ARD-Komödie

"Werkstatthelden mit Herz": Bierbäuche beim Berlin-Marathon

von Wilfried Geldner

Um seine Werkstatt vor der Pleite zu retten, lässt sich Carlo auf eine Wette ein: Er und seine Mitarbeiter müssen beim Berlin-Marathon ins Ziel kommen. Zäher Beginn, doch eine schöne Du-schaffst-es-Dramaturgie im zweiten Teil des Films.

ARD
Werkstatthelden mit Herz
Komödie • 01.05.2020 • 20:15 Uhr

Nicht schon wieder Marathon!, denkt man und erinnert sich an Dieter Hallervorden, wie er im "letzten Rennen" zugleich durchs Marathontor des Olympiastadions und in den Himmel lief. Hier, im Freitagsfilm "Werkstatt mit Herz" (ARD), sind es drei Ruhrpott-Werkstattkumpel samt ihrem Chef Carlo, die Gleiches wollen.

Carlo wird vom gewaltigen Bauchträger Armin Rohde mit tiefrotem Kopf und beängstigend schwerem Atem gespielt. Auch seine drei Angestellten, die mit dem Werkstattbesitzer um ihre Existenz fürchten müssen, weil Carlo die Steuerschulden über den Kopf gewachsen sind, wirken nicht gerade so, als könnten sie je einen Marathon zu Ende laufen. Trotzdem gehen die Skatbrüder mit dem fiesen Fitnessstudio-Besitzer von nebenan eine kaum zu gewinnende Wette ein: 50.000 Euro dafür, dass sie alle vier das Ziel beim Berlin-Marathon erreichen!

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Gute Idee, dass da noch einer im Rollstuhl sitzt, ein Schwarzafrikaner aus Ghana, der angeblich schon vier Marathons gewonnen hat und genau weiß, wie man Werbung betreibt – und sei es auch für den Fitness-Fiesling, den Hasan Ali Mete ein bisschen zu geradlinig böse mimt. "Ihr seid 'ne gute Werbecombo!", behauptet der stets gut gelaunte Moah (Eugene Boateng) und verspricht: "Ich trainiere euch." Schon sieht man sie keuchen, die insgesamt vier Jammergestalten, schneckengleich kriechen sie über Stock und Stein. Berlin-Marathon? Man kann es nicht glauben. Da mag der Moah noch so optimistisch sein.

Und doch ist man natürlich gespannt, wie das gehen wird, wie dieses so hoffnungslos körperbetonte Bodymovie sein Ziel finden soll. Mit dem Training allein – "Jeden Tag, jede Stunde!", wie Moah droht – ist das nicht zu machen. Und während der Countdown so unvermeidlich läuft, bietet das Drehbuch von Sathyan Ramesh denn auch die verwegensten Familien- und Liebesszenen am Rande des alptraumhaften Weges auf. Da werden schlampige Beziehungsverhältnisse zurechtgebogen, ein Schwuler bekennt sich plötzlich zu seinem Glück, das er ausgerechnet in Form des unerbittlichen Finanzamtsfuzzis findet. Carlo beginnt nicht nur sehr plötzlich vom Busen seiner Liebsten (Jule Böwe) zu schwärmen, während sie ihrerseits, diesen streichelnd, von seinem wunderbar weichen, voluminösen Bauch zu schwelgen beginnt.

Nach zähem Beginn mit viel raubeinigen Malochersprüchen, mit denen alte Herren junge Rapper mimen, nimmt das Traumspiel, in dem Rohdes Bauch nebst dem (Titel-)Herzen eine Hauptrolle spielt, Fahrt auf im zweiten Teil. Selbst Carlos Sohn, ein sonst zorniges Kerlchen, trampt nach Berlin, um den Papa laufen zu sehen. Spätestens hier greift die Du-schaffst-es-Dramaturgie. Das ist jetzt fein durchkompniert von der Regie (Lars Montag), bis hin zum triefigen "You Never Walk Alone"-Solo und noch viel weiter. Die Wahnsinnsmassen am Brandenburger Tor, die sympathisierenden Zuschauer am Straßenrand und vor dem Bildschirm daheim an der Theke. Man sieht, was man nicht glauben kann – aber genau so muss es gewesen sein.

Werkstatthelden mit Herz – Fr. 01.05. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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