Dass die brutale Comicverfilmung "Logan" (2017) vor rund zwei Jahren außer Konkurrenz auf der Berlinale lief, mochte damals viele überrascht haben. Bei genauerem Hinsehen jedoch passte der starke Abschluss der Wolverine-Trilogie ziemlich gut in den Jahrgang 2017. Er setzte nicht nur einen blutroten Schlusspunkt, sondern baute für die moralischen und ethischen Themen des Festivals, für Flüchtlinge und Grenzüberschreitungen, eine Brücke in die Multiplexe. Dass die ziemlich tragfähig war, lag auch, aber nicht nur am grandios-grantigen Hauptdarsteller Hugh Jackman in einer würdevollen Abschiedsvorstellung als Wolverine. ProSieben zeigt den düsteren Actionfilm als TV-Premiere am Neujahrstag.

Es ist vor allem Regisseur James Mangold ("Walk The Line") zu verdanken, der mit Mut zur Provokation und gegen jede Blockbuster-Konvention ein düsteres, realistisches und intimes Roadmovie und einen apokalyptischen Anti-Western schuf – mit Gewalteskalationen, die so unerträglich brutal wie unvermeidlich sind. "Logan" nimmt sich mit einem reduzierten Handlungskorsett viel Zeit für seine Figuren und erlaubt sich eine Konsequenz und eine emotionale Intensität, wie man sie in Comic-Verfilmungen noch nicht gesehen hat.

Dreckig und staubig ist es im Jahr 2029 im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko, wo sich der sichtlich gealterte Logan (Jackman) als Chauffeur einer Luxus-Limousine verdingt, sich nach Dienstschluss besinnungslos säuft und in lichten Momenten für Charles Xavier (Sir Patrick Stewart) sorgt. Mit Professor X und dem seherisch begabten Caliban (Stephen Merchant) lebt Logan in einer Art WG – sie sind nach den Kriegen der vergangenen Jahre wohl die letzten Mutanten auf der Welt. Doch dann taucht die zehnjährige Laura (Dafne Keen) auf.

Das Mädchen ist Logan in vielerlei Hinsicht ziemlich ähnlich und will sich von Wolverine zu einem sicheren Ort am anderen Ende der USA bringen lassen. Laura wird im Auftrag einer Gen-Firma von einer Privatarmee unter der Leitung des Cyborgs Donald Pierce (Boyd Holbrook) gejagt. Auf dem Weg nach North Dakota wird der Reisegruppe natürlich kein roter Teppich ausgerollt. Wenngleich sich jeder Teppich, den sie betreten, blutrot färbt ...

Wenn sich die Klingen durch Gesichter bohren, wenn Köpfe und Gliedmaßen abgetrennt werden, dann sind das kaum erträgliche Bilder. Der Gore-Faktor ist unvermeidlich, er illustriert wirkungsvoll die Konsequenzen des Tötens, mit denen Logan seit Jahrhunderten klarkommen muss und die nun auch Laura nicht erspart bleiben. Es gibt keine Helden mehr, es gibt nur des Lebens müde Kampfmaschinen und ihre Kinder, die nichts anderes gelernt haben, in dieser düsteren Zukunftsversion einer unerträglichen Gegenwart, deren Schlüsselszene fast schon ein Flehen ist.

"Logan" ist ein Requiem für all die Superhelden, die sich den Tod herbeisehnen – und denen am Ende die Erlösung gewährt wird. Der Preis dafür ist freilich hoch. Nicht für Wolverine, aber für Laura und ihre X-Kids-Freunde, denen die Welt leider nicht erspart bleibt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst