Hannes Jaenicke sagt, was er denkt, und kämpft für mehr Umwelt- und Tierschutz. Jetzt will er Zuschauer aber vor allem zum Lachen bringen – im ZDF-Film "Ein Dorf rockt ab".

Am 18. Mai zeigt das ZDF "Ein Dorf rockt ab". Die Culture-Clash-Komödie, bei der der Zuschauer schnell an das Heavy-Metal-Festival "Wacken" denkt, das jedes Jahr in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein stattfindet, ist eine heitere Einstimmung auf die diesjährige Open-Air-Saison. Eine der Hauptrollen spielt Hannes Jaenicke.

Herr Jaenicke: Zuletzt sah man Sie als allein erziehenden Vater bei Sat 1. Als Festival-Manager in der ZDF-Komödie "Ein Dorf rockt ab" spielen Sie jetzt den eher toughen Mike Berger. Sind Sie im Herzen ein Rock'n'Roller?

Und wie. Ich bin ein Kind der 70er Jahre und großer Musikfan, habe früher auch in einem Plattenladen gearbeitet. Es ist die Musik von Deep Purple und Led Zeppelin, The Who, Pink Floyd und Genesis mit Peter Gabriel, mit der ich groß geworden bin. Da geht mir bis heute das Herz auf. Ich selbst spiele in meiner Freizeit miserabel, aber begeistert Klavier und Jazztrompete.

Dann mussten Sie sich ja für "Ein Dorf rockt ab" nicht verstellen. Was hat Sie am Drehbuch gereizt? Man muss ja sofort an Wacken denken.

Vor allem der Humor und der Culture-Clash, ein eher britisches Konzept. Und wie diese Metal-Horde in eine ländliche Kulisse einfällt. Natürlich liegt der Reiz dieser Komödie nicht zuletzt in der Konfrontation zwischen den Metal Heads, vermeintlichen Rowdies und Barbaren also, und den eher bieder-spießigen einheimischen Dörflern. Am Ende stellt sich heraus, dass die martialischen Metal-Fans absolut harmlos sind. Sie lassen einmal im Jahr kräftig die Sau raus, um dann am Montag wieder in ihre Schreinerei zu gehen oder hinter dem Schreibtisch einer Bank zu sitzen.

Wie viel von Hannes Jaenicke steckt in Ihrer Film-Figur des Festival-Managers Mike Berger?

Ich bin ja eher ein rastloser Typ. Ich wünschte, ich wäre so tiefenentspannt, wie es viele der Schwermetaller sind.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Charaktere vor?

Für "Ein Dorf rockt ab" habe ich Dokus über Wacken geguckt und Heavy Metal gehört. Und beim Glastonbury, dem bekanntesten Musikfestival in England, stand ich mehrfach tagelang im Schlamm. Im März lief in Sat 1 die Familienkomödie "Bodycheck". Für meine Rolle als allein erziehender Eishockeycoach habe ich fleißig Schlittschuhlaufen geübt und mit dem Schläger auf Pucks eingedroschen. Hat großen Spaß gemacht.

Querdenker, wie Sie es sind, haben es hierzulande nicht immer leicht.

Das sollte einen nicht daran hindern, seinen Mund aufzumachen. Ich lasse mich doch von Miesepetern und Meckermännern nicht einschüchtern.

Über Ihren mahnenden Zeigefinger als Umweltaktivist und Tierschützer wird zuweilen geätzt und genörgelt.

Was Spiegel und FAZ über mich schreiben, ist mir egal. Hauptsache, ich kann in der Sache etwas bewirken. Ich bin unglaublich dankbar, dass ZDF-Intendant Thomas Bellut meine Arbeit so unterstützt. Heute Nacht bin ich aus Kenia zurückgekommen, um dort für die nächste Folge der ZDF-Doku-Reihe "Im Einsatz für ..." über die bedrohliche Lage der letzten Nashörner zu drehen. Die Hörner gelten in Asien als medizinisches Wundermittel und Statussymbol, mit denen ein gnadenloses Geschäft gemacht wird. Mit dem Kopfschmuck der Rhinozerosse lässt sich so viel Geld verdienen, dass selbst die Nashörner, die in Deutschland in Zoos und Wildparks leben, rund um die Uhr geschützt werden müssen.

Gab es ein Schlüsselerlebnis für Ihr Engagement?

Das liegt weit zurück. 1986 machte die Sandoz-Katastrophe den Rhein zur toten Chemie-Kloake. Ich bin damals für Blau-Weiß Köln auf dem Rhein gerudert. Das ging von einem auf den anderen Tag nicht mehr, so bestialisch haben die Millionen von verendeten Fischen gestunken. Und Tschernobyl hat sein Übriges getan.

Wie lebt man als "Weltverbesserer" glaubwürdig im Alltag?

Man kann nachhaltig leben, wenn man das wirklich will und sich ein wenig informiert. Ich selbst fahre ein Elektroauto und kaufe ausschließlich Bio-Ware und Fair-Trade-Produkte. Und meine Klamotten trage ich so lange, bis auch meine Schneiderin nicht mehr weiter weiß.

Zurück zu "Ein Dorf rockt ab". Was macht eine gute Komödie aus?

Da halte ich es mit Billy Wilder: "Es ist leichter zu sterben, als eine gute Komödie zu schreiben." Du musst dir immer genau überlegen: Wie ist das Timing, musst du mit der Figur in eine Überhöhung oder bleibst du realistisch, wo musst du das Tempo anziehen oder rausnehmen? Komisch zu sein, die Leute zum Lachen, aber dabei auch zum Nachdenken zu bringen, ist eine echte Kunst.

Ihre Traumrolle?

Das sind allesamt Stoffe, an die sich hierzulande keiner herantraut. Ein Film über die Hells Angels beispielsweise oder über die mafiösen Strukturen in Deutschland, so wie sie vor Jahren schon Dagobert Lindlau in seinem Buch "Der Mob" beschrieben hat. "Der Pate" von Mario Puzo in der Regie von Francis Ford Coppola ist immer noch einer meiner Lieblingsfilme.

Matthias M. Machan führte das Interview.