Die zehnteilige dänische Serie "Die Wege des Herrn" porträtiert eine Familie, die für eine lange Tradition von Pfarrern steht. Deutlich wird, dass frommer Glaube und unüberwindbare Zweifel beinahe schon Hand in Hand gehen.

Die Familie Krogh genießt einen hervorragenden Ruf. In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen stellt sie seit Generationen Pfarrer und Seelsorger. Die Kroghs sind offensichtlich Menschen der guten Tat. Auch Vater Johannes Krogh (Lars Mikkelsen) blickt sehr zufrieden auf sein Wirken und das zumindest eines seiner Söhne: Der Jüngste, August (Morten Hee Andersen), steht ebenfalls in den Diensten Gottes. Dessen Bruder Christian (Simon Sears) hingegen hadert immer wieder mit seinem Leben. Innerhalb der scheinbar so gesalbten Familie treten fortan Probleme auf, die mit der viel gerühmten christlichen Nächstenliebe nur noch sehr wenig gemein haben. Zehn Folgen lang beleuchten Regisseur Kaspar Munk und Drehbuchautor Adam Price ("Borgen – Gefährliche Seilschaften") in "Die Wege des Herrn", dass zwischen göttlichem Segen und diabolischer Versuchung oftmals nur ein schmaler Grat liegt. ARTE zeigt die ausgezeichnete dänisch-französische Serie in zunächst drei aufeinander folgenden Episoden. Die weiteren Folgen werden bis 13. Dezember immer donnerstags ausgestrahlt.

43,2 Prozent: Das ist die Zahl, die Johannes in Verzückung versetzt. Das Oberhaupt der sehr angesehenen Familie Krogh hat mit diesem Zuspruch der Wähler beste Chancen, Bischof des Bistums Kopenhagen zu werden. "Ich wäre natürlich stolz, wenn ich der erste Bischof in der Familie überhaupt werden würde", sagt er am Telefon. Als er seine Freude darüber teilen will, fällt ihm, dem Bischof in spe, nichts Besseres ein, als zu seiner nackten Frau Elisabeth (Eleonora Jørgensen) unter die Dusche zu steigen.

In der zehnteiligen Serie von "Borgen"-Schöpfer Adam Price wird schnell klar, dass unerbittliches Gut-Sein und die Abgründe fleischlicher Versuchung sehr nahe beieinander liegen können. In der Person des Familienvaters Johannes, aber auch in der gescheiterten Existenz dessen ältesten Sohnes Christian zeigt sich, wie Glaube und Zweifel beinahe schon Hand in Hand gehen können. Immer wieder sind es die Dämonen der Versuchung, die sowohl den angehenden Bischof als auch seinen Nachwuchs auf harte Proben stellen.

In Zeiten, in denen Meldungen über Missbrauch innerhalb der Kirche immer wieder erschüttern, erhält die Serie "Die Wiege des Herrn" einen mitunter fahlen Beigeschmack. Drehbuchautor Price und Regisseur Munk gelingt es, eine Frage in den Mittelpunkt zu rücken, auf die wohl nur wenige eine eindeutige Antwort haben. Sie geben zu bedenken: Wenn Gott gut ist, warum gibt es dann so viel Böses in der Welt?


Quelle: teleschau – der Mediendienst