Eine Flaschenpost, die von einem Fischer aus der Elbe geangelt wird, bringt es ans Licht: Der einst in Prag verschollene IT-Millionär Westerberg lebt. Ein Fall für Helen Dorn.

Helen Dorn (Anna Loos), die Kommissarin vom Düsseldorfer LKA, nervt mal wieder alle. Nicht nur, dass sie einen Drogendealer in Notwehr erschossen hat (und der gleich einen Passanten mit), sie scheint ihres Lebens im Allgemeinen überdrüssig zu sein. Doch wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann kommt ein Engel vom BKA daher. Dessen Chef und ihr eigener, so schließt Helen messerscharf, haben offensichtlich bei einem Tresengespräch beschlossen, sie und den durchaus coolen BKA-Mann Felix Schwarz (Christoph Letkowski) auf den neu aufzurollenden Fall eines in Prag verschollenen IT-Vordenkers und -Millionärs anzusetzen. Der längst Totgeglaubte hat sich soeben per Flaschenpost (!) über Moldau und Elbe aus seinem Verlies gemeldet: Der Silicon-Valley-Guru Paul Westerberg (August Zirner) lebt! Und es gilt ihn im zehnten "Helen Dorn"-Fall "Prager Botschaft" schnellstens zu finden.

Es ist ein fraglos etwas abstruser Fall, der sich da vor den Augen des Zuschauers entrollt. Aber die Räuberpistole aus der Wendezeit (Flucht nach Prag!) wurde von Regisseur Alexander Dierbach nicht ohne Spannung inszeniert. Schon vor Helen Dorns exzessivem Schusswaffengebrauch in der Heimat hat man August Zirner in einem unwirtlichen Gemäuer darben sehen. Mit aufgerissener Hand und blutendem Finger schreibt er seine Hilfeschreie auf die Seiten einer Prager Tageszeitung, um sie dann mittels Koteimer zu Wasser zu lassen. Er zählt die Tage bis zu seinem vorangekündigten Ende, das immer näher rückt. Er kennt sein Sterbedatum, er kennt auch seinen Peiniger.

Alles geht auf das Datum seiner Entführung im August 2014 zurück. Damals war der berühmte Internet-Guru für einen Vortrag zum 25-Jahre-Jubiläum der legendären Genscher-Verkündigung in der Prager Botschaft eingeladen worden und bei diesem Anlass auf die Avancen einer verführerischen Dame (Nora von Waldstätten) hereingefallen – nicht ahnend, dass das böse enden würde. Die Begegnung der beiden allerdings hat Hollywood-Format, es knistert bei den Annäherungsversuchen vor dem Eingang des Hotels in Prag beträchtlich.

Während Anna Loos Helens bekannte Leichenbittermiene beibehält – diesmal noch ein wenig mehr, sie hat bei der Schießerei daheim auch einen Bauchschuss abbekommen -, geht der BKA-Mann Felix forsch voran. Schon hat er Westerbergs alte Hotelsuite gemietet und sich auf die Spur der smarten Ex-Assistentin des IT-Millionärs gesetzt. Man ist, nicht zuletzt durch Helens stets rasend schnelle Kombinationsgabe, sehr bald einer fiesen Erpresserin auf der Spur. Von ihr wurden Gelder ins Ausland verschoben.

Es wird dann noch manche Blind- oder Halbspur gelegt, und Prag zeigt sich mit Karlsbrücke und Hradschin von seiner schönsten Seite. Doch wie das alles nun zusammenhägt, der IT-Millionär und die Servicedamen, Fluchten aus der DDR und eben die mehrjährige Wasserpost, darf erstens nicht verraten werden und ist an entscheidender Stelle auch ein wenig arm an Logik. Weil aber die Darsteller vom Feinsten sind, nimmt man obendrein auch die mittlerweile Mode gewordenen heftigen Rückblenden und Schauplatzwechsel in Kauf – etwa wenn Helens Vater beim Anruf aus Prag mal wieder Würstchen in seiner Küche brät.

Dass Vater Dorn (Ernst Stötzner), ohnehin bekanntlich schlaganfallgefährdet, dann aber auch noch die Übergriffe einer Täterin anstelle der Tochter erleiden muss, ist etwas zu viel. Wenn der Alte, der nach dem Überfall im Koma liegt, im Düsseldorfer Klinikum zweierlei Gestalt annimmt (der eine stumm unter Schläuchen, der andere die Tochter wieder einmal zum Nichtrauchen ermahnend), wird's kompliziert. Aber wer weiß, vielleicht steht bald auch Helens tote Mutter wieder auf. Über deren Schicksal wird jedenfalls am Ende der zehnten Folge einmal mehr Aufklärung versprochen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst