Bei der Berlinale geht es längst nicht mehr nur ums Filmegucken. Berlinale-Chef Dieter Kosslick gibt Einblicke in die Themen rund um die Bärenjagd.

Berlin brummt! Zur "Berlinale" (15. bis 25. Februar) werden wieder mehr als 400 Filme gezeigt: internationales Kino, Independent und Avantgarde. Erstmals bekommen die TV-Serien mit dem "Zoo-Palast" eine eigene Spielstätte. Dabei ist Christian Schwochows Serie "Bad Banks", die sich um eine junge Bankerin in der Finanzwelt dreht. Im März wird die Serie erst bei Arte, anschließend im ZDF gezeigt.

Ebenfalls eine Premiere: Mit Wes Andersons "Isle of Dogs – Ataris Reise" eröffnet ein Animationsfilm die Filmfestspiele. Aus Deutschland gehen zwei Streifen auf Bärenjagd: "In den Gängen" mit "Toni Erdmann"-Star Sandra Hüller sowie "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" mit Josef Mattes. Berlinale-Chef Dieter Kosslick erklärt im prisma-Kurzinterview, warum die Berlinale immer auch politisch ist und was Debatten wie #MeToo für einen Einfluss auf die Veranstaltung gehabt haben.

Die Krisenherde rund um den Globus überlagern auch die "Berlinale". Begegnen Sie der Weltlage im Krisenmodus mit speziellen Programmpunkten?

Die Berlinale ist bekanntlich auch ein politisches Festival. Es liegt sozusagen in ihrer DNA. Seit der Gründung hatte die Berlinale nicht nur zum Ziel, Filmkunst und Filmwirtschaft zu fördern, sondern auch zu einem besseren Verständnis zwischen Nationen und Kulturen beizutragen. Diese Idee ist immer noch aktuell. Ich glaube, dass Künstler und Künstlerinnen die Seismographen unserer Zeit sind. Wenn sie Filme drehen, dann spiegelt das unsere aktuelle Situation wider. Die Berlinale reflektiert lediglich was draußen in der Welt passiert.

Dem Fernsehen schenkt die "Berlinale" seit einigen Jahren mehr Beachtung, auch weil immer mehr Kino-Regisseure wie Dominik Graf oder Volker Schlöndorff Fernsehen machen. Ist das Fernsehen innovativer als das Kino?

Seit 2015 haben wir das Serienformat in unserem Programm. Dabei sind TV-Serien wie auch Serien von Streaming-Plattformen. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Schauspieler und Schauspielerinnen, die Regisseure und Regisseurinnen finden die Charaktere und Story-Entwicklung in den Serien reizvoll. Sie bilden schließlich ein wesentliches Element in unserer audiovisuellen Kultur und somit auch in unserem Festival. Im Berliner Zoo-Palast bekommen die "Berlinale- Series" dieses Jahr erstmals ihre eigene Spielstätte.

Die Vorwürfe Dutzender Frauen gegen Produzent Harvey Weinstein haben eine Debatte über Sexismus und Gewalt in der Branche ausgelöst. Auch hierzulande gibt es Vorwürfe. Wie stehen Sie zur #Me-Too-Debatte?

Die durch den Weinstein-Skandal ausgelöste Debatte ist wichtig und hat zur #MeToo-Bewegung geführt. Über die sexualisierte Gewalt hinaus führt uns die Debatte grundsätzlich zur Hinterfragung gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Das Thema ist auch bei der Berlinale 2018 präsent. Mit den Events, die wir bei den Filmfestspielen präsentieren, möchten wir auch zu einer Veränderung innerhalb der Branche beitragen. Die Berlinale unterstützt verschiedene Veranstaltungen zum Thema "Gender Equality" in der Filmindustrie, wie beispielsweise die von "Women in Film and Television" (WIFT) Germany. In diesem Kontext sind auch die Aktivitäten von "ProQuote Film" wichtig. Als Festival möchten wir auch eine Plattform sein, wo Probleme gehört und diskutiert werden. "Wie wollen wir, dass die Filmindustrie von morgen aussieht, wenn es um die Menschen geht, die sie gestalten?" ist dabei eine der Hauptfragen.