Die ARD schickt mit Clemens Schick und Anne Schäfer ein weiteres Ermittlerteam an einen Sehnsuchtsort. Doch trotz schick gefilmter "Location" und einer interessanten Besetzung, ist es eher ein Krimi von der Stange.

Xavi Bonet (Clemens Schick) ist ein Traumkollege. Der meist schweigende Kommissar mit Schatten im Blick leidet am autoritären Vater (Hans-Uwe Bauer), einem Spitzenpolitiker, und der Welt im Allgemeinen. Kein Spaß also für die aus Palma zugezogene, lebensfrohe Fina Valent (Anne Schäfer). Die alleinerziehende Kommissarin wagt in Barcelona mit ihrer 15-jährigen Tochter einen Neuanfang. In "Der Barcelona-Krimi: Über Wasser halten" wird das neue Ermittlerteam sogleich in einen Fall hineingezogen. Ein Mann ohne Erinnerung liegt schwer verletzt am Strand, ein illegaler Einwanderer ist tot. Zwischen den beiden Fällen besteht eine Verbindung, die zum ganz großen Geschäft mit Drogen in der katalanischen Hafenstadt führt.

Man kann nicht sagen, dass das neuste Ermittlerteam der ARD schlecht ausgesucht wäre. Clemens Schick gilt seit Jahren als charismatischer Geheimtipp unter den deutschen Schauspielern. Der 45-Jährige, der sich 2014 als homosexuell outete, ließ auch seine Figur Xavi Bonet bisexuell anlegen, was gleich im ersten Filmen zu gewissen Komplikationen führt. Dazu kennt sich der geborene Tübinger gut in Katalonien aus, ein Teil seiner Familie lebt dort. Schicks Partnerin Anne Schäfer ist eine Primetime-Entdeckung. Von 2013 bis 2016 spielte die schöne 38-Jährige am Vorabend bei der "SOKO Köln". Im Januar 2018 wird sie an der Seite Til Schweigers und Matthias Schweighöfers in der Kino-Actionkomödie "Hot Dog" (2018) zu sehen sein.

Trotz zweier Hauptdarsteller mit Potenzial holt das Drehbuch von Kai Hafemeister, Stefanie Kremser und Klaus Wolfertstetter nicht allzu viel aus dem neusten Krimistandort der ARD heraus. Der Fall, für den Barcelona-Insider Xavi Bonet in dunklen Gassen, pittoresk schmuddeligen Bars und auf sonnenüberfluteten Dächern unterwegs sein darf, wirkt zu sehr aus Einzelteilen zusammengesetzt. Er entwickelt nicht wirklich einen erzählerischen Sog.

Immerhin: Regisseur Jochen Alexander Freydank (Oscar für "Spielzeugland", den besten Kurzfilm 2009) setzt Barcelona optisch stark und durchaus modern in Szene: Stadtpanoramen im Zeitraffer, ungewöhnliche Kameraperspektiven – man kann nicht sagen, dass das Ganze wie ein Postkartenkrimi aussieht.

Zweiter Fall am 9. November

Eine Woche später, am 9. November (20.15 Uhr, ARD), dürfen Schick und Schäfer ein weiteres Mal ran. Ihr zweiter Barcelona-Krimi "Tod aus der Tiefe" beginnt mit einem verstorbenen Taucher und offenbart einen Umweltskandal. Die politische Komponente – im ersten Teil sind es die in Barcelona sehr präsenten Themen Flüchtlingsproblematik und Drogenhandel – liegt auf der Hand: Xavis Vater wird zum Bürgermeister gewählt und kann alles andere als schlechte Presse gebrauchen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst