessant sein, ob die Serie "Bad Banks II", die die Bankerwelt noch etwas haltloser und menschlich kaputter darstellt als Staffel eins, auch bei Preisen und Kritikern des Jahres 2020 wieder ähnlich gut abschneidet. Der Überraschungs-Effekt, dass eine ZDF-Serie auch im Vergleich mit Produkten von Netflix, Amazon oder Sky ganz weit vorn sein kann, ist weg. Die enorm hohe Qualität von "Bad Banks" bleibt jedoch.

Bad Banks – Do. 06.02. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH