Film im ZDF

"Familie Bundschuh im Weihnachtschaos": Horror-Fondue zum Fest

von Christopher Schmitt

Vielleicht hat es ja doch Vorteile, wenn wegen der Pandemie das weihnachtliche Familienfest etwas kleiner ausfallen muss? Zu diesem Schluss könnte man zumindest in der Komödie "Familie Bundschuh im Weihnachtschaos" kommen ...

ZDF
Familie Bundschuh im Weihnachtschaos
Komödie • 21.12.2020 • 20:15 Uhr

Von allen leidigen Corona-Diskussionen, welche Zusammenkünfte denn nun wann und mit wem erlaubt sein sollten, wurde diese besonders emotional geführt: In welchem Umfang dürfen sich Menschen in diesem Jahr zum vermeintlichen Fest der Liebe unter dem Weihnachtsbaum versammeln? Angesichts der kurzweiligen, aber alles andere als besinnlichen Komödie "Familie Bundschuh im Weihnachtschaos" gerät man jedoch ins Grübeln, ob das mit den Feiertagen im Kreise der Familie überhaupt eine erhaltenswerte Tradition ist. Der mittlerweile fünfte Teil der prominent besetzten Reihe, die auf den Romanen von Hauptdarstellerin Andrea Sawatzki beruht, widmet sich einem Horrorszenario für all diejenigen, die vom perfekten Weihnachtsfest träumen: Einer durch und durch zerstrittenen Familie.

Dabei hatte sich Gundula Bundschuh (Sawatzki) das alles so schön vorgestellt im Kreise ihrer Lieben – ein Kreis, zu dem sie Schwiegermutter Susanne (Judy Winter) offensichtlich nicht zählt. Wirklich Mitleid kommt bei ihr dementsprechend nicht auf, als sich Susanne auf einem Weihnachtsmarkt schwer am Knöchel verletzt. Statt im Krankenhaus zu bleiben, landet sie kurz darauf in Gundulas Haus, deren Mann Gerald (Axel Milberg) langsam dämmert: Seine Mutter ist nicht krankenversichert – und das wird teuer! Dabei beherbergen die Bundschuhs bereits Gundulas Schwägerin Rose (Eva Löbau), die aktuell von ihrem Mann, dem Philosophen Hadi (Stephan Grossmann) getrennt lebt. Den plärrenden Hauptgrund trägt sie auf dem Arm: In einem älteren Teil der Reihe hatte sie ein Kind mit einer Affäre gezeugt.

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Es steckt also schon ordentlich Zündstoff in der Konstellation. Insbesondere die finanzielle Situation seiner Mutter, die sich selbst als "Freigeist" bezeichnet, lässt beim biederen Finanzbeamten Gerald alle Alarmglocken schrillen. Seiner Frau sagt er darüber lieber erst einmal nichts. Und natürlich kommt es noch dicker: Tochter Ricarda (Amber Bongard) plant ein teures Auslandssemester in Helsinki zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und dann taucht auch noch der Vater von Roses Baby, Reginald (Nicholas Monu) auf, weil ihm jemand per SMS vom bisher unbekannten Nachwuchs erzählt hat. So trägt jede Figur ihren Teil dazu bei, dass die Feierlichkeiten im Chaos enden. Beim vegetarischen Fondue am vierten Advent kumulieren die Spannungen in einer Explosion.

 

Aber wie es sich für ein weihnachtliches Feel-Good-Movie gehört, wird dann eben doch versucht, sich zusammenzureißen. Das gilt insbesondere für die beiden alten Damen der Familie, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während der ausschweifende Lebensstil von Oma Susanne in der Pleite mündete, hat die knausrige Oma Ilse (Thekla Carola Wied) das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Gemeinsam mit Herr Mussorkski (Uwe Ochsenknecht), dem hauseigenen Familientherapeuten, hecken die beiden beleidigten Frauen einen Plan aus, wie sich die Familie nach dem verbalen Fondue-Massaker bei ihnen entschuldigen sollte.

Im mittlerweile fünften Teil um die Chaos-Familie zeigt sich das namhafte Ensemble um Andrea Sawatzki und Axel Milberg als eingespielte Einheit. Dass das Drehbuch von Kerstin Cantz wenige Überraschungen bereithält, ist angesichts einiger gelungener Späße zu verschmerzen. Unter anderem ist die Mischung aus starkem Schwäbeln und religiösem Eifer bei Mama Rose ebenso für ein paarheitere Momente gut wie der Klimaaktivismus von Nesthäkchen Matz (Mathis Wernecke), der die Familie mit moralischen Fakten zu Essen und Deko regelrecht bombardiert.

Ohnehin steht ja die weihnachtliche Stimmung im Vordergrund, welche spätestens mit dem vermeintlich unvermeidlichen Ende auch aufkommt. Trotz aller Querelen bleibt eine Familie eben auch eine Schicksalsgemeinschaft. Und unter dem Strich würden viele für ein "normales" Fest dieses Jahr wohl auch die ein oder andere Streiterei in Kauf nehmen. So giftig wie bei den Bundschuhs muss sie allerdings nicht sein.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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