Spätestens wenn sich die Grundschulzeit dem Ende zuneigt und der ersehnte Übertritt auf das Gymnasium ansteht, ist für die meisten Eltern Schluss mit lustig. Nicht selten werden dabei die Lehrer über Gebühr für die miserablen Leistungen ihrer "Wunderkinder" verantwortlich gemacht. Auch Regisseur Sönke Wortmann ("Der bewegte Mann") hat drei Kinder und war somit prädestiniert dafür, sich der Thematik anzunehmen. 2014 inszenierte er "Frau Müller muss weg" nach einem gleichnamigen Bühnenstück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. SAT.1 zeigt die unterhaltsame Komödie nun erstmals im Free-TV.

In Zeitlupe marschieren die aufgebrachten Eltern einer vierten Klasse in Dresden an einem schulfreien Samstag zum Treffen mit der Klassenlehrerin auf. Sie wirken wie ein bedrohliches Exekutionskommando: Vorneweg Jessica Höfel (grandios: Anke Engelke), die knallharte Karrierefrau. In ihrem Gefolge befinden sich der arbeitslose Wolf Heider (Justus von Dohnányi), das Ehepaar Patrick (Ken Duken) und Marina Jeskow (Mina Tander), die aus Köln in den ach so schlimmen Osten gezogen sind, und die zwanghaft solidarische, alleinerziehende Mutter Katja Grabowski (Alwara Höfels), die eigentlich keinen Grund hat mitzuziehen, ist ihr Sohn doch Klassenbester.

Bislang war man mit der netten Klassenlehrerin samt ihrer unergründlichen Begeisterung für die Bastelarbeiten und Chorleistungen der Kinder zufrieden. Doch nun, da die meisten der Eltern den Übergang ihrer Sprösslinge ins Gymnasium gefährdet sehen, werden fadenscheinige Argumente herangezogen, um Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) zu stürzen.

Doch die erfahrene Pädagogin findet klare Worte, mit denen sie die Gründe für die Probleme der Kinder benennt: Es sind die Unruhe, der Druck und die Überbehütung durch die Eltern, denen es mehr um die eigenen, eitlen Hoffnungen als um das Wohl ihrer Kinder geht. Bevor sie sich jedoch zu noch deutlicheren Aussagen hinreißen lässt, verschwindet Frau Müller lieber.

Intime, bitter-komische Szenen

Die Eltern begeben sich auf die Suche nach ihr und irren durch das Schulgebäude. Ein geschickter Kniff Wortmanns, der auf diese Weise den Bühnenrahmen aufzieht und dem Zuschauer einen Einblick in das Leben der überforderten Erziehungsberechtigten gewährt – mitsamt ihrer Probleme. So bewahren intime, bitter-komische Szenen die Figuren davor, zur Karikatur zu verkommen.

"Seit wann sind Eltern denn objektiv?", fragt Jessica mit schneidender Stimme gegen Ende des Films einmal. Ein Schlüsselsatz, der den großen Reiz dieses bissig-witzigen, jedoch auch nachdenklich stimmenden Kammerspiels, das über 1,1 Millionen Menschen im Kino sehen wollten, erklärt: Ob Helikopter-Eltern oder nicht, niemand ist objektiv, wenn es um die eigene Brut geht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst