Nach einem Schiffsunglück wird der Ehemann von Anne Hoppe (Ina Weisse) für tot erklärt. Doch immer wieder glaubt sie, ihn zu sehen. "Der Anfang von etwas" ist bereits die dritte ZDF-Verfilmung mit Ina Weisse nach einer Erzählung des 2014 verstorbenen Schriftstellers Siegfried Lenz.

Auf und nieder reißt der Sturm das Containerschiff "M.s. Hamburg". Das Schiff sei in der Nordsee gekentert, berichtet das Fernsehen. Ein Jahr danach nimmt Anne Hoppe (Ina Weisse), Meteorologin im Seewetteramt Hamburg, an einer Trauerfeier für die Opfer des Schiffsunglücks teil. Ihr Mann wurde nicht aufgefunden, aber für tot erklärt. Doch Anne glaubt ihn unter den Gästen zu sehen. Als nachts bei ihr eingebrochen wird und ein Hochzeitsbild fehlt, ist sie erst recht vom Überleben ihres Mannes überzeugt. Hat er das Unglück überlebt, oder war er vielleicht gar nicht auf dem Schiff? 

Es ist eine Mischung aus Visionen, Rückblenden und Gegenwart, die nun folgt. Anne trifft ihren Mann am Strand. "Da spürt man so richtig, dass man am Leben ist", sagt er, nachdem er dem Wasser entstiegen ist. Eine Erinnerung, eine Vision, aber irgendwie eben auch – die Gegenwart. Im Seewetteramt, wo Anne die Stürme auf dem Bildschirm verfolgt, berichtet ihre Kollegin von einem Mann, den sie nach dem Treffen nie wiedersah. Er meldete sich nicht mehr, stellte sich einfach tot. "Weißt du, wie man das heute nennt? – Ghosting!", sagt sie.

Auch der Zuschauer ist anfänglich vollkommen davon überzeugt, dass es sich bei Annes Begegnungen um Visionen, um Wahnvorstellungen handelt. Dem Regisseur Thomas Berger und seiner Hauptdarstellerin Ina Weisse gelingt es allerdings, mit zurückhaltendem melancholischen Spiel die Wahrheit in der Schwebe zu lassen. Es sind Liebesszenen, die sich anfänglich einprägen, ein inniger Kuss an der Pier, eine Szene im Bett, in der Harry, der Mann (Juergen Maurer) triefend, als wäre er gerade dem Meer entstiegen, wiederkehrt.

Anne, die fest an das Überleben ihres Mannes glaubt, wendet sich an die Polizei, man möge ihr bei der Suche helfen. Doch Inga Petersen, die Polizistin (Franziska Hartmann) bleibt skeptisch, wobei zwischen ihr und Anne ein Zweikampf entsteht, der an Krimi-Vorlagen erinnert. Immer deutlicher wird: Es hat zwischen Anne und ihrem Mann Auseinandersetzungen, gar Gewaltausbrüche gegeben. Krankhafte Eifersucht darf als deren Ursache gelten. Doch war sie durch Seitensprünge wohl auch berechtigt. Bald brennt das Auto von Annes Chef: Könnte es ihr Mann gewesen sein?

Das zunächst Schwebende, Ungewisse wird mit fortlaufender Handlung immer mehr aufgegeben, zumindest scheinbare Gewissheit macht sich breit. Äußere Handlung tritt an die Stelle eines durch Zweifel und Entfremdung geprägten Innenlebens. In Rückblenden ist man bei den Szenen der vom Manne ausgehenden häuslichen Gewalt dabei, auch beim wiederkehrenden Wechselspiel aus Ablehnung und Angezogensein. Eine gebeutelte Ehe, durcheinander gerüttelt wie ein Schiff im Sturm.

Immer aber spielt, getreu dem meeresaffinen Erzähler Siegfried Lenz, die unabänderliche Sehnsucht des Seemannes nach der Ferne mit. So ist zu fürchten, dass wir in der Mitteilung der Kollegin vom Hamburger Seewetteramt, dass es drei Arten von Menschen gebe: "die Lebenden, die Toten und die zur See fahren", fast schon die romantische Essenz dieser durchaus gelungenen Literaturverfilmung in Händen halten. Warum denn auch nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst