Benno Fürmann ist in der herrlich vergnüglichen Nazi-Satire "Heil" als Anführer einer Neonazibande zu sehen, die in Polen einmarschieren will – der Liebe wegen. Ein Film der vor nichts und niemandem zurückschreckt.

Dietrich Brüggemann gehört zu den profiliertesten Regisseuren des deutschen Films. Denn der geborene Münchner, der seine Streifen meist in Kooperation mit seiner Schwester Anna entwickelt, hat keine Angst vor grellen Inszenierungen und schrägem Humor. Viel beachtet wurden seine Werke "Renn, wenn du kannst" (2010), "3 Zimmer, Küche, Bad" (2012) und "Kreuzweg", der 2014 bei der Berlinale den Silbernen Bären für das beste Drehbuch erhielt. In seinem Film "Heil" (2015) nimmt der 41-Jährige die ostdeutschen Neonazis auf Korn. Aber auch Politiker, Verfassungsschützer, die Boulevardpresse und Intellektuelle bekommen ihr Fett weg. Getreu dem Motto: Erlaubt ist, was gefällt!

Willkommen in Prittwitz, einer freudlosen Ortschaft im Osten, in der Rechtsradikale das Geschehen bestimmen. Dorthin verschlägt es den afrodeutschen Erfolgsautor Sebastian Klein (Jerry Hoffmann). Mit seinem Buch über den alltäglichen Rassismus ist er der Star der intellektuellen Debatte im aufgeklärten Deutschland.

In Polen einmarschieren – der Liebe wegen

Als Sebastian in Prittwitz auf Lesetour geht, wird er von der Neonazibande um den charismatischen Anführer Sven Stanislawski (Benno Fürmann) geschnappt und mit einem Schlag auf den Kopf manipuliert. Fortan fungiert er als Papagei der rechten Bande und plappert tumb die Phrasen nach, die ihm Sven souffliert. Und der hat große Pläne: Er will in Polen einmarschieren – allerdings nur, um Nazibraut Doreen (Anna Brüggemann) rumzukriegen.

Sebastians hochschwangere Freundin Nina (Liv Lisa Fries) macht sich derweil auf die Suche nach ihrem derangierten Freund, assistiert von Sascha, einem früheren Dorfpolizisten (Oliver Bröcker), der die Nazis dicke hat. Plötzlich wollen in der grotesken Szenerie alle mitmischen: Bayerische Nationalisten ebenso wie die etwas unfähigen Vertreter vom Verfassungsschutz. Fortan artet die Handlung des Films völlig aus.

Slapstick, Selbstironie und Klamauk

Allerorten herrscht überkandidelte Verwirrung und schonungsloser Witz. Brüggemann inszeniert hier in bester "Schtonk"-Manier einen furchtlosen Film mit gewaltiger Lust an der politisch unkorrekten Attitüde. Slapstick, Selbstironie und Klamauk gehen eine gelungene, gleichwohl sehr schrille Symbiose ein. Darauf muss man sich allerdings einlassen.

Fest steht: Regisseure wie Brüggemann, die die Schranken des gefälligen Konsumkinos sprengen, bereichern unsere konforme Filmlandschaft.


Quelle: teleschau – der Mediendienst