Schreckensschreie zur Sonntagsprimetime: Einen "Tatort" wie die Frankfurter Episode "Fürchte Dich" gab es auch noch nicht in der 47 Jahre alten Krimireihe der ARD. Das Publikum fand den gänzlich ironiefrei inszenierten Horrorschocker über ein Spukhaus mit Kinderskelett unterm Dielenboden allerdings in großer Zahl zum Davonlaufen.

Nur 6,9 Millionen Zuschauer waren im Schnitt über 90 aufwühlende Minuten dabei. Eine Quote klar unter dem üblichen "Tatort"-Niveau. Weniger Zuspruch als die Gruselermittler Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) hatten in jüngerer Vergangenheit nur das Ludwigshafener Impro-Experiment "Babbeldasch" (6,34 Millionen) sowie der im spröden Dogma-Stil gedrehte Kieler Fall "Borowski und das Fest des Nordens" (6,27 Millionen).

Gibt es da also einen Zusammenhang: mehr Experiment, weniger Quote? Bei der ARD scheint man genau davon überzeugt zu sein. Wie die Fanseite "Tatort-Fundus" als Erste ermittelte und inzwischen bestätigt wurde, soll es von Senderseite künftig die Vorgabe geben, dass nur noch zwei "experimentelle" Filme pro Jahr unter der zugkräftigen Krimi-Dachmarke gestattet sind.

Was das genau ist, ein Experiment, wo genau die Grenzen des Erlaubten sind und wie umgekehrt die klassische "Tatort"-DNA auszusehen hat, das wäre allerdings noch die Frage. Eine andere: Kann sich die ARD unter den neuen Vorgaben noch den HR-Ermittler Felix Murot (gespielt von Ulrich Tukur) oder die schrägen Weimarer Kommissare Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) leisten, die das Sprengen von Krimikonventionen zum Markenkern erhoben haben?

Kommenden Sonntag dürften Freunde der klassischen "Tatort"-Unterhaltung jedenfalls wieder auf ihre Kosten kommen: "Der Fall Holdt" ist der 25. Einsatz für die niedersächsische LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), die an körperliche Grenzen geführt wird. Kein heiteres Dienstjubiläum. Aber eines ohne experimentelles Konzept.


Quelle: teleschau – der Mediendienst