Bitta Heidemann hatte das Olympia-Halbfinale 2012 im Sudden Death gewonnen, aber es fühlte sich wie eine Niederlage an. "Die Stimmung in der Halle war gegen mich. Ich spürte den Hass der Menschen!" Bei "Ewige Helden" berichtete die Degen-Legende vom schwärzesten Tag ihrer 25-jährigen Sportkarriere.

Britta Heidemann (36) ist eine Gigantin ihres Sports. Als erste Degenfechterin überhaupt schaffte sie das "Goldene Triple": Sie war zeitgleich amtierende Weltmeisterin (2007 in St. Petersburg), Olympiasiegerin (2008 in Peking) und Europameisterin (2009 in Plovdiv). Sie holte bei drei Teilnahmen an Olympischen Spielen (2004, 2008, 2012) stets eine Medaille (einmal Gold, zweimal Silber), erkämpfte bei zehn Weltmeisterschaften insgesamt elf Medaillen und bei fünf Europameisterschaften fünfmal Edelmetall. In ihrem Sport "entscheidet manchmal eine Sekunde über Sieg und Niederlage". Und doch bescherte ihr ausgerchnet eine dieser "Sieg-Sekunden" den bittersten Tag ihrer Karriere. Daran ließ sie ihre sieben Kameraden der VOX-Sportdoku "Ewigen Helden" in ihrem Kariererückblick teilhaben.

Bei ihrer dritten Olympiateilnahme (2012, London) qualifizierte sie sich nach zwei entbehrungsreichen Jahren (Leistungstief, Motivationsloch, Hand-Operation) endlich wieder für ein Halbfinale. Mit 5:5 ging es gegen die Südkoreanerin Shin in die entscheidende Extraminute. Eine Sekunde vor Ende des "Sudden Death" traf Britta zum Sieg. Aber statt tosendem Jubel schlug ihr Antipathie entgegen – die Menschen in der Halle litten mit der weinenden Geschlagenen, der Südkoreanerin. "Ich habe auch mit ihr gelitten. Aber ich war traurig, dass die Stimmung hundertprozentig gegen mich war. Es war nicht schön, den Hass der Menschen zu spüren. Es war der schwärzeste Moment meiner Karriere." Trotzdem holte sie im Finale nochmals Silber, sie unterlag – ausgerechnet im "Sudden Death"! – "Aber bei der Siegerehrung war ich dann doch bombenstolz!"

Das durfte sie auch in der vierten Woche der VOX-Spielshow sein. Sie gewann in "ihrer Woche" gleich den Auftaktwettbewerb "Faultier" und ließ sich am längsten hängen – an einer Stange über dem Swimmingpool der Sportlervilla. Sie ging als letzte baden und sicherte sich den ersten Wettkampfsieg bei "Ewige Helden". Beim Sprint- und Taktik-Spiel "Tic Tac Toe" wurde sie Dritte, wie auch in ihrem Heimpsiel "Musketier". Es galt, herabrutschende Tafeln mit dem Degen zu treffen – und überraschenderweise verfehlte sie zwei. Das reichte, um nicht Erste zu werden! Eishockey-Crack Christian Ehrhoff siegte vor Gewichtheber-Gigant Matthias Steiner und Britta.

In der Gesamtwertung führt nach der Hälfte der Wettkämpfe Ehrhoff (76 Punkte) vor Biathletin Andrea Burke (geb. Henkel, 70 Punkte) und Skispringer Sven Hannawald (65 Punkte). Wäre jetzt Schluss, wäre Heidemann als Vierte (59 Punkte) fürs Finale qualifiziert. So aber haben auch noch Steiner (56 Punkte), Handballerin Nadine Krause (53 Punkte), Boxerin Susi Kentikian (50 Punkte) und Bob-Hüne Kevin Kuske (41 Punkte) Chancen.

Für Britta Heidemann, die sich erst spät für den Degensport entschied und sich vorher auch als Leichtathletin, Schwimmerin und (wie ihre Mutter) moderne Fünfklämpferin talentiert zeigte, waren die Olympischen Spiele in Peking der größte Event ihres Lebens. Nicht nur wegen der Goldmedaille, sondern wegen ihrer Liebe zu China. 1999, in der 11. Klasse, lebte und lernte sie drei Monate lang in China und durfte dort mit der chinesischen Degen-Nationalmannschaft trainieren – und freundete sich mit der Chinesin Na an, die sie später bei den Weltmeisterschaften im Finale schlug. "Ich habe mich in China verliebt", erzählte Heidemann – und sie zog es durch: Sie lernte Chinesisch, studierte später sogar "Reginalwissenschaften China".

Bei den Olympischen Spielen in Peking war sie die einzige deutsche Sportlerin, die fließend Chinesisch sprach und deshalb ein begehrter Talkgast, sie gab sogar im chinesischen TV ein 45-minütiges Live-Interview. Die Sendung sahen 150 Millionen Menschen. "Kleiner Mond", wie Britta Heidemann in China genannt wird, ist dort die bekannteste und beliebteste deutsche Sportlerin. Lediglich Kult-Basketballer Dirk Nowitzki und Tischtennis-Star Timo Boll haben einen noch höheren Bekanntheitsgrad.

2016 durfte Britta nicht zu Olympia nach Rio, obwohl sie zu den Top 20 der Welt gehörte. Im Februar 2018 beendete sie offiziell ihre aktive Karriere. Aber sie blieb dem Sport treu, ist Mitglied der IOC-Athletenkommission und der DFL Stiftung, engagiert sich für die Deutsche Krebshilfe, hält Vorträge, schrieb Bücher. "Es ist toll, wie sie für ihren Sport lebt", lobte Andrea Burke. Damit gibt Britta nach eigenen Worten etwas zurück, denn: "Ich habe wegen des Sports auf nichts verzichten müssen, ich habe nur unglaublich viel gewonnen."

Apropos gewinnen: In der vierten Woche der "Ewigen Helden" schnitt sie punktgleich mit Christian Ehrhoff als Wochenbeste ab und erhielt wie auch der Eishockey-Star eine Goldmedaille. Nächste Woche (Dienstag, 19.03., 20.15 Uhr, VOX) blickt Skisprung-Legende Sven Hannawald auf seine bewegte Karriere zurück. Mit allen Höhen und Tiefen.

Die aktuelle Rangliste bei Ewige Helden 2019

  1. Christian Ehrhoff (76 Punkte)
  2. Andrea Burke (70 Punkte)
  3. Sven Hannawald (65 Punkte)
  4. Britta Heidemann (59 Punkte)
  5. Matthias Steiner (56 Punkte)
  6. Nadine Krause (53 Punkte)
  7. Susi Kentikian (50 Punkte)
  8. Kevin Kuske (41 Punkte)

Quelle: teleschau – der Mediendienst