Neue Folge im ZDF

"Nachtschicht – Cash & Carry": Benno Fürmann stirbt den Polizisten-Tod

von Wilfried Geldner

Streifenpolizist Harry (Benno Fürmann) wird bei einem Einsatz erschossen, vor den Augen seiner schwangeren Partnerin Milla (Friederike Becht). Unterhaltsamer Krimi aus der "Nachtschicht"-Reihe.

ZDF
Nachtschicht – Cash & Carry
Krimi • 04.05.2020 • 20:15 Uhr

Die 16. Episode der Kultreihe "Nachtschicht", wie alle anderen zuvor von Lars Becker inszeniert und geschrieben, nimmt die gewohnten Motive der Polizeifilm-Serie auf: Die Grenzen zwischen Gesetz und Verbrechen, zwischen dem fünfköpfigen Team vom Hamburger Kriminaldauerdienst und den Ganoven an der Alster, sie sind fließend. Gar mancher und manche aus den Reihen der Polizei hätte auch gerne was vom großen Kuchen ab. Warum nicht auch mal was von der Beute abzweigen und in die eigene Tasche stecken? – In "Cash & Carry" sind es genau 150.000 Euro, welche die Ganoven Norman Melchior (Pit Bukowski, einer der wirklich Angst machen kann) und der farbige Balou Dieudonné (Lefaza Jovete Klinsmann, der Gute an seiner Seite) erbeuten. Erst sperren sie behördenmäßig die Straße ab und dann holen sie den Geldautomaten mit dem Gabelstapler aus der Wand.

Dumm nur, dass sich Streifenpolizist Harry (Benno Fürmann) zu viel zutraut und den vielfach vorbestraften Norman stellen will. Das kostet ihm das Leben. Was wiederum seine Streifenpartnerin Milla (Friederike Becht) besonders unglücklich macht, erwartet sie doch von Harry gerade ein Kind. Ihr Mentor sei er gewesen, der ihr gezeigt habe, wo es lang geht, sie stehe eben auf solche Vaterfiguren, erklärt sie später. Dabei hatte sich Harry zuvor in einem slapstickhaften Teaser als wahrer Kotzbrocken und Rassist erwiesen. Ausgerechnet Elias aus dem Nachtschicht-Team will er auf seiner Streife auf Herz und Nieren prüfen: Wer eine braune Haut hat, muss ein Ganove sein! Elias wird übrigens vom Entertainer, Moderator und Schauspieler Tedros Teclebrhan gespielt, fraglos eine spannende Ergänzung an Armin Rohde Seite.

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Wie gut, dass Rohde als Dauerdienstler Erichsen seine Hamburger Pappenheimer kennt. Erichsen entgeht nichts, er ist sämtlichen Kollegen stets einen Schritt voraus. Er kennt die Gesetze und die Regeln der Polizei aus dem ff und achtet darauf, dass sich kein Polizist im Überschwang der Gefühle unglücklich macht. In diesem Fall muss er dafür sorgen, dass Milla, die ob des Todes ihres Gefährten hoch erzürnte Jungpolizistin, womöglich auf eigene Faust Rache übt. Erichsen geht immer wieder dazwischen, wenn Bullensprüche, die das Recht zum eigenen Nutzen beugen, auf dem Revier grassieren. Maximilian Brückner gibt einen Law-and-Order-Mann mit bayerischem Akzent – große Nummer, übrigens -, der eigentlich unter Hamburger Ordnungshütern Entsetzen hervorrufen müsste. Doch Erichsen kennt, will man es nicht als Drehbuchschwäche auslegen, dieses treudoofe Muskelspiel, zeigt Routine – nun ja, das Amt und seine Strapazen!

Was den Rassismus anbelangt, so gibt es in dieser "Nachtschicht" ohnehin immer wieder was zu bereden. Balou, Normans Komplize (Lefaza Jovete Klinsmann) kommt aus dem Kongo, er hat eine Schwester im Krankenhaus, die seinem verletzten Kumpel helfen kann und genauso wie ihre Tante den Bruder deckt. So wird aus "Cash & Carry" eine Achterbahnfahrt, die über weite Strecken den Zuschauer auf die Seite der Panzerknacker zieht. Überhaupt scheint es, als hätte Lars Becker inzwischen eine Art Altersmilde ergriffen. Von der schwarzen Polizeiserie des Anfangs vor 18 Jahren ist nicht mehr viel geblieben.

Armin Rohde und Co. machen trotzdem Spaß mit ihren meist aus der Hüfte geschossenen Allerweltssprüchen und Querelen. Merke: "Irgendwann redet jeder!" Und wenn es doch mal hakt im Handlungsgefüge bei diesem unterhaltsamen Run aufs Geld, dann ist die mit Augenzwinkern zwischen viel "Scheiße" und "Ficken" durchscheinende Zeigefinger-Moral: "Verachtet mir die Bullen nicht!" doch immer noch sehr sehenswert.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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