Seine Mutter und ihre Partnerin wünschen sich ein Kind, also soll Jan seinen Samen spenden. Klingt absurd, doch dabei herausgekommen ist die clevere und sehenswerte Komödie "Die Freundin meiner Mutter".

Jan (Max Riemelt) ist in der Liebe ziemlich erfolglos. Davon profitiert jedoch seine Mitbewohnerin Hannah (Jasna Fritzi Bauer), die sich als Stand-Up-Comedienne versucht und viele ihrer Gags am tragischen Liebesleben ihres besten Kumpels orientiert. Heimlich ist sie sogar in Jan verschossen, doch der – typisch Mann – ist auf der Suche nach der völlig übetriebenen romantischen Liebe und hat dafür sogar eine eigene utopische Checkliste angefertigt. Dass der Buchhändler nicht erkennen kann und will, dass die wahre Liebe bereits seit Ewigkeiten mit ihm unter einem Dach lebt, ist einer der dramaturgischen Knackpunkte von "Die Freundin meiner Mutter", der nun erstmals im Ersten zu sehen ist.

Der andere manifestiert sich in den beiden titelgebenden Frauenfiguren. Jans Mutter Viktoria (Katja Flint) ist lesbisch und turtelt derzeit mit der weitaus jüngeren Rosalie (Antje Traue). Die wiederum ist das Objekt von Jans Begierde – der glaubt nämlich in der gleichaltrigen jungen Frau die absolute Traumfrau gefunden zu haben. Richtig kompliziert wird's aber, als ihn die beiden um einen absurden Gefallen bitten: Er möge doch bitte seinen Samen spenden, um dem Paar zu Nachwuchs zu verhelfen – "Dann wär's quasi von uns beiden." Wie bitte? "Das ist doch wie Inzest", empört sich Hannah. Und auch Jan kann es kaum glauben: "Ihr seid total durchgedreht!", fährt es aus ihm heraus. "Mein Samen gehört mir!"

Wer jetzt die durchaus berechtigte Angst hat, dass mit "Die Freundin meiner Mutter" entweder eine laue Rom-Com im Fahrwasser von Schweiger und Schweighöfer oder plumper Sex-Humor geboten wird, der irrt gewaltig. Sicher, die Prämisse ist an Abstrusität kaum zu überbieten, doch der Film ergötzt sich nicht an Albernheiten und Sex-Witzchen. Stattdessen profitiert die Komödie von Regisseur Mark Monheim ("About a Girl", "Alles Isy") von einem cleveren Drehbuch aus der Feder von Kirsten Peters, Martin Rehbock und Philip Voges.

Primär geht es nämlich darum, dass sich der Marcel-Proust-Fanboy Jan von seiner dominanten Mutter emanzipieren und von seinen weltfremden Liebesvorstellungen verabschieden muss. Alle Charaktere machen glaubwürdige Entwicklungen durch – den hervorragenden und spielfreudigen Darstellern sei Dank. Auch die Musikauswahl und die ästhetische Bildgestaltung von Kamerafrau Jana Lämmerer lassen den Film aus dem Sumpf an austauschbaren Beziehungskomödien positiv hervorstechen – man mag in manchen Momenten sogar soweit gehen und dem Werk Kinotauglichkeit attestieren.

Was man Monheims Film ebenfalls hoch anrechnen muss, ist der moderne Umgang mit Sex- und Gender-Thematiken und hierbei insbesondere mit der sexuellen Orientierung seiner Charaktere. Homosexualität wird hier endlich nicht mehr als sonderbare Neigung, sondern als ganz normal angesehen – gut so! Zudem gelingt die Balance aus dramatischen und humorvollen Momenten ganz famos, was nicht zuletzt am fantastisch geschriebenen Charakter von Jans Vater Dieter liegt. Ernst Stötzner brilliert in seiner Rolle und liefert (großartig geschriebene) Gags am laufenden Band. Wenn er augenzwinkernd philosophisch über sein Dasein sinniert und dabei "Weisheiten" à la "Rasenmähen ist der Sex des alten Mannes" von sich gibt, dann bleibt kein Auge trocken.


Quelle: teleschau – der Mediendienst