Die Serie über islamistischen Terror und Geheimdienste, die ihn abwehren wollen, basiert auf einem Sachbuch. "The Looming Tower" (ab 9. März bei Amazon) erzählt nach dem gleichnamigen, mit dem Pulitzer-Preis gekrönten Standardwerk die Vorgeschichte von 9/11.

"Wo ihr auch sein mögt, der Tod wird euch finden – und wäret ihr im hohen Turm." Osama bin Laden soll diese dem Koran entlehnten Worte des Öfteren im Vorfeld der Anschläge vom 11. September 2001 zitiert haben. "Der Tod wird euch finden", ist auch der deutsche Titel des 2007 mit dem Pulitzer-Preis prämierten Sachbuchs des US-Journalisten Lawrence Wright. Für die Serie, die nach dem Buch entstand, blieb man auch in Deutschland beim Originaltitel "The Looming Tower". Akribisch beschreiben zehn Episoden die Jahre vor 9/11. Das Katz-und-Maus-Spiel der amerikanischen Behörden CIA und FBI mit ihren meist unsichtbaren Kontrahenten Al Kaida und anderen islamistischen Terror-Organisationen. Dabei lassen sowohl das Buch wie auch die Serie Amerika nicht gut aussehen.

John O'Neill (Jeff Daniels), oberster Terrorfahnder des FBI, nimmt seinen Job sehr ernst. Er schreit und pöbelt gegen alle, die seiner Meinung nach weniger tun und wissen als er. Und er kämpft gegen behördlichen Filz. Vor allem sein CIA-Kollege Martin Schmidt (Peter Sarsgaard) ist ihm ein Dorn im Auge. Die Geheimniskrämer aus Langley, Virginia, scheinen Informationen als ihr Eigentum zu betrachten – das sie polternden Kraftmeiern wie O'Neill selbstredend vorenthalten. Allein schon, um sich über dessen Wut zu freuen, wenn er aus einem Meeting der Geheimdienste in Washington geworfen wird, weil dem New Yorker Terrorabwehr-Büro des FBI die Zuständigkeit entzogen wurde.

Mix aus fiktiven und realen Protagonisten

Die Serie "The Looming Tower" gab der amerikanische Streamingdienst Hulu in Auftrag, der auf dem deutschen Markt nicht aktiv ist. Hierzulande kann man das aufwendig in Szene gesetzte und gut besetzte Serienprodukt ab 9. März bei Amazon sehen. Dabei setzt das Drehbuch von Showrunner Dan Futterman (Oscar-nominiert für "Capote") auf einen Mix fiktiver und realer Protagonisten rund um 9/11. Da wäre zum Beispiel Ali Soufan, gespielt vom Tahar Rahim ("Ein Prophet"), ein junger FBI-Agent mit muslimischem Hintergrund. Soufan, ein Protegé des ebenfalls realen John O'Neill, arbeitet als glühender amerikanischer Patriot und Moslem sehr engagiert gegen das Terrornetzwerk Al Kaida und deren Perversion seiner Religion.

Auch die tragische Geschichte John O'Neills liest sich wie ein Drehbuch, wäre sie nicht in echt so passiert. Nach einer Kampagne gegen ihn musste O'Neill im Sommer 2001 aus dem Staatsdienst ausscheiden und wechselte zum September auf den scheinbar ruhigen Posten eines Sicherheitschefs im World Trade Center. An einem seiner ersten Arbeitstage kam er dort während der Anschläge ums Leben. Verschwörungstheoretiker sehen in diesem Umstand bis heute einen Beweis dafür, dass die US-Regierung an der Planung von 9/11 beteiligt war – auch wenn solch abwegiges Gedankengut sicher nicht Teil des akribischen "Wahrheitsbuches" von Starjournalist Lawrence Wright ist, der für sein "Standardwerk über die Vorgeschichte des 11. September" (taz) Hunderte von Interviews führte und auswertete.

"Homeland"-Vergleich naheliegend

Doch wie gut ist die Serie zum Pulitzer-Preis-Buch geworden, an der neben Futterman renommierte Leute wie Autor Lawrence Wright selbst oder der politische Dokumentarfilmer und Oscar-Preisträger Alex Gibney ("Taxi zur Hölle") beteiligt waren? Man sieht der detailreich erzählten und an vielen Schauplätzen dieser Welt gefilmten Chronologie bisweilen an, dass man ein Sachbuch zur Drama-Serie umfunktionieren musste. Das mühsame Sammeln der Informationen, die behördlichen Ränkespiele, der Filz und persönliche Sympathien wie Animositäten zwischen den Funktionsträger nehmen einen breiten Raum ein.

In den ersten beiden Folgen gewinnen nur Jeff Daniels als bigamistischer FBI-Hooligan John O'Neill und – mit Abstrichen – der französische Schauspielstar Tahar Rahim als Ali Soufan ein wenig Profil. Ob sich die übrigen Charaktere – und mit ihr die Emotion – gegen den Moloch ständig ins Drehbuch einfliegender faktischer Information auf Dauer durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Hier zeigt sich ein interessanter Gegensatz zur Serie "Homeland", mit der "The Looming Tower" jetzt naturgemäß verglichen wird.

"Homeland" hat seinem quasi-dokumentarischen Konkurrenten gegenüber den Vorteil, dass die Claire Danes-Serie rein charakterbasiert aus Sicht einer Agentin erzählt, die sich an keinerlei Fakten halten muss. Dennoch hat auch "The Looming Tower" – neben dem sehr ansehnlichen Handwerk der Schauspieler und Bildgestalter – auch erzählerische Stärken: Selten fühlte man sich Macht und Ohnmacht des westlichen Verteidigungssystems gegen Islamismus und Terror so nah wie hier. Genau das ist es, was an der Serie gewissermaßen fesselt – aber auch wenig Optimismus und Freude "für den Westen" aufkommen lassen will.

Das ist der Trailer zu "The Looming Tower":


Quelle: teleschau – der Mediendienst