Die wachsende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich ist eine drängende Frage, der sich die Berliner Regierung zu stellen hat. Zumindest dem Anschein nach sind die rund 1,8 Millionen Staatsbedienstete im Beamtenstatus, die für Bund, Länder und Kommunen arbeiten, fein raus: Sie haben einen Job auf Lebenszeit, erhalten mehr Netto vom Brutto-Lohn und dürfen sich auf eine gut abgesicherte Altersversorgung als pensionierte Beamte freuen.

Daher wirft die vom HR erstellte neue Dokumentation "Die Story im Ersten: Der Beamtenreport" die nicht unbrisante Frage auf, ob es nicht tatsächlich zu viele privilegierte Staatsdiener gibt und ob der Staat nicht auch mit weniger Beamten gut auskommen könnte.

Tatsächlich ist der Traum von der Verbeamtung und damit die vermeintliche Rundum-Sorglos-Versicherung gar nicht mehr die Realität für viele Staatsdiener. Lehrer etwa werden nicht mehr automatisch verbeamtet, sondern kommen nur mit viel Glück in Anstellungsverhältnissen, die zudem oft auch noch befristet sind, unter. Gleichzeitig fehlen, wie nicht nur die Lobbyorganisationen beklagen, an vielen Stellen der Gesellschaft Richter, Polizisten und andere Staatsbeamte. In den Amtsstuben stapeln sich unerledigte Akten, die Warteschlagen auf Behörden werden immer länger. Laut Beamtenbund, einer Art Gewerkschaft, sind über 200.000 Stellen unbesetzt.

Die Autorin Christine Rütten hat für ihren "Beamtenreport" hat vor diesem Hintergrund recherchiert und viele Akten gewälzt und aktuelle Studien sowie Umfragen von Infratest dimap ausgewertet. Außerdem ließ sie sich auf ausführliche Recherchen vor Ort ein – in Schulen, auf Polizeirevieren und in Ämtern. Dabei ergibt sich ein erschreckendes Bild: Vor allem die wachsenden Pensionsverpflichtungen belasten die öffentlichen Kassen schwer. Fast 690 Milliarden Euro muss der Staat für Pensionen und Beihilfe bereitstellen.

"Die alten Bundesländer werden bald in Pensionslasten ertrinken", warnt der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen. Die Probleme, die auf den öffentlichen Arbeitgeber zurollen, waren dabei seiner Ansicht nach hausgemacht: "Niemand war vorsichtig genug, alle haben zwischen 1972 und 1982 die Zahl ihrer Beamten verdoppelt." Nun kommt auf den Staat die Last einer großen Pensionierungswelle der ehemaligen sogenannten "Baby-Boomer-Generation" im Beamtenstatus zu. Für die Kostenlawine müsste am Ende auch der Steuerzahler aufkommen. Die Rücklagen für Beamtenpensionen werden nicht ausreichen.

Daher stellt die Dokumentation die brennende Frage: Wie dringend braucht das deutsche Beamtentum Reformen? Und: Sollten nicht auch ab sofort künftige Beamte in die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung einzahlen? Ein Blick in die Nachbarländer – vor allem in die Schweiz – zeigt, dass man vieles wohl auch hierzulande ganz anders organisieren könnte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst