Josephine Links und Maria Wischnewski porträtieren für den BR die Theater- und Filmschauspielerin Dagmar Manzel, die am 1. September 60 wird. "Poträt einer Antidiva" lautet der Titel der Sendung.

Sie spricht viel und offen über sich selbst in ihrem Geburtstagsporträt. "Menschen glücklich machen", das sei ihr Lebensprogramm, sagt Dagmar Manzel, die so sensationell mit der Zunge schnalzen kann, dass es nicht nur ihren Kollegen im Franken-"Tatort" erfreut. Der Engel habe ihr das Talent "ins Gesicht gespuckt", sagt Dagmar Manzel, die am 1. September das 60. Lebensjahr vollendet. Es sei ihr Auftrag, im Beruf der Schauspielerin zu arbeiten und Glück zu verschenken. In diesem Beruf arbeitet sie seit nunmehr 40 Jahren, seit damals, als sie an ihre Traumbühne, das Ostberliner Deutsche Theater kam, wo seit Max Reinhardt all die großen Stars ihre Auftritte hatten. Sie ist, das scheint im Film "Porträt einer Antidiva" von Josephine Links und Maria Wischnewski auf, eine Frau, die Gegensätze spielend vereinbaren kann, das Traurige und das Komische, das Leichte und das Schwere. Ein Familienmensch, der auf der Bühne tatsächlich zur Diva wird, auf der Straße aber kaum wiederzuerkennen ist.

Sie kommt aus Berlin-Friedrichshagen, "vor den Müggelbergen" ist sie aufgewachsen. Die Eltern waren beide Lehrer, der Vater überzeugter Kommunist und Idealist, der kurz vor der Wende starb. Annemarie, die Mutter, die den Fünf-Personen-Haushalt führte, blieb zeitlebens Vorbild und Rückhalt. Sie blieb geerdet, das gab ihr die Kraft, auf der Bühne "über die Grenzen zu gehen".

"Ständig im Mittelpunkt zu stehen, das würde ich nicht aushalten", sagt Dagmar Manzel. Spät fing sie noch zu Singen an, wurde tatsächlich zur Operettendiva an der Komischen Oper. Tanzen konnte sie sowieso schon immer – der Boogie auf einer Müllhalde in der Szene aus "Tanz auf der Kippe" (1990) zeigt es umwerfend. Mit 18 ist sie in die Partei eingetreten, später wurde sie ausgetreten, der Eintritt in die katholische Kirche gab ihr Halt. Der Vater nahm ihr das Versprechen ab, "die Arbeiterklasse nicht zu verraten".

Mit 50 bekam Dagmar Manzel die Diagnose Krebs. Sie überwand die Krankheit, weil sie fand, es sei "noch'n bisschen früh, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen". Sie will spielen bis zum letzten Atemzug, weil das Publikum, die Menschen doch "das Wichtigste" sind. Eigentlich müsse man gar nichts machen, sagt sie. Nur aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen, dann sei das Leben ganz einfach. Lässt sich leicht sagen bei einer, die so begabt ist wie sie.


Quelle: teleschau – der Mediendienst