Christiane Hörbiger spielt in dem ARD-Film "Die letzte Reise" eine 76-jährige Frau, die sich dazu entschlossen hat, freiwillig zu sterben. Darf man sie entmündigen?

Wenn ein Film als Bestandteil eines Themenabends – in diesem Falle über "selbstbestimmtes Sterben" – angekündigt wird, ist die Volkshochschule naturgemäß nicht weit. Im Zusammenhang mit der folgenden Dokumentation, "Frau S. will sterben" (um 21.45 Uhr), in der es um Sterbehilfe geht und das hierzu 2015 erlassene Gesetz, das ebendiese verhindern will, droht karger Anschauungsunterricht: ein Film als braves Vehikel zur Debatte. Doch das Drama "Die letzte Reise" (Drehbuch: Thorsten Näter, Regie: Florian Baxmeyer) ist dann doch mehr als eine schlichte Vorlage zur Sterbehilfe-Diskussion. Vor allem die Hauptdarstellerin Christiane Hörbiger zieht den Zuschauer mit resolutem Selbstbewusstsein und wachem Verstand in ihren Bann.

"Ich hatte ein Leben, und es war schön", hört man Christiane Hörbigers Stimme aus dem Off. "Aber es ist vorbei, dieses Leben ödet mich an und quält mich. Es ist unbeschreiblich, wie es sich dehnt – als ob jemand Teer über die Uhren gegossen hätte." Der Ton der Hörbiger lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, wie ernst es diese Stimme meint mit der Absicht, freiwillig aus dem Leben zu scheiden.

Sie habe ein erfülltes Leben gehabt, mit Mann und Kindern, so betont Katharina Krohn, eine immerhin erst 76 Jahre alte pensionierte Lehrerin. Manchmal leidet sie an Atemnot, manchmal auch an einer gewissen Demenz, behaupten jedenfalls die Töchter. Doch die alte Dame ist ziemlich wortgewaltig. Einen Betreuer, der sie betütteln will, macht sie ganz schön zur Schnecke: "Bin ich verwirrt, schwerhörig, infantil, senil?", sagt sie, und: "Hat man Ihnen das so beigebracht, dass alt und blöd das Gleiche sind?"

Jetzt will sie sterben

Indem sie so wortreich für sich kämpft, kämpft sie für viele. Diese Frau weiß, was sie will. Jetzt will sie sterben. In eine "Kindertagesstätte für infantile Greise" bekommt man sie jedenfalls nicht. Und schon sieht man sie im Zug nach Zürich sitzen, auf dem Weg zu jenem Sterbehilfeverein, mit dem sie Kontakt aufgenommen hat. Sie hat sich das alles gut überlegt, sie will nicht irgendwann mit Schmerzmitteln weiterleben, ohne Sinn und womöglich auch ohne Verstand.

Menschen, welche die organisierte Sterbehilfe in Anspruch nehmen, sind meistens schwer krank und erleiden große Schmerzen, so erklärt Jean Jovet, ein Arzt, der Katharina am Zürcher Bahnhof empfängt, um sie in die Gepflogenheiten der Sterbehilfe einzuweisen. Burghart Klaußner bewältigt das alles mit einer gehörigen Prise Humor. Seine Pflicht sei es, zu versuchen, Katharina für das Leben zurückzugewinnen. Nach zwei Pflichtgesprächen entschieden sich eben doch viele für das Leben. Jovet, auch noch ein guter Ossobuco-Koch, ist einer, der einen gut und gerne vom Sterben abhalten kann.

Besser jedenfalls als daheim Katharinas Töchter. Heike (Suzanne von Borsody) will die Mutter entmündigen lassen, sie sieht darin die einzige Chance, Katharina von ihrem Todeswunsch abzuhalten. Wie gut, dass da in ihrer Schwester Maren (Nina Kronjäger) eine Opponentin bereitsteht, die eine Lanze für die Mutter brechen kann. Dass der Film Katharinas Entscheidung am Ende offen lässt, ist sicher konsequent. Redlich und nur mitunter etwas hakelig, werden die Aspekte der Sterbehilfe, die ja auch Hilfe zum Leben sein will, szenisch diskutiert – ohne je zu einer Art wohlfeilem Anschauungsunterricht zu versanden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst