Absurdes Theater auf der großen Bühne Weltpolitik: Mike Nichols erzählt in einer starbesetzten Satire von Dingen, die ihm kein Mensch abkaufen würde, wären sie nicht wirklich passiert.

Charlie Wilson betreibt Politik in Texas. Das passiert im Zweifel so, dass er der Lässigere ist, lässiger im Drapieren der Cowboystiefel auf dem Beistelltisch, wo er sich noch vor dem Mittagessen ein wenig Hochprozentiges in seinen Kaffee mixen lässt. Wilson kann mit Menschen, und die, mit denen er nicht kann, können ihn mal. Tom Hanks tritt als Titelheld und trinkfreudiger Kongressabgeordneter vor die Kamera und macht zusammen mit Philip Seymour Hoffman und Julia Roberts das hintergründige Polit-Drama "Der Krieg des Charlie Wilson" (2007) zu einem hochkarätigen Filmvergnügen. Dank einer Wiederholung bei 3sat können sich davon nun einmal mehr die TV-Zuschauer überzeugen.

In der ersten Szene liegt Wilson im Whirlpool. Doch von der semierotischen Einstellung sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Frauen interessieren den Playboy und Whiskeyfan nur, wenn Zeit ist. Sein Blick ruht auf dem Fernseher, der die Nachrichten zeigt. Wilson ist ein Mann mit Verstand. Als in den frühen 80ern die Sowjetunion gegen Afghanistan kämpfte, hatte der Kongressabgeordnete das Pech, hinschauen zu müssen. Er begann im Kleinen, fing an einzugreifen, reiste schließlich um die Welt und bildete Allianzen unter benachbarten Ländern. Besorgte eine Menge Geld, Millionen, die die afghanischen Freiheitskämpfer erhielten.

Was zunächst mal hochdramatisch und politisch prekär klingt, ist so süffig erzählt, dass nicht einmal viel geschichtliches Vorwissen nötig ist, um zu begreifen, worum es hier geht. Filmemacher Mike Nichols will lediglich zeigen, dass Dinge möglich sind, die kein Mensch glaubt. Dass ein Politiker, der viel zu klein ist, um wichtig zu sein, eine Menge ausrichtet. Seine Geschicklichkeit ist das Faszinierende. Eine Geschicklichkeit, die wiederum nicht ohne negative Folgen bleibt.

An Pathos und einem ordentlichen Maß an Vaterlandsliebe wird nicht gespart. Amerika, so suggeriert Wilsons Krieg, ist das Land der Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten. Da kann ein Frauenheld plötzlich das Richtige tun, mit Hilfe einer Jet-Set-Diva (Julia Roberts) und einem gescheiterten CIA-Agenten (Philip Seymour Hoffman), der bereits in der ersten Szene eine Glasscheibe mit dem Hammer zerschmettert. Sie alle sind keine Engel, aber auf ihre Art unglaublich geschickt und in ihrem Bereich gewiefte Taktiker. Hanks und Roberts ergeben ein perfektes Liebespaar, ein cleveres Team. Sie manipulieren, tricksen und sind stille Gewinner hinter ihrem lauten Wesen.

Mike Nichols trägt nichts zur Schau, dekoriert kaum. Überraschend sind die Akzente, die der Regisseur am Anfang und zum Schluss mit Kampfszenen setzt. Auf den ersten Blick sind deren Brutalität und Direktheit in dem leichtfüßig-verschmitzten Film mit seinem plumpen Charme deplatziert. Doch diese Menschenjagd bettet all die Duelle mit Worten in einen realistischen Rahmen. So geht es trotz aller Paragrafenverdreherei von Schreibtischtätern doch um Krieg.

"Der Krieg des Charlie Wilson" stellt den Abschluss der Filmografie Nichols dar. 2012, also sieben Jahre nach der Entstehung seines letzten Films, starb der Regisseur im Alter von 83 Jahren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst