Annette Kramer (Annette Frier) hat das familiär geführte Hotel Heidelberg fest im Griff, doch neue Probleme stehen vor der Tür. Unter anderem der Kinderwunsch von Annettes Ehemann Ingolf Muthesius (Christoph Maria Herbst), ein Streit mit ihrem Sohn Jeremy (David Nolden) über dessen Zukunft und die psychopathische Ex-Freundin von Ingolf, die das Ehe-Gleichgewicht gehörig ins Wanken bringt, sorgen für Trubel. Selbstverständlich wendet sich schlussendlich alles wie gewohnt zum Guten. Der ARD-Film "Hotel Heidelberg – Kinder, Kinder!" springt ständig zwischen den Konfliktherden hin und her und bewahrt trotz teils simpler Lösungsvorschläge immer ein gutes Gespür für ernste Zwischentöne.

"Wie – ein Kind? Von wem?" "Von mir." "Von dir?!" Es ist einer der schönsten, weil humorvollsten Dialoge, wenn die 42-jährige Annette ihrer Mutter Hermine (Hannelore Hoger) vom sehnlichsten Wunsch ihres Mannes Ingolf berichtet. Und auch wenn das ganze Eltern/Kinder-Thema den Genrekonventionen einer Freitagabend-Familienkomödie im Ersten entsprechen muss, hat man den Eindruck, dass sich Drehbuchautor Martin Rauhaus und Regisseur Edzard Onneken nicht nur Oberflächliches präsentieren. Dafür gehen die Konflikte in vielen Momenten tatsächlich viel zu sehr ans Herz.

Die Charaktere glänzen ungewöhnlich oft mit Ambivalenz, und ganz alltägliche Ehe- und Berufs-Probleme kollidieren mit Situationen, die von weitaus größerer Tragweite sind: In der Praxis von Psychotherapeut Ingolf erscheint der junge Ole (Nico Ramon Kleemann), der seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat und sich ob dieses Traumas von der Welt abkapselt. Wie es Muthesius gelingt, zu ihm durchzudringen, zählt zu den besten Momenten. Auch wenn alles zum Ende hin etwas gefühlsduselig wird.

Annika Kuhl als intrigantes Miststück

Selbstverständlich gibt es auch weniger gelungene Aspekte, wie zum Beispiel die kitschige Szene im Anschluss an das nächtliche Liebesspiel von Annette und Ingolf zu den Klängen von Elton Johns "Rocket Man". Das plötzliche Auftauchen einer vermeintlichen Erbschleicherin löst sich zudem etwas unerwartet in der Erkenntnis auf, dass einsame Menschen eben Liebe und Nähe suchen. Ob es außerdem das Stalker-Motiv tatsächlich gebraucht hätte, mag jeder für sich entscheiden. Annika Kuhl bringt als intrigantes Miststück aber definitiv ein bisschen Thriller-Pep in die Geschichte hinein, auch wenn sich das mit dem Gesamtbild nicht immer gut verträgt.

"Hotel Heidelberg" überzeugt als Wohlfühl-Komödie mit spielfreudigen Darstellern und einigen netten Ideen. Eine weitere Episode mit dem Titel "... Vater sein dagegen sehr" folgt nur eine Woche später zur gleichen Sendezeit um 20.15 Uhr. Wer Innovationen oder großes Drama sucht, ist bei der ARD-Reihe jedoch falsch. Hermine Kramer fasst das Konzept dahinter schön zusammen: "Interessante neue Entwicklungen. Und wie du weißt, liebe ich interessante neue Entwicklungen."


Quelle: teleschau – der Mediendienst