Sie waren ehrgeizig, verblendet und doch unschuldig. Buchstäblich in Heerscharen wurden junge Männer in den nationalpolitischen Erziehungsanstalten (kurz: Napola) des Dritten Reichs zu willenlosen Vollstreckern des nationalsozialistischen Gedankenguts gedrillt.

Die Jugendlichen dachten, sie gehörten zu einer Elite. Jedoch dienten sie nur als weiteres menschliches Material für einen unsinnigen Krieg. Ein bewegender Film beschäftigte sich Anfang 2005 mit dem brisanten Thema: Mit "Napola – Elite für den Führer" bewies "Mädchen Mädchen!"-Regisseur Dennis Gansel Fingerspitzengefühl für schwierige Stoffe. Nun zeigt ARTE das Historien-Drama erneut.

Der Kinostart wurde damals mehrfach verschoben. Man wollte nicht im Fahrwasser des Erfolgs von "Der Untergang" schwimmen. Und tatsächlich: "Napola" hat sich seine Eigenständigkeit verdient. Im Fokus stehen die Elite-Internate, in denen junge Sportskanonen unter den Nazis die besten Ausbildungschancen bekamen, wenn sie nur körperlich fit und jederzeit willens waren, die menschenverachtenden Ideologien ihrer Lehrer zu teilen.

Das muss auch der 16-jährige Friedrich (Max Riemelt) erkennen, der sich gegen den Willen seiner Eltern bei einer Napola anmeldet, um dazuzugehören. Durch das Boxen lernt Friedrich, seine Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren, dem Selbstmitleid zu entkommen, das ihn bisher aufgrund der Armut seiner Eltern so gemartert hat. Doch nach und nach muss der Schüler erkennen, dass ihn das System korrumpiert. Durch die Freundschaft zu dem sensiblen Albrecht (Tom Schilling, "Oh Boy") blüht ihm der wahre Hintergrund der Schinderei, der sich die Mitschüler und auch er selbst so devot unterwerfen. Albrecht revoltiert gegen seinen Vater, der als SS-Hardliner keine Schwäche duldet.

Der damals 20-jährige Max Riemelt ("Sense8") glänzte in seiner ersten ernsthaften Hauptrolle, die das Interesse der Branche auf ihn lenkte. Da er auch für Dominik Grafs preisgekrönte Miniserie "Im Angesicht des Verbrechens" verdiente Anerkennung fand, durfte man Riemelt schon bald zur A-Riege deutscher Schauspielstars zählen. Mit Regisseur Dennis Gansel arbeitete Riemelt noch drei weitere Male zusammen: In "Die Welle" (2008), "Wir sind die Nacht" (2010) sowie "Die Vierte Macht" (2012).

Gansel feierte vor zwei Jahren sein Hollywood-Debüt mit dem Jason-Statham-Actionthriller "The Mechanic 2 - Resurrection". 2018 lief dann seine Realverfilmung von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" in den Kinos. Mit rund 25 Millionen Euro gilt der Kinderfilm als eine der kostspieligsten deutschen Produktionen überhaupt. Etwas über 1,5 Millionen Kinotickets wurden hierzulande gelöst, was einem eher mageren Einspielergebnis von rund 10,7 Millionen Euro entspricht. Dennoch: Nach derzeitigem Stand soll Gansel im Frühjahr 2019 mit den Dreharbeiten zur Fortsetzung beginnen. Der Start von "Jim Knopf und die Wilde 13" ist für 2020 angedacht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst