Drei Frauen im Teenageralter wurden in und um Frankfurt ermordet, ihre Leichen zerstückelt. Einzige Gemeinsamkeit: Sie waren sehr blond. Kommissarin Julia Durant (Sandra Borgmann), die sich gerade von einem traumatischen Angriff erholt, soll mit ihren ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden den Fall übernehmen.

Die Polizei steht unter Druck, die Öffentlichkeit erwartet schnelle Erfolge. Durant gilt als ausgezeichnete Profilerin, die andere Menschen "lesen" kann. Doch ihr eigenes Leben leidet darunter, dass ihre Beziehungen nie lange halten. Einzig und allein mit ihrem Vater, einem pensionierten Geistlichen, verbindet sie ein besonderes Vertrauensverhältnis. Auch wenn einem die Zutaten der Bestsellerverfilmung "Jung, blond, tot: Julia Durant ermittelt" nach Andreas Franz allesamt bekannt vorkommen – die überstilisierte Bild- und Figurenästhetik des als Reihe geplanten SAT.1-Krimis hat etwas.

Zerstückelte Frauenleichen, Ritualmorde, eine traumatisierte Ermittlerin: Man hat das Gefühl, bei "Jung, blond, tot" greifen sämtliche Klischees des modernen Hard-boiled-Krimis. Vielleicht auch deshalb, weil die Romanvorlage bereits 1996 erschien, als die genannten Zutaten noch weniger abgegriffen erschienen. Andererseits: Richtig unmodern sind sie seitdem nicht geworden – schon gar nicht in Film und TV.

Wetten, dass sich ein paar Ritualmorde – übrigens in der Realität höchst selten vorzufinden – an jedem Kalendertag per Fernbedienung finden? Schriftsteller Andreas Franz, der 2011 überraschend einem Herzanfall erlag, schrieb zwischen 1996 und seinem Tod insgesamt zwölf Julia Durant-Romane. Er hinterließ zahlreiche weitere Manuskripte, die seitdem von Daniel Holbe zu neuen Durant-Büchern ausgearbeitet werden. Sollte Film eins also reüssieren, hätte SAT.1 genügend Stoff, um die angedachte Krimi-Reihe mit Fällen zu füttern.

Sandra Borgmann ("Die LottoKönige") ist ein eher aus dem Öffentlich-Rechtlichen bekanntes Charaktergesicht. Mit ihr hat sich SAT.1 für eine charismatische Hauptdarstellerin entschieden. Die 1974 geborene Wahl-Hamburgerin ist in etwa seit der Jahrtausendwende regelmäßig in oft abgründigen Nebenrollen zu sehen. Angeschlagene, doppelbödige Frauenfiguren darf man als ihre Spezialität bezeichnen. Was sie selbst zu ihrer Rollenauswahl sagt, lesen Sie hier im Interview.

Als Kommissarin mit Bindungsproblem, die jedoch keineswegs unterkühlt oder körperlos agiert, ist Borgmann jedenfalls ein Treffer. Dagegen bleiben die Co-Ermittler (unter anderem: Guido Broscheit, Eric Stehfest) eher etwas blass. Ein Lob darf man hingegen Regisseurin Maria von Heland ("Göttliche Funken") und ihren Location Scouts aussprechen. Helands Bilder und die Schauplätze des in der feineren Frankfurter Gesellschaft spielenden Handlung haben hohe Schauwerte. Fast gewinnt man den Eindruck: die Verpackung dieses Krimis ist origineller als sein Plot. Solange das SAT.1-Produkt mitsamt seinen stark stilisierten Szenen und Figuren jedoch unterhält, sollte man nicht nach ödem Realismus rufen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst