Kritik

"Katakomben": Joyn-Serie zeigt dunkle Seite von München

von Elisa Eberle

Die Stadt der Reichen Schönen hat eine dunkle Seite: Längst sind die Münchner Katakomben ein Zufluchtsort für Menschen geworden, die von der Gesellschaft nicht gerne gesehen werden. Eine Joyn-Serie erzählt ihre Geschichte.

Sie sind ein offenes Geheimnis: Seit fast 50 Jahren sind die sogenannten Münchner Katakomben ein Zufluchtsort für all jene, die von der Gesellschaft nicht gern gesehen werden. In dem neuen Joyn-Original "Katakomben" von Jakob M. Erwa (Regie, Buch) und Florian Kamhuber (Buch, Produzent) werden sie nun zum heimlichen Hauptdarsteller in einer Geschichte voller Gegensätze zwischen Arm und Reich, zwischen Politik, Polizei und Wirtschaft. Der Streamingdienst der ProSiebenSat.1 Media-Group zeigt die sechsteilige Serie ab Donnerstag, 11. März, in seinem kostenpflichtigen Bereich. Hier geht's direkt zur Serie.

Alles beginnt mit einer Party, genauer gesagt einem illegalen Rave, an welchem die neureiche Jugendliche Nellie (Lilly Charlotte Dreesen), ihr kleiner Bruder Max (Nick Romeo Reimann) und ihr aus einfacheren Verhältnissen stammender bester Freund und Influencer Janosch (Yasin Boynuince) teilnehmen. Doch die Veranstaltung gerät außer Kontrolle: Als ein Feuer ausbricht, verlassen Hunderte von Jugendlichen in einer Massenpanik die unterirdischen Gewölbe. Am Ende gibt es zahlreiche Verletzte, und Max sowie zwei weitere Jugendliche gelten als vermisst.

HALLO WOCHENENDE!
Interviews, TV-Tipps und vieles mehr: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Der Trailer zur Serie "Katakomben"

An der schnellen Aufklärung des Unglücks sind fortan viele Gruppen interessiert – alle mit unterschiedlichen Intentionen: Da wäre zunächst Nellie, die getrieben von ihrer besorgten Mutter (Aglaia Szyszkowitz), fieberhaft nach ihrem verschwundenen Bruder sucht. Hilfe bekommt sie von Tyler (Mercedes Müller), einer sogenannten "Unsichtbaren", die mit einigen anderen Außenseitern tatsächlich in den Versorgungsschächten unter dem Münchner Hauptbahnhof lebt. Doch warum?

Auf der anderen Seite stehen ein nach Profit strebender Bauunternehmer (Daniel Friedrich) und seine Tochter (Marleen Lohse) sowie eine dubiose Polizistin (Sabine Timoteo), die in der Partynacht ebenfalls in den Gängen war und das aus einem ganz eigenen, mysteriösen Grund ...

"Wir haben in München ein Talent fürs Wegschauen"

Es kommt nicht von ungefähr, dass der Produzent und Head-Autor Florian Kamhuber seine Serie ausgerechnet in den Katakomben spielen lässt. Als geborener Münchner, erklärt er, habe er schon immer eine gewisse "Hassliebe" zur Stadt empfunden. Eine Reportage über die echten Münchner Katakomben haben schließlich 2017 sein Interesse geweckt: "Die Katakomben destillieren so richtig schön die Essenz dessen, was die Stadt für mich ausmacht", sagt er. "Wir haben in München ein Talent fürs Wegschauen und Unsichtbarmachen, wie es kaum eine andere deutsche Stadt hat." Obdachlose und Junkies gäbe es selbst in der Nähe des Hauptbahnhofes kaum zu sehen.

Genau diese "makabre Doppelmoral", wie sein Mitstreiter Jakob M. Erwa sie nennt, wird in der Serie an mehreren Stellen deutlich: Es sind vor allem die kleinen Sätze, die den Zuschauer hart treffen: "Wir müssen priorisieren, leider", erklärt etwa der Staatsanwalt (Yung Ngo), als er in der Gerichtsmedizin nicht nur die Leiche eines "Rich Kids", sondern auch die eines Junkies präsentiert bekommt. An anderer Stelle hingegen fragt die von ihrer Mutter vernachlässigte Nellie: "Was bringt ein voller Kühlschrank, wenn man nie zusammen isst?"

All das macht "Katakomben" zu einer gesellschaftlich relevanten Produktion, die weitaus spannender ist als so manch andere glattgebügelte Coming-of-Age-Serie.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren