Jude Law geht in "Black Sea" als U-Boot-Kapitän auf die Suche nach versunkenem Nazi-Gold. Was spannend hätte sein können, ist längst nicht so aufregend wie erwartet.

"Ich gehe hier nicht als armer Mann raus!", schreit Captain Robinson (Jude Law) irgendwann wütend. Mit "hier" meint er das schrottreife, ehemals sowjetische U-Boot, in dem er und eine Handvoll britische und russische Underdogs, alle ehemalige Angehörige der Kriegs- oder Handelsmarine ihrer Länder, sich durch die Tiefen des Schwarzen Meeres wühlen. Robinson will mit der Bergung eines Goldschatzes reich werden, koste es, was es wolle. Gegner ihres Vorhabens sind die russische Flotte, eine technisch veraltete Ausstattung, die Riffe – und die eigene Gier. "Black Sea" von Regisseur Kevin Macdonald ("State of Play", "Der letzte König von Schottland") versammelt alle Zutaten für ein spannendes Unterwasserabenteuer, das Ergebnis, das VOX erstmals im Free-TV präsentiert, schmeckt aber ähnlich wie das Essen des unglückseligen Schiffskochs an Bord: etwas ranzig und schlecht gewürzt.

Von der Zeitgeschichte überholt

Er solle doch Burger braten: Der Vorschlag vom Arbeitsamt, reizt Robinson überhaupt nicht, als er von seinem langjährigen Arbeitgeber als U-Boot-Kapitän gefeuert wird. Dafür fängt er Feuer, als ein alter Kumpel von einer Goldladung im Wert von 80 Millionen Dollar faselt, die seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem Grund des Schwarzen Meeres in einem gesunkenen deutschen U-Boot vor sich hinschlummern soll. Gegen einen saftigen Anteil finanziert ein obskurer Millionär namens Lewis (Tobias Menzies) das Unternehmen, das buchstäblich unter russischem Radar durchgezogen werden muss. Robinson schart erfahrene, aber eben schon ziemlich in die Jahre gekommene britische und russische Seeleute um sich.

"Black Sea" trägt Nostalgie in sich und vor sich her, auch unfreiwillig. Eine Truppe nur aus Männern, als hätte es die Emanzipation auf See nie gegeben, bricht in einem Gefährt aus dem Kalten Krieg zu einer waghalsigen Mission auf, die 70 Jahre in die Vergangenheit führt. Teile des Plots sind von der Zeitgeschichte überholt: Auf der Krim dürfte auf absehbare Zeit niemand mehr einfach so ein U-Boot kaufen wie Robinson. Vor allem aber schafft es Kevin Macdonald, der 1999 einen Oscar für den besten Dokumentarfilm ("Ein Tag im September") gewann und für ambitionierte Projekte bekannt ist, nicht so recht, die alte Formel des Abenteuerfilms zu neuem Leben zu erwecken.

Es mangelt an Druck

Was fehlt genau? "Ich bin klaustrophobisch", warnt ein anderes Teammitglied, der von Lewis mitgeschickte Daniels (Scoot MacNairy). Davon sieht man dann nichts im Film, und das ist symptomatisch: Es mangelt an Druck auf dem Dampfkessel der Emotionen, der zu aufwühlenden Entladungen führt. Weder das Drehbuch noch die Schauspielerführung verfügen über die nötige Sensibilität für ein explosives Kammerspiel. Obwohl suboptimal in der dramatischen Steuerung, erzeugt "Black Sea" immerhin mit einer Kette von Katastrophen ein Gefühl der Aussichtslosigkeit, das man bestätigt oder widerlegt wissen will.


Quelle: teleschau – der Mediendienst