Seit viereinhalb Jahren findet vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen Beate Zschäpe statt. Auch wenn tatsächlich bald das Urteil gegen die mutmaßliche NSU-Unterstützerin gesprochen werden sollte: Viele Hintergründe der rechtsradikalen Mordserie werden weiterhin offen bleiben. Etwa, ob Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tatsächlich am 4. November 2011 Selbstmord begingen. "Die schützende Hand", die dritte ZDF-Verfilmung eines Dengler-Romans von Wolfgang Schorlau, stellt die Behauptung auf, die beiden Uwes seien ermordet worden – vom Staat.

Nachdem Schorlau "Die schützende Hand" 2015 veröffentlichte, kletterte sein achter Roman über den ehemaligen BKA-Ermittler Georg Dengler auf Platz eins der "Spiegel"-Bestsellerliste. Viel Kritik musste der Autor dennoch einstecken: "Mit billigen Mitteln", so urteilte etwa die "Süddeutsche Zeitung", verkaufe er "eine Lieblingslegende der Verschwörungsszene", nämlich jene von der gezielten Tötung Böhnhardts und Mundlos'. "Sein Buch vermischt ungehemmt Fakten und Fiktion, behauptet aber kühn, es gehe um die Suche nach Wahrheit", so das Urteil der Zeitung. Über die Verfilmung von Lars Kraume (Buch und Regie) lassen sich nun kaum bessere Worte finden.

Ominöser Auftraggeber

"Ein Auftraggeber will, dass ich herausfinde, wie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ums Leben kamen", erklärt Privatermittler Dengler (Ronald Zehrfeld) zu Beginn des Films. "Die Menschen sollten die ganze Wahrheit erfahren." Ein hehres Versprechen. Wer dieser ominöse Auftraggeber ist, erfährt man erst in den letzten Minuten des Films (Spoiler: alberner könnte die Auflösung kaum sein), aber es spielt auch keine Rolle. Denn die ziemlich konstruierte Rahmenhandlung von "Die schützende Hand" ist kaum mehr als ein Vorwand dafür, den Fall der beiden Uwes mit möglichst viel Getöse neu aufzurollen.

Dengler tut sich also mit der Hackerin Olga Illiescu (Birgit Minichmayr) und dem LKA-Mann Marius Brauer ("Game of Thrones"-Star Tom Wlaschiha) zusammen, um herauszufinden, wie Mundlos und Böhnhardt ums Leben kamen. Er stiehlt Akten vom Ermittler Dr. Müller (Rainer Bock), befragt Zeugen, besucht jenen Ort in Eisenach, an dem die beiden NSU-Terroristen in einem Wohnmobil den Tod fanden. Irgendwann spielen die drei Ermittler dann das Szenario der letzten Minuten im Leben von Mundlos und Böhnhardt in einer angemieteten Halle gar nach. Dengler kommt dabei die Rolle desjenigen zu, der eisern an die Mord-Theorie glaubt, während Brauer den Zweifler gibt und Illiescu als Stichwortgeberin fungiert. "Willkommen im Reich der Verschwörungstheoretiker", sagt er einmal. Zwischendrin gibt's markige Sprüche ("Du bist dein größter Feind, Dengler"), und wenn sich Dengler mit Harry Jäger (Leonard Lansink) trifft, dann natürlich konspirativ bei Kerzenschein. Zwar ist das alles toll besetzt, so hölzern hat man Michichmayer, Zehrfeld und Co. aber selten spielen sehen.

Fiktion und Tatsachen werden vermischt

Ärgerlich ist aber etwas anderes: Zwar gibt es tatsächlich angebrachte Zweifel an der offiziellen Version vom Tod der beiden Uwes, die auch der NSU-Untersuchungsausschuss nicht ausräumen konnte. Ob einzelne Ermittler Fehler gemacht haben oder ob aber ein Komplott "des Staates" dahintersteckt, wie es im Film anklingt, ist dann doch ein gewaltiger Unterschied. Ein Thriller, der schamlos Fiktion und Tatsachen vermischt, ist jedenfalls kaum der geeignete Ort, um für Aufklärung zu sorgen. "Die schützende Hand" hinterlässt so ein völlig undifferenziertes Misstrauen gegenüber dem Staat. Und das in Zeiten wie diesen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst