Im Normalfall werden über den Bundesverband Deutsche Tafel e.V. Lebensmittel und Sachspenden für hilfebedürftige Menschen gesammelt. Wie eine Undercover-Reportage des RTL-Magazins "Punkt 12" jetzt zeigt, sollen sich Mitarbeiter der Berliner Tafel "Laib und Seele" in der Vergangenheit jedoch selbst an den Spenden bereichert haben.

"Die packen sich auf dem Fahrtweg schon die Taschen voll", zitiert RTL einen Informanten, der über seine Arbeitskollegen bei einer der Berliner Tafeln nicht viel Gutes zu sagen hat. Demnach würden sich die Mitarbeiter die "guten Waren" sichern und auf dem Heimweg mit nach Hause nehmen.

Hygiene- und Markenartikel besonders gefragt

Zustände, die offenbar auch "Punkt 12"-Reporter André Goltzsche erlebt hat, als er sich undercover als ehrenamtlicher Mitarbeiter für die Berliner Tafel "Laib und Seele" engagiert hat. Wie RTL berichtet, hätten ihn seine Arbeitskollegen schon nach kurzer Zeit ermuntert, sich selbst an den Spenden zu bedienen: "Wenn Du was möchtest, dann musst Du Dir was aussuchen", heißt es, und vor allem die hochwertigen Hygiene- und Markenartikel kämen ohnehin "gar nicht bei den Bedürftigen an."

Goltzsche dokumentiert in der Reportage sogar, wie ein LKW mit gesammelten Spenden gezielt eine Privatwohnung anfährt und dort abgeladen wird. "Die Mitarbeiter nehmen die Waren in großen Mengen mit. Für die Bedürftigen bleibt umso weniger übrig. Das weiß man, aber dafür fühlt sich keiner verantwortlich", erklärt der Informant. 

Und auch die Mitarbeiter räumen ein, dass die Waren immer auch Begehrlichkeiten wecken würden. "Bei dem und dem musst Du mal im Keller gucken, der hat bestimmt 40 Kisten von uns", erklärt ein Mitarbeiter "Punkt 12"-Reporter Goltzsche. Später gibt er zu, selbst hilfebedürftig gewesen zu sein, jetzt aber das Privileg zu genießen, "an der Rampe gleich als erster zu stehen."

Berliner Tafel "Laib und Seele" äußert sich zu Vorwürfen

Mit den Vorwürfen konfrontiert, hat sich die Berliner Tafel "Laib und Seele" laut RTL wie folgt geäußert: Es habe zwar schon einige Male Vorwürfe gegen Mitarbeiter gegeben, aber "bei genauer Prüfung hat sich meist herausgestellt, dass sie aufgrund eigener Bedürftigkeit rechtmäßig und eine angemessene Menge von Lebensmitteln erhalten haben."

Weiter heißt es: "Auch gab es bereits Fälle, in denen Streit unter Ehrenamtlichen oder Missgunst zu falschen Verdächtigungen geführt haben. In den Fällen, in denen sich Anschuldigungen als berechtigt herausgestellt haben, haben sich die Ausgabestellen nach unserer Kenntnis von den betreffenden MitarbeiterInnen getrennt."

Zu sehen ist die zweiteilige Reportage am 12. und 13. April ab jeweils 12 Uhr im RTL-Magazin "Punkt 12 - Das RTL-Mittagsjournal".