Frauen verlieren sich in seinen blauen Augen, Männer möchten mit ihm als bestem Freund um die Häuser ziehen. Im Spielfim "Ellas Baby" (13. Oktober um 20.15 Uhr, ARD) spielt Schauspieler Benno Fürmann einen allein erziehenden Vater der zwischen zwei Frauen steht. Seine16-jährige Tochter Ella (Tijan Marei) ist ungewollt schwanger, seine Freundin Ariane (Katharina Schüttler) wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. In prisma spricht der 45-Jährige über seine Vaterrolle im Film wie privat, warum er gerne mehr Komödien spielen würde – und mit wem er gerne mal um die Häuser ziehen möchte.

Die minderjährige Tochter ungewollt schwanger, die Freundin drängt mit ihrem Kinderwunsch. Was hat Sie an der Rolle des Roman gereizt?

Roman steckt in einer ziemlichen Misere. Die Freundin wird immer hysterischer, sein Sex verkommt als Mittel zum Zweck. Roman steht zwischen Vater- und Opa-Rolle, dem Kinderwunsch seiner Freundin und dem Abtreibungswunsch seiner Tochter. Dabei lernt er erst spät, für sich Verantwortung zu übernehmen.

Und es geht um die Generationen. Sind Großeltern die besseren Eltern? Sie können sich ja auf die sonnigen Momente der Erziehung konzentrieren. Bei Tee und Plätzchen in meiner Küche haben wir uns alle damit auseinander gesetzt.

Tijan Marei, Ihre Filmtochter, sagt, dass Sie sich wie ein Ersatzdaddy angefühlt haben ...

... wir hatten alle viel Glück miteinander. Filme funktionieren ja unter unwirklichen Umständen. Ich habe am Set eine Ehe mit einer Frau, die ich zwei Tage kenne, dazu eine Tochter, die ich vier Tage zuvor kennen gelernt habe. Wenn die Chemie da auf Anhieb stimmt, hat man Glück. Bei uns war das ziemlich gut gewürfelt, wir haben auf einer Bühne des Vertrauens miteinander agiert.

"Ellas Baby" ist ein moderner Familienfilm: mehr zum Lachen oder zum Weinen?

Hoffentlich beides. Die Menschen, die den Film schon gesehen haben, reagieren sehr emotional. Ich mag es aber, in schwierigen Situationen des Lebens die Ernsthaftigkeit zu durchbrechen. Immer passend zu reagieren, das ist langweilig. Der unpassende Satz im unpassenden Moment, das ist meins.

Wie weit ist der Stoff vom eigenen Leben weg? Sie sind ja selber Vater einer 14jährigen Tochter.

Klar, meine berufliche Arbeit hat auch einen privaten Resonanzraum. Es ist schön, von den Dreharbeiten nach Hause zu kommen und eine nicht-schwangere Tochter vorzufinden.

Was macht einen guten Vater aus?

Man sollte nicht erwarten, dass die Kinder so werden, wie man selber ist. Im Idealfall begleite ich meine Tochter, gebe ihr einen Orientierungsrahmen. Wichtig ist doch, dass man auf das Gegenüber authentisch wirkt. Aber wir sind alle sind nicht ohne Fehler und Schwächen.

Welche Erfahrungen geben Sie Ihrer Tochter mit auf den Weg?

Unsere Tochter sollte wissen, dass es wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben. Wir sollten bescheidener sein. Kinder sind ja kein Produkt, auf das die Eltern irgendwelche Eigentumsrechte haben. Wichtig ist, unser Kind stabil zu begleiten, ihr Aufmerksamkeit und soziales Miteinander für ihren Weg mitzugeben.

Die Rolle als Vater kann man ja nicht proben. Jeden Tag gibt es eine neue Vorstellung ...

Ich hatte am Anfang große Berührungsängste. Für mich war das Vaterwerden eher eine romantische Sache. Dann war es soweit: Du musst täglich liefern. Vorbild sein. Das Leben erklären. Ein Dach über dem Kopf bieten. Die Versorgerrolle ausfüllen. Das schließt dann gewisse andere Dinge wie eine Motorrad-Weltreise oder eine Jahr im Schweigekloster aus. Unsere Tochter steht im Mittelpunkt meines Lebens! Und ich will nicht mehr tauschen.

Erst für starke Wurzeln sorgen, dann starke Flügel mitgeben. Bei Ihrer Tochter beginnt das Loslassen – schwierig?

Ein schönes Bild. Ja, absolut schwierig. Das ist leichter gesagt, als getan. Es gelingt mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Wichtig ist, den Humor dabei nicht zu vergessen.

Ihre Karriere in Stichworten: Mittlere Reife, Kellner, Türsteher - dann Filmstar! Wie erklärt man diesen Weg?

In dem man lernt, auf sich selber zu hören und ein Gefühl für sich selber zu entwickeln. Ich hoffe, wir schaffen es, dass sich unsere Tochter traut, nach links zu gehen, wenn alle anderen nach rechts abbiegen. Ein wenig Anderssein durch Abgrenzung und dabei aber nicht vergessen: Wir sind zwar alle unterschiedlich, brauchen als Herdentier aber einander.

Sie sind in vielen Genres des Films zu Hause. Lieber Krimi oder Komödie?

Am Ende des Tages habe ich bislang wohl mehr Krimis und Dramen als Komödien gespielt. In der Komödie hast Du einen sehr schmalen Grad zur Peinlichkeit, da bietet das Drama mehr Grauzonen. Aber ich würde gerne mehr gut durch getaktete, intelligente und punktgenaue Komödien spielen. Die Komödie ist Musikalität. Eine große Kunst!

Was muss eine Filmrolle mitbringen, damit Sie ihr den Zuschlag geben?

Sie muss mich berühren, etwas mit mir machen. Das ist mit einem Gespräch oder einem Buch vergleichbar. Es muss mich stimulieren, sonst lege ich es weg.

Und nach dem Dreh? Wie lange bleiben Rolle und Drehbuch an den Schuhen haften?

Das Drehen ist vor allem Handwerk. Da macht man nach dem Drehtag oft die Tür zu, trinkt ein kaltes Bier und atmet durch. Manches ist aber auch so feinstofflich, dass man es in den Feierabend hinein trägt. Da ist dann eine Schwingung. Man hat sich in der Rolle ausgedehnt und mehr über das Leben durch die Augen eines anderen erfahren.

Mit wem würden Sie nach dem Dreh gerne um die Häuser ziehen?

Gerne würde ich mich mit dem amerikanischen Schriftsteller Richard Ford auf eine Flasche Wein treffen. Aber noch lieber ist mir eine Bergtour mit guten Gesprächen in der Weite der Natur.

Das Interview führte Matthias M. Machan