Wenn die neue Staffel der Serie "Familie Dr. Kleist" im Ersten der ARD startet, hat auch Christina Athenstädt ihren ersten Auftritt als Tanja Ewald. Wir haben die Schauspielerin zum Interview getroffen.

Rollen in "Die Bergretter", "Tatort" oder auch "Der Kriminalist" finden sich im Profil der Schauspielerin Christina Athenstädt. Doch ob der Großteil der TV-Zuschauer beim Klang ihres Namens auf Anhieb ein Gesicht im Kopf hat? Die 1979 in Köln geborene Künstlerin findet es scheinbar nicht schlimm, dass sie für die meisten noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Besetzungsentscheidungen würden zwar oft davon abhängen, ob man schon bekannt sei, oder nicht, "trotzdem muss man auch abwägen, weil verbrauchte oder zu festgelegte Gesichter nicht immer die erste Wahl sind", meint sie im Interview.

Ab Dienstag, 7. November 2017, 18.50 Uhr, ARD, mischt sie in den neuen Folgen von "Familie Dr. Kleist" mit: Als Tanja Ewald spielt sie die Mutter einer Tochter, die in Eisenach in Thüringen einen Neuanfang wagt. Im Interview erklärt Christina Athenstädt, warum der beliebte Serien-Dauerbrenner so viele treue Fans hat und welche Verpflichtungen zum Schauspieler-Dasein gehören.

prisma: In Ihrer ersten Szene bei "Familie Dr. Kleist" leeren Sie ihre Handtasche aus. Was findet sich bei Ihnen privat darin?

Christina Athenstädt: Da sind tausend Sachen drin, und ich habe selbst gar keinen Überblick darüber. Was einmal reingerät, hat wenig Chancen, wieder herauszukommen. Ich würde daher privat auch nicht einfach meine Tasche ausleeren, wer weiß, was die über mich offenbart.

prisma: Wie war der erste Drehtag für Sie?

Athenstädt: Das Team gibt es so schon sehr lange, und ich bin eher ein schüchterner Mensch. Daher war ich leicht nervös und eher stiller und zurückhaltender am Anfang. Das ist aber schnell verflogen, weil mich alle sehr warmherzig und offen aufgenommen haben, sodass ich mich schnell wohlfühlen konnte.

prisma: Waren Sie aufgeregt, wegen Ihrer neuen Rolle?

Athenstädt: Bei jedem neuen Engagement ist auch Nervosität dabei. Schließlich steht man immer wieder vor einer frischen Herausforderung und fragt sich: Wie gut bekomme ich diese Figur hin? Wie werde ich mit meinen Spielpartnern funktionieren?

prisma: Ihr Spielpartner heißt in diesem Fall Francis Fulton-Smith. Haben Sie sofort harmoniert?

Athenstädt: Er hat es mir sehr leicht gemacht und mich willkommen geheißen, als würden wir uns schon lange kennen.

prisma: Wie war es in die Fußstapfen von Marie Seiser zu treten?

Athenstädt: Ich habe sie leider nicht kennengelernt, daher kann ich es schwer sagen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich wirklich gespannt bin, wie die Zuschauer mich akzeptieren werden. Immerhin nehme ich ihren Platz in der Praxis ein.

prisma: Lesen Sie sich die Fan-Reaktionen durch?

Athenstädt: Als Schauspieler ist man Kritik gewohnt und man darf nie vergessen, dass es subjektive Meinungen sind. Ich schaue mir nicht jeden Kommentar im Netz an, aber sollte ich negative Kritik lesen, dann trifft mich das.

prisma: Wie erklären Sie sich, dass "Familie Dr. Kleist" so viele treue Zuschauer hat?

Athenstädt: Es ist eine Familienserie und generationsübergreifend in vielen Hinsichten. Wir sprechen ein breites Publikum an. Außerdem sind unsere Geschichten nicht schrecklich: Es gibt keine Leichen, Actionszenen und kaum Blut. Es sind die Alltagsgeschichten, die es dem Zuschauer möglich machen, sich sofort wiederzufinden. Vielleicht schalten manche aber auch einfach wegen Francis Fulton-Smith ein.

prisma: Der zwar einen Arzt spielt, aber in der Rolle auch ein turbulentes Privatleben haben darf.

Athenstädt: Ja, wir zeigen ganz normale Dinge aus einer anderen Perspektive. Jeder kennt den Arztbesuch und ist mal krank. Es ist reizvoll, die Kittelträger privat zu sehen, und wir verdeutlichen, dass sie eben auch nur Menschen sind. Tanja Ewald und Christian Kleist verlieben sich und müssen sich um ihre Patchwork-Familie und deren Probleme kümmern.

prisma: In der neuen Staffel geht es gleich zu Anfang um die Thematik Impfen. Wie viel Verantwortung trägt eine solche Serie?

Athenstädt: Ich denke, es ist nicht der Fokus, den Zeigefinger zu erheben. Natürlich greifen wir Thematiken auf, die in der Gesellschaft diskutiert werden, und dabei kommen die verschiedenen Standpunkte zu Wort. Die Serie reflektiert mehr, als dass sie belehrt.

prisma: Hätten Sie sich selbst ein Leben als Ärztin vorstellen können?

Athenstädt: Es ist ein sehr spannender und vor allem sinnvoller Beruf. Ich stelle es mir romantisch und befriedigend vor, wenn man jeden Tag zur Arbeit geht und weiß, dass man anderen Menschen hilft. Gleichzeitig tragen Ärzte eine riesige Verantwortung, und ich weiß nicht, ob ich bereit wäre, die zu übernehmen.

prisma: Ihre Rolle ist an einem Punkt, an dem sie einen Neustart möchte. Kennen Sie das?

Athenstädt: Bei mir steht mit jedem neuen Engagement alles wieder auf Null. Ich bin mit Absicht freie Schauspielerin und nicht an einem Theater angestellt. Das passt besser zu mir, und ich habe keine Angst mehr, dass ich mich langweilen muss. Immer neue Herausforderungen, fremde Orte, andere Kollegen – das macht den Job spannend. Der Beruf hat mich nie enttäuscht.

prisma: Das heißt, Sie haben sich nie überlegt, ob Sie etwas anderes machen wollen?

Athenstädt: So würde ich es auch nicht sagen. Man legt sich als Schauspieler auf ein Land fest. Deutsch ist meine Muttersprache, und in allen anderen Ländern könnte ich immer nur mit deutschem Akzent spielen. Vielleicht hätte ich darüber früher nachdenken sollen, immerhin habe ich unglaublich Lust, einmal in einem anderen Land zu leben.

prisma: In ein anderes Land mussten Sie für "Familie Dr. Kleist" nicht, aber von Berlin nach Eisenach?...

Athenstädt: Lustigerweise arbeite ich eigentlich fast nie in Berlin, sondern immer in kleineren Städten. Es ist eines der größten Privilegien meines Jobs, dass ich zumindest Deutschland sehr gut kennenlerne.

prisma: Haben Sie sich ein wenig in Eisenach verliebt?

Athenstädt: Ja. Man sollte Thüringen nicht unterschätzen! Die Landschaft ist unglaublich schön, Eisenach ist herrlich bergig und hat wunderschöne Häuser und einen tollen Blick ins Tal. Jedes Mal, wenn ich dort bin, genieße ich das Naturerlebnis.

prisma: Musste auch Ihre Familie das "Okay" zu der Rolle geben?

Athenstädt: Ja klar, ich habe sie sofort, nachdem ich die Zusage bekommen habe, angerufen. Mein Mann und meine Tochter haben ein Vetorecht bei einer solchen Entscheidung. Immerhin pendle ich jetzt und verbringe viel Zeit im Zug.

prisma: Schauen Sie derweil vielleicht auch mal privat eine Arztserie?

Athenstädt: "Grey's Anatomy" habe ich fast komplett gesehen, weil es unfassbar gut ist und man in jeder Folge heulen könnte. Ansonsten bin ich der klassische Mediathek-Nutzer, weil ich oft keine Zeit habe, wenn das Programm ausgestrahlt wird. In Deutschland gibt es super Produktionen, aber auch Netflix hat es mir angetan. Da bleibt man schnell mal hängen.

prisma: Spielen Sie lieber in Filmen oder in Serien?

Athenstädt: Das hat beides Vor- und Nachteile. Ich würde sofort eine Rolle in einem guten Kinofilm annehmen, weil ich das noch nicht gemacht habe und es mich daher reizt. Man hat viel Zeit sich in eine Rolle tief hineinzudenken. Bei einer Serie darf man seine Figur dafür über eine längere Zeit entwickeln und lebendig machen, das bereitet mir genauso Freude.

prisma: Aber zum Beruf des Schauspielers gehören auch andere Verpflichtungen. Haben Sie daran auch Spaß?

Athenstädt: Ich würde einfach mal behaupten: Die meisten Schauspieler würden am liebsten nur spielen. Das ist immerhin ihre Passion. Aber wir wissen alle, dass es dazugehört, auch Termine wahrzunehmen, seien es Interviews oder Feste. An diese Verantwortung gewöhnt man sich und tut es dann auch gerne.

prisma: Und es steigert die Bekanntheit.

Athenstädt: Ich will gar nicht berühmt sein, und auch damit bin ich nicht die Einzige in der Branche. Die wenigsten werden nur deswegen Schauspieler. Ein Auftritt im Reality-TV kommt für mich beispielsweise gar nicht in Frage. Es hilft in gewissen Maßen, wenn die Leute mit dem Gesicht auch einen Namen verbinden. Das begünstigt vielleicht das nächste Rollenangebot. Besetzungsentscheidungen hängen oft davon ab, ob jemand schon bekannt ist, oder nicht. Trotzdem muss man auch abwägen, weil verbrauchte oder zu festgelegte Gesichter nicht immer die erste Wahl sind. Es ist eine Gratwanderung, und jeder muss selbst entscheiden, wie er zu möglichst vielen Engagements kommt.

prisma: Aber auch Schauspieler müssen von ihrem Beruf leben können.

Athenstädt: Richtig, es ist auch ein harter Beruf, weil es wahnsinnig viele Schauspieler gibt und nicht so viele Rollen. Auch bei uns geht es ums Geldverdienen. Es ist ein unbeständiger Job, aber Schauspieler üben ihren Beruf meist aus, weil sie Spaß daran haben. Sie lernen damit umzugehen, kein geregeltes Einkommen zu haben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst