"John Wick: Kapitel 2" (2017) bietet den brutalstmöglichen Kunstgalerie-Besuch. Das Muster geht so: Profikiller John Wick (Keanu Reeves) kauert hinter einem Sockel, auf dem eine Plastik steht. Ein Typ mit Maschinenpistole tappt vorbei. Wick attackiert ihn mit Judo. Mit der Maschinenpistole des Gegners pustet er zunächst dessen Spießgesellen um, dann ihn selbst. Blut spritzt. Aber nicht auf die Artefakte, nur auf die Erklärtäfelchen. Und dann kommen auch schon die nächsten Bewaffneten an die Reihe.

Die Wahl des Schauplatzes ist kein Zufall. Das Sequel zu "John Wick" (2014) verfällt bei der Sinnsuche auf das Erhabene der Kunst und versucht ungeschickt, seine ermüdenden Wiederholungen aus Überwältigen, Zweikampf, Schädelzerballern als so etwas wie "serielle Kunst" auszugeben. ProSieben zeigt den Actionfilm als Free-TV-Premiere zu später Stunde.

"John Wick: Kapitel 2" entspinnt sich zunächst wie ein Rückspul-Manöver des ersten Teils. Dort schliddert Wick in eine Auseinandersetzung mit der russischen Mafia, nun beendet er die Fehde faustkampfstark. Hat Wick im ersten Film mühselig und martialisch sein Waffenarsenal ausgebuddelt, mauert er es nun im Keller seiner Bauhaus-Villa wieder ein. Doch Frieden findet er nicht.

An einen verpflichtenden Blutschwur appellierend, möchte Mafioso Santino D'Antonio (Riccardo Scamarcio) den Ruheständler unbedingt für einen weiteren Job engagieren. Das Opfer: seine Schwester. Wick lehnt zunächst ab. Doch als sein Zuhause später in Schutt und Asche liegt, willigt er zerknirscht ein. In Rom nimmt die Erledigung des Auftrags einen ungewöhnlichen Verlauf, hat jedoch das gewünschte Resultat. Aber Wick wird zum Gejagten: Santino setzt sieben Millionen Dollar auf seinen Kopf aus – angeblich, um seine Schwester zu rächen. Alle Auftragsmörder der Welt (unter anderem Ruby Rose und der Rapper Common) sind brennend interessiert.

Hat es denn keine auratische Wirkung, wenn Santino vor dem Mord-Briefing mit Wick in die Betrachtung eines monumentalen Schlachtengemäldes vertieft ist? Wenn er zwischen riesigen Statuen mit seinen Killern telefoniert? Oder wenn Laurence Fishburnes Bettlerkönig Bowery King, zu dem sich Wick flüchtet, aufwendig deklamiert: "Der Mann, der Mythos, die Legende"?

Nein, nichts von der ästhetischen Umgebung oder den literarischen Klimmzügen vermag Chad Stahelskis stupider Blutzoll-Inszenierung irgendeinen Glanz zu verleihen. Der Showdown in einer Spiegelkabinett-Kunstinstallation markiert den Tiefpunkt: Unendliche Widerspiegelung desselben, in steter Metzel-Selbstüberbietung, aber ohne Seele ist "John Wick: Kapitel 2". Keanu Reeves allein kann sie dem Film nicht einhauchen.

Aufgrund des riesigen Erfolgs von "Kapitel 2" ist eine weitere Fortsetzung längst beschlossene Sache. Deutscher Kinostart von "John Wick: Kapitel 3" ist Ende Mai 2019, mit an Bord ist sogar Oscarpreisträgerin Halle Berry.


Quelle: teleschau – der Mediendienst