In ihrem fünften Kroatien-Fall hat die Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) den Mord an einer 18-Jährigen aufzuklären. Nichts weist für sie auf einen Serienmörder hin.

Branka Maric (Neda Rahmanian) von der Mordkommission in Split ist kombinationsschnell, aber in ihrem Privatleben auch ein lockerer Vogel. Bringt ihren Pilotenfreund zum Flughafen, auf dass der wieder mal wochenlang in der Ferne schwebe und lässt sich von eben diesem eine angenehme Zeit mit ihrem Yachtfreund wünschen. Wer da lange schlucken will ob des libertinösen Gebarens, versäumt in ihrem fünften Fall, dem Kroatien-Krimi "Der Mädchenmörder von Krac", schon viel: In den Bergen ob Split liegt ein totes Mädchen. Ist ein Serienmörder am Werk? Schließlich hat es vor Jahresfrist schon einmal einen ähnlichen Mord gegeben.

Zwar zeigt auch der fünfte Kroatien-Fall zwischendurch die üblichen Fernweh-Perspektiven – hier von Split und Sibenik – , doch es gibt eben auch die rauen Seiten. Ein Tankwagen biegt im unwirtlichen Hinterland ums Eck, er zieht eine Staubwolke hinter sich her. Später sitzen die Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) und ihr Chef auch mal auf einem Mäuerchen am Rande eines Bolz- oder Basketballplatzes und tauschen sich über die Kochkünste von Brankas Mutter aus. Das Kaninchen, das sie gerkocht hat, kätte man besser nicht geschlachtet, behauptet der leicht enttäuschte Vorgesetzte mit einem Augenzwinkern.

Solche Szenen (Regie: Michael Kreindl) halten diesen Krimi eher am Leben als die üblichen Touristen-Ansichten, die alle Degeto-Krimis aus dem Ausland würzen. Das ist umso bedeutsamer, als dass der Fall selbst – es geht um Mädchenmorde, die sich vordergründig gleichen – eher konventionell daher kommt. Immerhin: Brankas Intelligenz sagt ihr dann doch sehr früh, dass der neue Mord nichts mit dem alten zu tun hat. Der Täter damals war äußerst brachial, der jetzige bettete sein Opfer sorgfältig auf eine Wiese. Es wird wieder Sperma gefunden, aber wirklich brutale Verletzungen gibt es nicht.

Freund und Vater sind verdächtig

Der Tat verdächtig sind viele: der Freund, der das Mädchen nachts nach Hause fuhr und in einiger Entfernung aussteigen ließ, das aber zunächst verheimlicht hat. Ein Tanklastwagen-Fahrer, der in der Nacht vorbeifuhr. Und nicht zuletzt auch der meist betrunkene Vater des Mädchens , ein Gastwirt (Martin Feifel), der die Tochter immer so streng behandelt hat. Doch es war ein Unfall, findet die Kommissarin alsbald heraus. Auf diese Idee kommt sie, als ihr die eigene Mutter wieder einmal Vorwürfe wegen ihrer wechselnden Männerbekanntschaften macht – Adriana Altaras macht eine umwerfende Szene daraus: Auch du bist doch immer heimlich ausgestiegen an der Ecke, weil dein Vater den Freund nicht sehen sollte! Und überhaupt: Wann willst du endlich Kinder kriegen? – Und dann, ja, gibt es einen dritten Mord. Also doch eine Serie?

Leider drückt der versierte Krimi-Autor Christoph Darnstädt allzu sehr auf die Hard-boiled-Tube. Die Charakterisierung eines mit lauter Vorurteilen beladenen Konkurrenzkommissars aus Sibenik (David Rott) ist zweifelsohne grenzwertig. Mehr Klischee über Muslime und vorbestrafte Migranten auf der Balkanlinie geht wohl kaum. Geradezu genüsslich wird denn auch das von der Spurensicherung vorgefundene Sperma mehrfach zitiert.

Die Stärke dieses Krimis sind denn auch die leichten Szenen – etwa wenn Brankas Kollege Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) Freundschaft mit der in ihn gleich verknallten Schwester der Toten schließt, oder wenn sich Emil und Branca die Haare über ihre Fälle raufen. So kommt alles in allem doch noch ein recht geschicktes Spiel mit allerlei Krimi- und Kroatien-Klischees zustande.

"Ich bin so was von Deutsch – und Iranisch" – Lesen Sie das Interview mit Hauptdarstellerin Neda Rahmanian.


Quelle: teleschau – der Mediendienst