Hollywood-Star Idris Elba wird in seiner ersten Netflix-Serie "Turn Up Charlie" nicht nur zum alternden Mittelmaß-DJ, sondern gibt auch das Kindermädchen einer verzogenen Elfjährigen.

Nicht erst seit Arnold Schwarzenegger "Kindergarten Cop" erfreuen sich Ausflüge harter Hollywood-Typen in knuffige Rollen großer Beliebtheit. Ob man die Comedy-Seitensprünge dabei als reine Slapstick-Schenkelklopfer oder gar als Dekonstruktion alter Männlichkeitsbilder deutet, ist völlig egal – geschadet hat es von Bruce Willis bis Sylvester Stallone keinem. So verwundert es wenig, wenn sich nun auch Streamingdienst Netflix am Genre "Tougher Typ macht was mit Kindern oder Tieren" versucht.

Als Objekt der Transformation stellt sich Idris Elba zur Verfügung, der nach stahlharten Superhelden-, Gangster- und Polizistenrollen wie in "Thor", "The Wire" und "Luther" nun in "Turn Up Charlie" (ab Freitag, 15. März, auf Netflix) den irgendwie sympatischen Loser gibt. In seiner Rolle der Titelfigur Charlie schlägt sich der "Sexiest Man Alive", der die Serie gemeinsam mit Gary Reich kreierte, als erfolgloser alternder DJ und Spät-Student mehr schlecht als recht durchs Leben. Nicht nur findet niemand mehr die Musik des einstigen One-Hit-Wonders überzeugend, auch muss er mit seiner Tante und einem eigenartigen Mitbewohner zusammenleben.

So ist es schließlich sein bester Freund David (JJ Field), der ihm aus der Patsche hilft: Weil er und seine Frau Sarah (Piper Perabo), eine berühmte Star-DJane, keinen Babysitter für ihre verwöhnte elfjährige Tochter Gabby (Frankie Hervey) finden, bekommt Charlie kurzerhand diesen Job angeboten. Widerwillig ("Kinder stinken") wird er zur "Manny" der frühreifen Promi-Göre, die mit ihrer manipulativen Art schon so manch anderes Kindermädchen in den Wahnsinn trieb.

So weit, so klassisch. Acht Episoden lang schlägt sich Charlie mit der Teenagerin herum, und lernt dabei ebenso andere Seiten an sich kennen wie der Zuschauer an Idris Elba. Der 46-Jährige, der auch in Wirklichkeit nebenher als (allerdings hochgelobter) DJ arbeitet, bildet gemeinsam mit Nachwuchsdarstellerin Frankie Hervey ein eingespieltes Duo. Zwischen Sitcom-Slapstik, Situationskomik und Dialogwitz gelingt es "Turn Up Charlie", einem etwas vorhersehbaren – weil in seiner Grundszenerie schon bekannten – Plot die nötige (britische) Finesse und Coolness zur verleihen. Und das, trotz zahlreicher melancholischer Momente, fast ganz ohne übergestülpte Moral.


Quelle: teleschau – der Mediendienst