Kommissar Burkhard "Butsch" Schulz freut sich auf den Besuch seiner Tochter. Doch dann kommt die Nachricht, dass zwei Mädchen verschwunden sind. Sind es etwa Emmy und ihre Freundin?

"Gelobt sei der Herr – Lasset die Kindlein zu mir kommen!" – Zweifellos ist einer durchgeknallt, in "Wolfsland – Das heilige Grab", dem fünften Fall der Görlitzer Kommissare Burkhard "Butsch" Schulz (Götz Schubert) und Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld). Gut, dass uns ein knapper Dialog der Kommissare wieder zurück auf die Erde holt. Schulz' Tochter kommt zu Besuch, sie ist mit einer Freundin wandern in der Oberlausitz und will nach langer Zeit endlich einmal wieder ihren Vater besuchen. Aber im nahen Wiesengrund liegt schon ein Toter – wer hat den Mann erschlagen? Als sich eine Klosterschwester vom nahen Marienkloster unter die Zeugen gesellt, wird Butsch nervös. Die Klosterfrau berichtet von einem Schuh, den man gefunden hat – und von zwei Mädchen, die gestern noch im Kloster waren, seitdem aber verschwunden sind. Könnte die Tochter des Kommissars eines der verschwundenen Mädchen sein?

Da hat die Kollegin Delbrück alle Hände voll zu tun, um Butsch zu beschwichtigen, doch so recht mag das nicht gelingen. Der Zuschauer wird denn auch nicht lange im Zweifel darüber gelassen, dass ein bibelfester Täter, der sich als Gärtner immer wieder im Kloster nützlich machte, um in sich zu kehren, tatsächlich Emmy, die Tochter des Kommissars, und deren Freundin Clara (Anna Bachmann, Luise Befort) verschleppte und gefangen nahm. Ein nunmehr toter Nachbar entdeckte ihn offensichtlich bei seinem Tun.

Trotz der frühen Offenbarung verstehen es Sven Poser (Drehbuch) und der Regisseur Francis Meletzky, im Folgenden die Spannung hochzuhalten. Dass sich die Regie dabei geradezu in die Großaufnahmen der Gesichter verliebt, bekommt mit zunehmender Fortdauer durchaus Sinn. Der Wahnsinn eines Psychopathen begegnet der immer weiter wachsenden Sorge eines Vaters um sein Kind. Am Ende, als es zum Showdown zwischen Täter und Vater in der Klosterkirche kommt, werden die beiden Charaktere geradezu austauschbar.

Geschenkt, dass die Handlung Thriller-Klischees bis hin zu Hitchcocks Mutterkomplex aus "Psycho" bedient. Schwamm auch über die eilfertige Rekapitulation der Handlung und die stereotypen Beschwichtigungen der Kommissarskollegin. Nach der Motivation des Täters sollte man nicht allzu lange schürfen. Ein Unglück im Steinbruch und der Tod eines Kindes werden ins Feld geführt. Fast schon zu viel Schicksal, das da gewaltet hat. Doch die Gegenwart ist durchaus packend inszeniert. Mit Katzenmiau und flackerndem Feuerschein aus dem Bullerofen werden die Thriller-Erwartungen gekonnt bedient.

Zwei Nebenfiguren schieben sich arabesk in den Vordergrund: Stephan Grossmann ist endlich mal ein Polizeichef, der keine großen Worte macht. Mit seinem geliebten "Formicarium" (Ameisen-Terrarium) stellt er den wackeren Spurensicherer Jakob Böhme (wunderbar sächselnd: Jan Dose) vor große Probleme. Böhme hat die Ameisen im Büro aufs Fensterbrett in die Tod bringende Sonne gestellt. Der Chef aber verzeiht. Es sei die Natur gewesen, von Schuld könne da keine Rede sein. Derlei gilt sicher auch für den so verzweifelten Kommissar und sein so gerne wanderndes Töchterlein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst