Als 2012 der französische Überraschungshit "Ziemlich beste Freunde" die Leinwand eroberte, lachte und jubelte das Publikum über den humorvollen Umgang mit dem Thema Krankheit. Fast scheint es, als hätte das ungleiche Paar aus dem Film ein weibliches Pendant gefunden. Denn auch "Das Glück an meiner Seite" (2014) setzt auf das Humorpotenzial zweier gegensätzlicher Menschen, die in einer extremen Situation aufeinandertreffen. Das Erste zeigt den Film, der allerdings eher Drama als Komödie ist, im Spätabendprogramm. Das Werk von George C. Wolfe ("Das Lächeln der Sterne") lotet auch die emotionalen Herausforderungen der beiden Hauptfiguren angesichts des nahenden Endes der Kranken aus.

Ein Kübel Eis ging im Sommer 2014 um die Welt. Die sogenannte "Ice Bucket Challenge" machte mit ihrer Schockwirkung als Medien-Phänomen, bei dem kein Promi fehlen wollte, auf die Nervenkrankheit ALS aufmerksam. Die Rekordspenden wurden als Zuschüsse für Forschungsprojekte benutzt und in die Pflege von ALS-Patienten investiert. "Das Glück an meiner Seite" zeigt auf bewegende Art und Weise, wie man sich diese fortschreitende Degeneration der Nervenzellen vorstellen muss, bei der Muskeln geschwächt, der Bewegungsapparat und schließlich auch das Sprachvermögen, der Schluckreflex und die Atmung stark beeinträchtigt werden. Das Gehirn und alle Sinne bleiben bei den körperlichen Aussetzern jedoch intakt.

Reiche Kontrollfanatikerin in stylischer Umgebung

Oscar-Preisträgerin Hilary Swank spielt die ALS-Kranke mit der gewohnten Ernsthaftigkeit und Präzision: Kate ist eine Frau, deren Leben fast schon unheimlich perfekt war. Die 35-jährige Pianistin kontrolliert gerne alles, bis hin zum richtigen Knick in der Serviette. Da zeigen sich bei ihr auf einmal die erste Anzeichen der Nervenkrankheit. Gläser fallen ihr bei der eleganten Dinner-Einladung für Freunde aus der Hand und sie trifft beim Pianospiel nicht mehr die richtigen Tasten. Eine reiche Kontrollfanatikerin in einer stylischen Umgebung als Hauptfigur zu installieren, die durch eine Krankheit die Kontrolle verliert, das zeugt nicht gerade von Einfallsreichtum.

Und auch bei der Studentin Bec (Emmy Rossum) fantasieren die Drehbuchautoren sich eine junge, wilde und besonders verkrachte Frau zusammen, die sich mit einem hoch chaotischen Liebesleben aufreibt und noch nie etwas zu Ende gebracht hat.

Geschichte gewinnt mit Fortgang an Substanz

Was anfangs noch klischeehaft bemüht wirkt, gewinnt mit Fortgang der Geschichte an Substanz. Tatsächlich gelingt es Regisseur George C. Wolfe glaubwürdig zu erzählen, wie sich die beiden Frauen aneinander gewöhnen und schließlich eine intime Beziehung aufbauen. Ein bisschen färben dabei die Eigenschaften der jeweils anderen auf Bec und Kate ab: Unbekümmertheit versus Zielstrebigkeit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst